Festival

Svenja Böttger: "Missverhältnisse transparent machen"

Das Filmfestival Max Ophüls Preis gehört zu den Preisträgern des ersten Fair Festival Awards. Herausforderungen gebe es nach wie vor genug, so Festivalleiterin Svenja Böttger.

29.07.2021 14:32 • von Barbara Schuster
Svenja Böttger (Bild: FFMOP)

Das Filmfestival Max Ophüls Preis gehört zu den Preisträgern des ersten Fair Festival Awards. Herausforderungen gebe es nach wie vor genug, so Festivalleiterin Svenja Böttger.

Das Filmfestival Max Ophüls Preis gehört zu den ausgezeichneten Festivals beim ersten Fair Festival Award. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Es bedeutet für uns Anfang und gleichzeitig auch stetige Aufgabe. Ein Anfang im Sinne: im Dialog zu stehen, über faire Arbeitsbedingungen zu sprechen und sich auszutauschen. Es ist wirklich wichtig, dass wir uns hier ehrlich und transparent unterhalten. Daher ist es eine unentwegte Aufgabe und die Auszeichnung ein Ansporn für uns, den Weg weiterzugehen, bessere Bedingungen zu schaffen.

Die durchgeführte Umfrage von der AG Festivalarbeit/ver.di hatte auch zum Ziel, das "spärlich dokumentierte Feld der Arbeitsbedingungen bei Filmfestivals" zu untersuchen. Welchen Ansatz verfolgt das FFMOP bezüglich fairer Arbeitsbedingungen?

Uns ist bewusst, dass viel zu lange über diesen Bereich eisern geschwiegen wurde und die Verhältnisse prekär sind. Wir versuchen kontinuierlich, Missverhältnisse transparent zu machen und offen den Dialog zu suchen. Wir wollen uns stetig verbessern, ein fairer Arbeitgeber zu werden.

Ergebnisse waren, dass die Filmfestivalbranche zu prekären und geschlechterungerechten Arbeitsverhältnissen beiträgt. Welche Meinung haben Sie dazu?

Es ist gut, dass wir diese Missstände jetzt auch wissenschaftlich belegen können und nicht nur ein vages Gefühl herrscht, dass da sehr viele Herausforderungen auf uns warten. Jetzt geht es darum, aus den Erkenntnissen Aufgaben zu formulieren, wie wir an der Gesamtsituation arbeiten können, um diese nachhaltig zu verändern.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach allgemein in der deutschen Festivalbranche am meisten Reformbedarf?

Wichtig ist zu verstehen, dass es im Filmfestivalbereich bisher kaum Berufsbezeichnungen gibt und die Anerkennung der Fachkenntnisse und des Spezialwissens fehlt. Ich wünsche mir, dass wir hieran etwas gemeinsam ändern können, dass es berufliche Perspektiven in diesem spannenden Kulturzweig gibt und dass wir darüber sprechen können, wie Festivals finanziell ausgestattet werden müssen, um faire Bedingungen herstellen zu können. Da gilt es dann auch, zum Beispiel mit Zuschussgebern Regelungen anzupassen, um Personalkosten anders geltend machen zu können. Reformbedarf besteht auch allgemein in der finanziellen Ausstattung der Festivals. Aber auch das Verständnis von künstlerischer kuratorischer Arbeit muss beispielsweise auch gegenüber der KSK und anderen Interessensvertretungen deutlich gemacht werden, um auch auf dieser Ebene bessere Bedingungen zu schaffen. Aber auch Kriterien um eine Mitgliedschaft in der KSK erhalten zu können müssen beispielsweise entwickelt werden und das Thema soziale Absicherung und Altersvorsorge sind große Baustellen, die gemeinsam angegangen werden sollten.

Musste sich auch das FFMOP ändern, um den Ansprüchen bezüglich fairer Arbeitsbedingungen gerecht zu werden?

Absolut, und wir verstehen das unbedingt als stetigen Prozess, der uns begleitet und den wir stets im Auge haben wollen. Auch bei uns ist an verschiedenen Punkten Luft nach oben, und wir haben klare Aspekte ausgemacht, die wir weiterentwickeln wollen, um das Festival auf kontinuierliche Weise gerechter zu gestalten.

Barbara Schuster