Festival

Venedig 78: Campion, Sorrentino, Scott, Larraín auf der Mostra

Und wieder lädt Alberto Barbera Schwergewichte des Weltkinos in den Wettbewerb der Mostra. Highlights von Venezia 78 werden Jane Campion, Ridley Scott, Edgar Wright, Pablo Larraín und Paolo Sorrentino sein. Anders als im Vorjahr hat es diesmal kein deutscher Filmemacher in den Wettbewerb geschafft.

26.07.2021 12:16 • von Thomas Schultze
Highlight in Venedig: "Spencer" mit Kristen Stewart (Bild: DCM)

Nachdem es der Mostra in Venedig vor einem Jahr gelungen war, als einziges A-Festival während der ersten Welle der Corona-Pandemie erfolgreich als physischer Event durchgeführt zu werden, legt Festivalchef Alberto Barbera wenige Tage nach Ende des Festival de Cannes für die 78. Ausgabe des ältesten A-Filmfestivals der Welt nach. Bereits gemeldet waren die neue Regiearbeit von Pedro Almodóvar, Madres Paralelas" mit Penélope Cruz in der Hauptrolle, als Eröffnung des Festivals am 1. September, sowie die Weltpremiere des aufwändigen Science-Fiction-Epos Dune" von Denis Villeneuve als großer Event außer Konkurrenz am 3. September sowie das Lady-Diana-Biopic Spencer" von Pablo Larraín mit Kristen Stewart, koproduziert von Komplizen Film. Larraín kehrt damit zwei Jahre nach Ema" in den Wettbewerb von Venedig zurück.

Fest gesetzt war auch "The Power of the Dog" von Jane Campion mit Benedict Cumberbatch und Kirsten Dunst, um die Thierry Frémaux für Cannes gebuhlt, sich aber einen Korb eingefangen hatte, weil er den beiden Netflix-Filmen nur einen Slot außer Konkurrenz anbieten konnte. Venedig verbietet keine für Streamer produzierte Filme und zeigt nun beide Titel im Wettbewerb. Ebenfalls hatte man fest damit gerechnet, dass Paul Schrader mit "The Card Counter" mit Oscar Isaac, seinem ersten Film seit First Reformed", der ebenfalls in Venedig gelaufen war, von Alberto Barbera eingeladen werden würde. Ein Jahr, nachdem er mit "New Order" den Großen Preis der Jury gewinnen konnte, kehrt auch der Mexikaner Michel Franco zurück ins Löwen-Rennen und wird Sundown" mit Tim Roth und Charlotte Gainsbourg präsentieren.

Zu der auffälligen amerikanischen Präsenz in Venedig zählt zudem Maggie Gyllenhaal, die gerade erst zur Jury in Cannes gehörte und nun ihr Regiedebüt vorstellen wird, "The Lost Daughter" mit Olivia Colman und Jessie Buckley. Die fünfte Regisseurin im Line-Up von Venezia 78 ist Ana Lily Amirpour mit "Mona Lisa and the Blood Moon" mit Jeon Jong-seo und Kate Hudson, ihr erster Spielfilm seit der Netflix-Produktion The Bad Batch" vor fünf Jahren, der ebenfalls in Venedig lief. Eine Überraschung ist die philippinische Produktion "On the Job: The Missing 8" von Erik Matti, dreieinhalb Stunden lang. Aus Polen kommt "Zeby nie bylo Sladow" von Jan P. Matuszyinski, aus Russland "Captain Volkonogov Escaped" von Natasha Merkulova und Aleksey Chupov sowie "Vidblysk" von Valentyn Vasyanovych, der seinen ersten Film 2018 in Orizzonti gezeigt hatte - ein laut Barbera sehr gewalttätiger Film, der nicht für Jedermann sei. Dazu kommt noch La caja" von Lorenzo Vigas.

Wie gewohnt geht in Venedig ein starkes Kontingent aus Italien an den Start: Der größte Regiestar unter den Italienern ist gewiss Paolo Sorrentino, der seinen mythenumwobenen "The Hand of God" im Gepäck hat. Außerdem dabei sind "America Latina" von Damiano und Fabio D'Innocenzo, "Freaks Out", der zweite Film von Gabriele Mainetti mit Franz Rogowski in einer der Hauptrollen, "Qui rido io" von Mario Martone mit Toni Servillo sowie "Il buco" von Michelangelo Frammartino, sein erster Film seit elf Jahren und seine erste Einladung in die Mostra. Aus Frankreich wurden "Un autre monde" von Stéphane Brizé mit Vincent Lindon, "L'événement" von Audrey Diwan und "Lost Illusions" von Xavier Giannoli ausgewählt. Und mit "Official Competition" von Gaston Duprat und Mariano Cohn findet sich schließlich noch eine argentinische Produktion, mit dem Dreamteam Penélope Cruz und Antonio Banderas in den Hauptrollen.

Neben "Dune", den Barbera als großes Event ankündigte, wurden für das offizielle Programm außer Konkurrenz ausgewählt: "Il bambino nascosto" von Roberto Andò, der das Festival beschließen wird, "Les choses humaines" von Yvan Attal, "Ariaferma" von Leonardo di Costanzo mit Toni Servillo, Halloween Kills" von David Gordon Green mit Jamie Lee Curtis, "La scuola cattolica" von Stefano Mordini, der Western "Old Henry" von Potsy Ponciroli mit Tim Blake Nelson, The Last Duel" von Ridley Scott mit Matt Damon und Adam Driver und Last Night in Soho" von Edgar Wright mit Anya Taylor-Joy. Zudem werden die fünf Folgen der HBO-Miniserie "Scenes from a Marriage" von Hagai Levi mit Jessica Chastain und Oscar Isaac, basierend auf dem Klassiker von Ingmar Bergman gezeigt.

Zu den Non-Fiction-Filmen außer Konkurrenz gehören "Life of Crime 1984 - 2020" von Jon Alpert, "Tranchées" von Loup Bureau, "Viaggio nel crepuscolo" von Augusto Contento, Republic of Silence" von Diana El Jeiroudi, "Hallelujah: Leonard Cohen, A Journey, A Song" von Daniel Geller und Dayna Goldfine, "Deandré#Deandré Storia di un impiegato" von Roberta Lena, "Django & Django" von Luca Rea sowie "Ezio Bosso. Le cose che restano" von Giorgio Verdelli.

Anders als im Vorjahr, als Julia von Heinz ihren Und morgen die ganze Welt" zeigte, hat es in diesem Jahr kein deutscher Filmemacher in den Wettbewerb der Mostra geschafft. 2018 war Florian Henckel von Donnersmarck mit Werk ohne Autor" eingeladen gewesen.

In der Nebenreihe Orizzonti laufen "Les promesses" von Thomas Kruithof mit Isabelle Huppert, "Miracol" von Bogdan George Apetri, "Piligrimai" von Laurynas Bareisa, "Il paradiso del Pavone" von Laura Bispuri mit Alba Rohrwacher, Pu Bu" von Chung Mong-hong, "El hoyo en la cerca" von Joaquin del Paso, "Amira" von Mohamed Diab, "À plein temps" von Eric Gravel, "Cenzorka" von Peter Kerekes, "Vera andrron detin" von Kaltrina Krasniqi, "Bodeng sar" von Kavich Neang, "Wela" von Jakrawal Nilthamrong, "El otro tom" von Rodrigo Plá und Laura Santullo, "El gran movimiento" von Kiro Russo, "Once Upon a Time in Calcutta" von Aditya Vikram Sengupta, "Nosorih" von Oleg Sentsov, der die Reihe beschließen wird, "True Things" von Harry Wootliff mit Ruth Wilson und der Animationsfilm "Inu-oh" von Yuasa Masaaki.

In der neuen Reihe Orizzonti Extra wird "Land of Dreams" von Shirin Neshat und Shoja Azari mit Matt Dillon und Isabella Rossellini, "Costa Brava" von Mounia Akl mit Nadine Labaki und Saleh Bakri, "Mama, ya doma" von Vladimir Bitokov, "Ma nuit" von Antoinette Boulat, "La ragazza ha volato" von Wilma Labate, "7 prisioneiros" von Alexandre Moratto, "Sokea mies, joka ei halunnut nähdä Titanicia" von Teemu Nikki und "La macchina delle immagini di Alfredo C." von Roland Sejo gezeigt.

Der diesjährige Jurypräsident des Wettbewerbs ist Bong Joon-ho. In die Jury wurden außerdem die vorjährige Goldener-Löwe-Gewinnerin Chloe Zhao, Sarah Gadon, Virginie Efira, Cynthia Erivo, Alexander Nanau und Saverio Costanzo geladen. Den Preis für sein Lebenswerk erhält Roberto Benigni. Das 78. Internationale Film Festival von Venedig findet vom 1. bis 11. September statt.