Produktion

27 Films bereitet "Der Fuchs" vor und entwickelt Serien

Oliver Damians 27 Films, die internationale Arthouseprojekte (ko-)produziert, nimmt seit dem Erfolg von "Iron Sky" auch vermehrt Genreprojekte in Angriff und treibt High-End-Serien wie "Goldzug" und "Der Libanese" voran. Als nächstes steht der Dreh zum Kinodrama "Der Fuchs" an.

28.07.2021 11:11 • von Heike Angermaier
Oliver Damian, Produzent und Geschäftsführer von 27 Films (Bild: 27 Films)

Oliver Damians 27 Films, die vornehmlich internationale Arthouseprojekte produziert und koproduziert, nimmt seit dem Erfolg von Iron Sky" auch vermehrt Genreprojekte in Angriff und treibt High-End-Serien wie "Goldzug" und "Der Libanese" voran. Als nächstes steht der Dreh zum Kinodrama "Der Fuchs" an.

"Durch "Iron Sky" haben wir uns auch in Richtung Genre bzw. Unterhaltung orientiert. Wir bleiben aber ein Boutique-Unternehmen, das weiterhin auch Arthousestoffe entwickelt", sagt Geschäftsführer Oliver Damian zur neuen Ausrichtung seiner 2005 gegründeten Berliner Produktionsfirma 27 Films. Sie (ko-)produzierte u.a. die auf Festivals erfolgreichen Dramen The Rainbowmaker" der georgischen Filmemacherin Nana Djordjadze und Der Vater meiner Kinder" von Mia Hansen-Løve und den augenzwinkernden Science-Fiction-Actionfilm "Iron Sky" von Timo Vuorensola. Der Film mit Julia Dietze, Udo Kier und Götz Otto avancierte zum Kultfilm, zu dem 2012 in Deutschland knapp eine halbe Mio. Tickets verkauft wurden und der mit Iron Sky: The Coming Race" 2019 eine Fortsetzung erfuhr. Neu ist vor allem, dass Damian eine ganze Reihe spannender High-End-Serienstoffe vorantreibt und auf Märkten präsentiert.

Als nächstes steht aber ein bereits lange geplantes, klassisches Arthousekinoprojekt in den Startlöchern. "Der Fuchs", eine im Elsass spielende Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die zum Ende des Ersten Weltkriegs einen desertierten Soldaten bei sich verstecken, soll ab September gedreht werden. Matthias Luthardt, dessen preisgekröntes Drama Ping Pong" bereits in deutsch-französischer Zusammenarbeit entstand, inszeniert Luise Aschenbrenner, Christa Théret und Leonard Kunz in den Hauptrollen nach einem Drehbuch von Sebastian Bleyl und ihm. Das Drama, das seit 2012 entwickelt wird, basiert auf der gleichnamigen Erzählung von D H Lawrence und musste aus verschiedenen Gründen immer wieder verschoben werden - zuletzt wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr. Damian ist seinen Partnern, der französischen Les films de l´étranger von Philippe Avril, BR und Arte dankbar, dass sie die Verschiebung mitgetragen haben. Gedreht werden wird hauptsächlich konzentriert an einem Motiv mit kleiner Besetzung. Szenenbildner Olivier Meidinger gehört zur deutsch-französischen Crew. Pyramide übernimmt den Weltvertrieb, Salzgeber den Verleih hierzulande.

Für kommenden Januar vorgesehen ist der Drehstart von "Fräulein Nazca" bzw. Lady Nazca" mit der u.a. für Frantz", Bad Banks" und "Undine" ausgezeichneten Paula Beer als Titelheldin. Es handelt sich um die reale Persönlichkeit Maria Reiche aus Dresden, die Archäologiegeschichte schrieb, weil sie in jahrzehntelanger Arbeit die Nazca-Linien in Peru entschlüsselte und bewahrte, von einer frühen Kultur in den Sand der Wüste geätzte riesige Zeichnungen. Alice Dwyer ist für die Rolle ihrer Lebensgefährtin vorgesehen. Der Schweizer Schauspieler Damien Dorzas, der über Reiche bereits einen Dokumentarfilm drehte, gibt mit dem in den Vierzigerjahren spielendem Drama sein Spielfilmdebüt. Tobis ist als deutscher Verleih- und Koproduktionspartner an Bord, Octopolis von Matthieu Zeller ist französischer Koproduktionpartner. Menta übernimmt den Verleih in Frankreich. Weltvertrieb Pulsar Content führte zum Projekt über eine moderne Frau beim Marché des Festival de Cannes Gespräche. Zuletzt hatte die deutsch-französische Kommission das Projekt gefördert. Gedreht werden soll auf englisch an Originalschauplätzen in der peruanischen Wüste.

Zu den vielversprechenden ersten Serienprojekten gehört die Adaption von "Der Libanese", dem kürzlich veröffentlichten Romandebüt von Clemens Murath, der hauptberuflich Drehbücher vornehmlich für Krimis wie Der Kriminalist" oder "Mordkommission Istanbul" schreibt. Damian beschreibt die Geschichte eines skrupellosen Cops, der in Berlin Neukölln einem Clanführer das Handwerk legen will, als "hardboiled Krimi", in dem niemand eine weiße Weste hat und der brutal, auch mit schwarzem Humor und vielen filmischen Anspielungen erzählt. Murath, der den Roman als Auftakt einer Buchreihe um Ermittler Frank Bosmann anlegte, soll auch als Showrunner der Serie agieren. Als Produzent soll außerdem Norbert Kneißl wirken.

Als zeitgenössisches Science-Fiction-Drama-Serie ist "Dark Sky" nach der gleichnamigen Romantrilogie von Bernd Stöhr in Arbeit, bei dem Damian seine Zusammenarbeit mit Vuorensola fortsetzt. Darin geht es um die Angestellte im Cern Priya, die einem fehlgeschlagenen Experiment auf den Grund gehen will und feststellt, dass sich ein Portal zu einer Parallelwelt öffnete, was nicht nur ihr eigenes, von einem tragischen Verlust überschattetes Leben auf den Kopf stellt, sondern die ganze Welt bedroht. Peter Koller schreibt die Drehbücher zu den auf drei Staffeln à acht Folgen konzipiertem Projekt. Andreas Wecker von Network Movie unterstützt bei der Produktion. Damian stellt das englischsprachige Projekt Streamern vor und ist mit potenziellen finnischen Koproduktionspartnern im Gespräch.

Familiendrama und Mystery mischt "Goldzug", das lose auf den Gerüchten eines solchen basiert, der zu einem echten Goldrausch führte. Das Serienprojekt verlegt die Geschichte auf die deutsche Seite nahe der polnischen Grenze und stellt einen Mann und Familienvater ins Zentrum, der am wirtschaftlichen Abgrund steht und hofft, den Zug auszugraben und sein Glück zu machen. Stattdessen droht seine Familie auseinander zu brechen und die Fracht entpuppt sich als lebensgefährlich. Die Drehbücher schreibt der Kölner Tali Barde, der auch als Schauspieler aktiv ist. Luthardt soll die Regie übernehmen. Das Projekt wurde für den Series Mania Koproduktionsmarkt in Lille ausgewählt. Damian wird es dort Ende August pitchen. Damian nutzt Series Mania auch, um Gespräche zu "Der Libanese" zu führen.

Als Low-Budget-Thriller will Damian mit "Blow In" seinen ersten Film in China realisieren. Er hatte bereits mehrfach versucht, ein Projekt dort umzusetzen und dafür u.a. die Initiative Bridging the Dragon genutzt. Bei Jerome Duvals Regiedebüt könnte es nun gelingen, gedreht werden soll im nächsten Jahr. Der Film handelt von einem westlichen Blogger in Shanghai, der einen Mord beobachtet und von Gangstern bedroht wird, die seinen Partner entführen. Mit Hilfe seiner Follower versucht er den Spieß umzudrehen. "Blow In" ist als deutsch-französische Koproduktion angedacht, bei der chinesische Partner als Investoren oder Serviceproduzenten einsteigen sollen. Myriad Pictures ist als Weltvertrieb an Bord. Sehr bald werde man den Hauptdarsteller bekanntgeben, so Damian.

Als minoritärer Partner, der den Dreh in Deutschland organisiert, u.a. eine Autoverfolgungsjagd, ist 27 Films außerdem beim Heistmovieprojekt "Blue Mauritius" dabei, in dem die titelgebenden wertvollen Briefmarken gestohlen werden sollen. Camille Delamarre, Regisseur von Transporter Refueled", soll ein internationales Ensemble inszenieren. Das seit ein paar Jahren geplante Projekt versammelt britische, südafrikanische, französische und US-Partner.