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Überraschender Trend in Großbritannien

Für irgendeine Form der Entwarnung ist es natürlich viel zu früh. Aber die Entwicklung des Infektionsgeschehens in Großbritannien überrascht - ausnahmsweise im positiven Sinn.

28.07.2021 10:47 • von Marc Mensch
Premierminister Boris Johnson (Bild: IMAGO/NurPhoto)

Man muss es wohl vorausschicken: Ein einwöchiger Trend heißt in dieser Pandemie bisweilen vergleichsweise wenig. Aber zumindest aktuell lässt sich feststellen: Die extrem umstrittene Aufhebung praktisch sämtlicher Corona-Maßnahmen in England hat bislang noch nicht zum befürchteten Anstieg der Neuinfektionen auf der Insel geführt - und das, obwohl die Regierung von Premier Boris Johnson selbst zunächst massiv steigende Fallzahlen in ihre Entscheidung mit einkalkuliert hatte.

Tatsächlich ist derzeit (noch) das Gegenteil der Fall - bis gestern waren die Inzidenzen in Großbritannien bereits seit einer Woche wieder rückläufig, auch in England selbst fielen sie zuletzt. Zwar muss man selbstverständlich die Inkubationszeit berücksichtigen - diese wird momentan aber auf eine durchschnittliche Länge von nur fünf bis sechs Tagen geschätzt.

Erklärungen für die unerwartete Wende kursieren einige, darunter nicht zuletzt das sommerliche Wetter, das die Briten vermehrt ins Freie getrieben habe, wo die Ansteckungsgefahr geringer ist. Zudem ist zu beachten, dass nur England vorangeprescht ist (in Schottland sollen umfangreiche Lockerungen frühestens Anfang August umgesetzt werden), dass weitreichende Quarantänepflichten nicht ohne erhebliche Auswirkungen auf das öffentliche Leben blieben und dass die Lockerungen durchaus nicht lückenlos umgesetzt wurden. Weder von diversen Unternehmen, noch von den Bürger*innen, von denen Umfragen zufolge jede(r) Zweite den Schritt als verfrüht empfand.

Dennoch liefert die Entwicklung allererste Anzeichen dafür, dass der Plan der Regierung Johnson aufgehen könnte. Ein Plan, der allerdings auch auf einer Vollimpfung von 70 Prozent der Erwachsenen basierte, wie man mit Blick auf Länder mit niedrigeren Impfraten (wie Deutschland) ergänzen muss. Selbst für ein fundiertes Zwischenfazit ist es natürlich noch viel zu früh, umso mehr für Entwarnung.

Aber die Entwicklung schafft doch zumindest ein wenig Raum für Optimismus. Was man nicht zuletzt deshalb unterstreichen darf, weil im Zuge der kurzfristigen Aufhebung des GB-Starttermins von "The Green Knight" erste Befürchtungen innerhalb der Branche laut wurden, ein wieder einbrechender britischer Kinomarkt könne (nicht zuletzt angesichts der weiterhin eher suboptimalen Situation in den USA) das Zünglein an der Waage sein, das eine neuerliche Verschiebung wenigstens eines großen Herbsttitels auslöst.