Kino

Imax-CEO Richard Gelfond von Abkehr von Day-and-Date-Starts bei Disney überzeugt

Bei der Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Quartal 2021 zeigte sich Imax-CEO Richard Gelfond davon überzeugt, dass Disney nach der Corona-Pandemie wieder von der Praxis abrücken wird, Filme - wie aktuell u.a. "Black Widow" - Day-and-Date im Kino und bei Disney+ herauszubringen.

28.07.2021 08:21 • von Jochen Müller
Imax-CEO Richard Gelfond (Bild: Imago / ZUMA Wire)

Imax-CEO Richard Gelfond ist davon überzeugt, dass Disney nach dem Ende der Corona-Pandemie wieder davon abrücken wird, Filme - wie aktuell Black Widow" - Day-and-Date im Kino und bei Disney+ herauszubringen.

"Ich erinnere mich daran, dass Disney-CEO Bob Chapek einmal bei einem Investorentag gesagt hat, dass er denkt, dass, wenn die Zeiten wieder normal sind, das Kino, die Exklusivität, wichtig sind. Ich denke, wenn er dann, wenn wir die Pandemie nur noch im Rückspiegel sehen, auf die Zahlen schaut, wird er zum selben Schluss kommen, wie jeder andere: Der Weg, den Wert eines Kinotitels zu steigern, ist es, ein Kinofenster zu haben", erklärte Gelfond bei der Bekanntgabe der Imax-Zahlen für das zweite Quartal 2021.

Um seine Aussage zu untermauern, blickte Gelfond auf die Zahlen von "Black Widow" und die Gefahr, die eine Day-and-Date-Strategie im Hinblick auf Piraterie mit sich bringt. "Black Widow" habe zwar an seinem Eröffnungswochenende im Kino und als PVoD bei Disney+ Mitte Juli rund 218 Mio. Dollar Umsatz erzielt gehabt, In den Kinos steht er weltweit aktuell jedoch nur bei einem Boxoffice von rund 316 Mio. Dollar.

Der Grund hierfür liegt für Gelfond auf der Hand: "Meiner Meinung nach gibt es keine Frage, dass die Kombination von PVoD und die viele Piraterie, die es gibt - die Menschen haben bisher nicht wirklich viel darüber gesprochen - für eine Kannibalisierung gesorgt hat und am Ende des Tages das Kinoeinspiel wesentlich beeinflusst hat. Es ist schwer zu messen, aber einige Statistiken, die ich interessant finde, sagen aus, dass 'Fast & Furious 9' mit seinem traditionellen Distributionsmodell schlussendlich auf ein weltweites Boxoffice von 700 Mio. Dollar kommen wird und es bei 'Black Widow' gerade einmal die Hälfte sein wird. 'Black Widow' ist ein großartiger Film und wenn ich drüber nachdenke, gibt es keinen Zweifel, dass da viel Geld auf dem Tisch liegen gelassen wurde."

Noch ein hochinteressantes Detail: Gelfond geht davon aus, dass sich 2022 jedes Studio bei einem Fenster von 45 Tagen positioniert. Das läge teils deutlich über dem, was einzelne Studios mit großen Ketten als Mindestfenster vereinbart hatten.

Im Vergleich zum noch mehr von der Corona-Pandemie betroffenen zweiten Quartal 2020 konnte Imax Umsatz und Ergebnis im zurückliegenden Quartal deutlich verbessern. Der Quartalsumsatz stieg von 8,9 auf 51 Mio. Dollar, der Nettoverlust wurde von 26 auf 9,2 Mio. Dollar reduziert.