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Heinrich Ambrosch: "Der Markt bietet riesige Chancen"

Die traditionsreiche österreichische Produktionsfirma Satel Film, die zuletzt mit "Freud" für Aufsehen sorgte, wird 50. Zum besonderen Jubiläum sprach Blickpunkt:Film mit Geschäftsführer Heinrich Ambrosch über die Vergangenheit und Gegenwart seiner Firma und die Zukunft des Marktes.

23.07.2021 14:14 • von Frank Heine
Heinrich Ambrosch (Bild: Satel Film / Andreas Lepsi)

Die traditionsreiche österreichische Produktionsfirma Satel Film, die zuletzt mit "Freud" für Aufsehen sorgte, wird 50. Zum besonderen Jubiläum sprach Blickpunkt:Film mit Geschäftsführer Heinrich Ambrosch über die Vergangenheit und Gegenwart seiner Firma und die Zukunft des Marktes.

Hatten Sie eine bestimmte Vision, als Sie vor über 14 Jahren die Leitung einer so traditionsreichen Firma wie Satel Film übernommen haben?

HEINRICH AMBROSCH: Die Vision hat sich ein bisschen aufgedrängt. Als Michael von Wolkenstein 1971 mit Satel Film an den Start ging und die ersten großen Filme produzierte, war ich im schulpflichtigen Alter. Satel begann mit großen Literaturverfilmungen wie Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth und anderen. Diese Filme erschienen, als wir diese Klassiker in der Schule lesen sollten. Wie viele andere Kinder war ich aber lesefaul und habe mir lieber die Verfilmungen angeschaut. Die Referate konnte ich auch so alle halten! Ich war also damals schon sehr dankbar, dass es die Satel gab. Ich erinnere mich zudem, als ich 16 oder 17 Jahre alt war, dass Satel die Verfilmung von Friedrich Torbergs Roman Der Schüler Gerber" realisierte. Das war genau mein Thema, mein Film. Darin wird ein Schüler-Lehrer-Machtkampf erzählt, das Scheitern eines Jungen vor dem Abitur. Ich stand zu der Zeit selbst zwei oder drei Jahre davor, meinen Schulabschluss zu machen. Damals waren Literaturverfilmungen, egal ob für Kino oder Fernsehen, große Events. Jeder hat darüber gesprochen. Parallel gab es die Unterhaltungsprogramme. In die ist Satel etwas später auch eingestiegen mit erfolgreichen Serienklassikern wie Kottan ermittelt" oder Die Piefke-Saga". Der für ORF und NDR entstandene Vierteiler war ein großer Aufreger, führte zu Verwerfungen, hitzigen Diskussionen, weil viele unmöglich fanden, wie Autor Felix Mitterer das Verhältnis zwischen deutschen Touristen und Tirolern darstellte. Ironischerweise passen die aktuellen Vorfälle in Ischgl im Zuge der Corona-Pandemie genau hier hinein. Nicht zuletzt deshalb denkt Mitterer darüber nach, einen weiteren Teil der Saga zu schreiben...

Satel hat Sie also nicht nur durchs Abitur gebracht, sondern auch Ihre Leidenschaft für Film und Fernsehen geweckt...

HEINRICH AMBROSCH: Mein Interesse für Film und Fernsehen hat hier seinen Ursprung erfahren. Meine berufliche Karriere begann in der TV-Branche. Während meiner Zeit beim ORF wurde mir die Übernahme von Satel angeboten. Dass sich der Kreis auf diese Weise geschlossen hat, ist wunderbar. Aber ich würde noch gerne etwas anmerken.

Bitte.

HEINRICH AMBROSCH: Es ist das Eine, eine Firma 15 Jahre lang erfolgreich zu führen, aber sie zu gründen und so groß zu machen, dass man so tolle Strukturen und ein so tolles Team übernehmen kann, wie ich es vorgefunden habe, ist noch einmal eine andere Leistung. Das kann man Michael Wolkenstein nicht hoch genug anrechnen. Er hat eine Firma gegründet, die für mich ein Vorbild war und es mir ermöglicht, eine Firma zu übernehmen, die mich in meiner Jugend kulturell geprägt hat.

Wenn Sie sagen, die Vision hätte sich bei der Übernahme von Satel aufgedrängt, heißt dass, dass Sie der Firmen-DNA treu geblieben sind?

HEINRICH AMBROSCH: Wir versuchen heute mit anderen Möglichkeiten, einerseits nach wie vor große Events zu schaffen, andererseits weiterhin starke Unterhaltungsprogramme zu realisieren. Die großen Events sind heute nicht mehr die Literaturverfilmungen. Aber wir greifen viele Themen auf, die sich aus dem kulturellen Selbstverständnis Österreichs ergeben oder schlicht und einfach mit der österreichischen Kultur zu tun zu haben - denken Sie an "Freud", an "Sisi", an "Mozart" ... Bei unseren Unterhaltungsprogrammen punkten wir mit Formaten wie SOKO Wien", die für den ORF wie fürs ZDF als Streckenprogramme wichtig sind, die gut wiederholbar sind und eine breite Zuschauerschicht vor die Bildschirme lockt.

Seit 1999 ist die Bavaria Mehrheitseigner der Satel. Wie würden Sie das Verhältnis zu ihrem Mutterkonzern beschreiben? Wer kann von wem in welcher Form profitieren?

HEINRICH AMBROSCH: Trotz der Mehrheitsbeteiligung der Bavaria kann ich unabhängig agieren. Gleichzeitig schätze ich es, einen so guten Partner an der Hand zu haben. Bei "Freud" stand mir Moritz Polter mit Rat und Tat zur Seite. Leider ist er nicht mehr dort, und ich hoffe sehr, mit ihm bei einer anderen Gelegenheit wieder zusammenarbeiten zu können. Die Bavaria ist ein Traditionsunternehmen, das auf stolze 100 Jahre zurückblicken kann. Das ist für mich Vorbild genug, so alt soll die Satel auch werden! Christian Franckenstein hat es geschafft, eine Generation von Produzenten und Kreativen an Bord zu holen, die der Tradition des Unternehmens absolut gerecht werden: mit Marcus Ammon, der ab Herbst anfängt, Nina Maag sowie Andreas Gutzeit, dessen Story House ja mittlerweile in die Bavaria-Familie gehört und mit dem ich aktuell "Sisi" für TVNow produziere. Ich freue mich sehr über den Pool an interessanten Kolleg*innen, mit denen ich dank der Zusammengehörigkeit arbeiten kann.

Wie würden Sie Ihre Position in der österreichischen Produktionsbranche beschreiben? Sind Sie durch die deutsche Beteiligung in einer Sonderrolle?

HEINRICH AMBROSCH: Unser größter Mitbewerber, die MR-Film, hat mit der Beta ebenfalls einen deutschen Mehrheitseigner. Insofern sehe ich uns nicht in einer Sonderrolle. Ich (ko)produziere auch nicht nur mit der Bavaria. Aktuell haben wir zum Beispiel einige Projekte mit der Beta am Laufen, indirekt zumindest, über Moritz von der Groeben und dessen good friends Filmproduktion, die in die Beta-Familie gehört. Derartige europäische Allianzen, wie bei uns mit der Bavaria, bei MR-Film mit Beta, werden immer notwendiger. Die Konglomerate aus den USA oder China werden immer größer. Dagegen sind wir hier auch in Allianzen immer noch winzig klein. Die Streamingdienste sind interessante neue Partner, jeder will mit und für sie arbeiten, wir ja auch. Aber kein Produzent will, dass die deutschsprachige Industrie von den amerikanischen Netzwerken und Plattformen abhängig wird. Es wäre fatal, wenn wir keine Auftraggeber mehr vorfinden würden, die aus Deutschland oder Europa heraus agieren. In Deutschland ist der Druck, ausgelöst durch die Blockade bei der Gebührenerhöhung, durchaus gegeben. ARD und ZDF sind auch für die Satel wichtige Partner.

Haben Sie einen Wandel im Verhältnis zu den Auftraggebern aus dem TV-Bereich festgestellt?

HEINRICH AMBROSCH: Früher gehörte das Feld den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Dann folgte eine Zeit, in der auch Privatsender lukrative Partner waren, bis diese ihr Engagement im fiktionalen Bereich wieder zurückgefahren haben. Mit dem Erstarken der Streamingangebote tut sich hier wieder mehr, die Privaten strecken die Fühler ebenfalls wieder in Richtung fiktionale Inhalte aus. Generell befinden wir uns nach wie vor in einer Goldgräberstimmung, es wird sehr viel produziert. Die Situation, wie sie sich heute offenbart, gibt uns Produzenten die Möglichkeiten, über Stoffe nachzudenken, von denen man vor einigen Jahren nur hätte träumen können, sie im großen Stil, für ein weltweites Publikum herauszubringen. "Freud" hat innerhalb von vier Wochen 35 Millionen Menschen erreicht. So etwas war vor den Streamern kaum denkbar. Der Markt bietet riesige Chancen für uns.

Hat sich der Bedarf bzw. die Art und Weise des Produkts auch für einen Sender wie den ORF geändert?

HEINRICH AMBROSCH: Der Bavaria wie auch der Satel würde ich attestieren, nach wie vor klassische Produzenten für die Öffentlich-Rechtlichen zu sein. Lange Zeit konnte man sich als Produzent auch darauf verlassen, dass es langlaufende Formate oder Reihen gibt, die für die Sendeanstalten wichtig sind. Zu den beständigen Reihen, die die Satel bedient, zählt "SOKO Wien" und aktueller Die Toten von Salzburg" - beide jeweils für ORF und ZDF. Wir haben uns jedoch nie ausgeruht. Mit dem Aufkeimen der Streamer schwenkten die Sender mehr und mehr in Richtung Event-Produktionen. Für diese wurde mehr Geld bereitgestellt, was im Hinblick auf meist internationale Koproduktionen auch Sinn ergibt. Als österreichische Produzenten sind wir es gewohnt, Koproduktionen einzugehen. Es wäre heute schwierig, sich nur auf den ORF zu verlassen, zumal er gar nicht die Finanzkraft einer ARD oder eines ZDF hätte. Wir waren immer gut gerüstet, mehrgleisig zu fahren, verschiedene Finanzpartner für die eigenen Produktionen aufzutun. Aus meiner Sicht hat sich also nicht so viel verändert. Es gibt nur mehr Möglichkeiten

Auffällig ist aber, dass Sie in den letzten Jahren kaum reine ORF-Produktionen realisiert haben. Oder kommt doch bald ein "Landkrimi" aus Ihrem Haus?

HEINRICH AMBROSCH: Ob es mal einen "Landkrimi" der Satel geben wird, müssen Sie den ORF fragen. Sie werden auch keinen "Landkrimi" von der MR-Film finden. Dadurch, dass die Satel mit "SOKO Wien" für den ORF bereits eine relativ große, langlaufende Auftragsproduktion realisiert, hat der Sender andere Partner, mit denen er "Landkrimis" macht. Wir kommen deshalb nicht weiter in Frage. Klar könnte ich mir so etwas vorstellen. Aber ich verstehe auch, dass der ORF auf eine ausgewogene Verteilung bei der Vergabe schauen muss, und das nicht nur unter den etablierten Produzenten, sondern auch bei der nachkommenden Generation. Generell ist es so, dass wir bei der Satel immer versuchen, Stoffe selbst zu entwickeln. Das war bei "Freud" so, das war bei "Die Toten von Salzburg" so. Wir sind diejenigen, die mit den Stoffen dann auf Sender-Partnersuche gehen. Viele Formate wie der angesprochene "Landkrimi" werden innerhalb des ORF entwickelt. Da werden wir als Produzenten zum Pitchen gar nicht eingeladen.

Wenn Sie Stoffe selbst entwickeln, können Sie auch mehr Rechte behalten?

HEINRICH AMBROSCH: Richtig. Das ist in Kombination mit dem RTR Fernsehfonds, den es in Österreich seit mittlerweile 15 Jahren gibt, zu betrachten. Er ermöglicht uns Produzenten, bis zu 20 Prozent der Produktionskosten zu erhalten, unter der Voraussetzung, dass uns auch Rechte verbleiben. Aus der Erfahrung einer 50-jährigen Firmengeschichte kann ich sagen, dass es für den Produzenten wichtig ist, gewisse Rechte einzubehalten. Zwar dauert es oft lange, bis sie wieder an einen zurückfallen. Aber gewisse Produktionen sind einfach Klassiker, die sich immer wieder gut lizenzieren lassen. Generell ist es so, dass der ORF mit der österreichischen Produzentenlandschaft eine Verpflichtung eingegangen ist, jährlich 100 Millionen Euro in die heimische Produktion zu investieren. Den Löwenanteil machen fiktionale Produktionen aus. Diese Vereinbarung kann nur Bestand haben, wenn eine entsprechend gute Gebührenfinanzierung vorhanden ist. Die Wahl zum ORF-Generaldirektor im Sommer wird spannend, aber ich bin sicher, dass sich an dem Commitment gegenüber der Produzentenlandschaft nichts ändern wird. Auf der anderen Seite höre ich immer wieder die Rufe, dass durch die neuen Player im Markt so viel fiktionale Inhalte hergestellt werden, dass der heimische öffentlich-rechtliche Sender auf diesem Gebiet gar nicht mehr so viel machen müsste. Dagegen wehren wir uns. Natürlich produzieren wir gerne für Netflix und Co. Aber uns geht es darum, dass die Branche auch in Zukunft potente Auftraggeber im eigenen Land vorfinden sollte, um eigene Geschichten zu erzählen, Geschichten mit einer gewissen kulturellen Identität.

Wie sehen Sie den österreichischen Fernsehmarkt über den ORF hinaus? Glauben Sie, dass auch österreichische Privatsender für Satel interessante Partner werden können?

HEINRICH AMBROSCH: Absolut. Die Produktion, die wir unlängst mit good friends realisiert haben, den Zweiteiler "" von Andreas Prochaska, ist zum Beispiel für Servus TV und ZDF entstanden. Das Projekt wurde erstmals in München im Rahmen eines ans Filmfest München angeschlossenen Screenings des Seriencamps bei der HFF München gezeigt. Dort war auch Tobias Moretti anwesend. Neben "Im Netz der Camorra" entwickelt die Satel aktuell einen weiteren Stoff für Servus TV. Der Sender ist ein interessanter und guter Partner.

Durch die Streamer kommt frischer Wind in den Markt, der lange von den altbekannten Sendeanstalten dominiert wurde. Wie erleben Sie diese Fragmentierung, durchweg positiv oder gibt es auch Schattenseiten?

HEINRICH AMBROSCH: Für mich überwiegt bei weitem das Positive. Gerade in Bezug auf Content sehe ich keine Schattenseiten. Wir denken wieder über eine viel größere Bandbreite an Inhalten nach, und auch die Öffentlich-Rechtlichen wurden dadurch motiviert, über andere Inhalte nachzudenken. Zudem hat Corona den Sachverhalt, dass mehr Bewegtbild-Inhalte gesehen werden, noch verstärkt. Die einzige Sorge wäre, wie vorhin schon angeführt, dass uns nurmehr die großen Player aus Amerika und dann vielleicht auch China Aufträge erteilen können. Denn auch aus der Satel-Perspektive ist es wichtig, dass man Rechte behalten kann und nicht zum reinen Auftragsproduzenten wird.

Das Stichwort "SOKO Wien" fiel nun schon einige Male. Wie wichtig ist dieser Dauerbrenner für die Satel?

HEINRICH AMBROSCH: Das ist unser Herzblut. Alle Entwicklungen, die wir machen, kosten auch Geld. Das könnte ich ohne einen gewissen Grundumsatz nicht machen. Und den habe ich mit der "SOKO", die beim ORF ja im Hauptabendprogramm läuft. Maria Happel, eine unserer Teamdarstellerinnen, hat dafür dieses Jahr die Romy gewonnen. Martin Gruber, der fortan Stefan Jürgens ersetzt, ist eine tolle Ergänzung, mit der auch das ZDF sehr zufrieden ist. Wir haben das Team noch einmal neu aufgestellt und verjüngt, damit bin ich sehr happy.

Bei den "SOKOs" gab es größere Aufräumarbeiten, denen "SOKO München" und SOKO Kitzbühel" zum Opfer fielen. Wie sicher konnten Sie sein, dass es nicht auch "SOKO Wien" erwischen würde?

HEINRICH AMBROSCH: So wie ich das mitbekommen habe, waren vor dieser Umbruchphase die einzelnen "SOKOs" zu einem Meeting im ZDF eingeladen und wurden von einer Agentur bewertet. Ich weiß, dass wir da sehr gut abgeschnitten haben, insofern glaube ich nicht, dass wir jemals etwas zu befürchten gehabt hätten.

Auch "Freud" haben wir schon angesprochen. Sehen Sie sich dadurch auch als Türöffner? Es war immerhin die erste Netflix-Serie, die aus Österreich heraus entstanden ist.

HEINRICH AMBROSCH: Das hoffe ich. Ich habe ja bei Ihnen in Blickpunkt:Film gelesen, dass die Kollegen, die jetzt die nächste Netflix-Serie drehen, genau das gesagt haben. Wenn das so gesehen wird, ehrt mich das sehr. Die Konstellation Netflix und ORF wird jedenfalls weitergelebt, und das ist natürlich fein.

Wird man "Freud" auch im deutschen Free-TV zu sehen bekommen?

HEINRICH AMBROSCH: Ja. Das ZDF hat die deutschsprachigen Free-TV-Rechte erworben.

Was gibt es zu Ihrem Mozart-Projekt zu erzählen?

HEINRICH AMBROSCH: "Mozart" ist nach "Im Netz der Camorra" die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit mit Moritz von der Groeben und good friends Film. Mein Bruder Martin schreibt da das Drehbuch, Andreas Prochaska wird Regie führen. Aber momentan stecken beide noch an einem anderen großen Projekt, "Das Netz", das gerade gedreht wird. Uns schwebt eine neue Ausrichtung vor, wir wollen wieder einen neuen Aspekt von Mozart hervorkehren - ähnlich wie damals der Film Amadeus" ein neues Bild von Mozart entworfen hat. Aber hier gibt es noch keine weiteren Partner, weil die Bücher noch finalisiert werden müssen.

Sie arbeiten hier das erste Mal sowohl mit Ihrem Bruder als auch Andreas Prochaska, die ja seit "Spuren des Bösen" als Dreamteam gelten, zusammen. Kommt mit Ambrosch/Ambrosch/Prochaska endlich zusammen, was zusammengehört?

HEINRICH AMBROSCH: Absolut, ja! Ich freue mich sehr darauf und kann sehr gut nachempfinden, warum die beiden so gerne miteinander arbeiten. Die Arbeit mit Andreas an "Im Netz der Camorra" war toll, aber auch nicht leicht, weil es für uns die erste Produktion war, die unter Corona-Bedingungen stattfand, aber das hat gut funktioniert. Er weiß genau, was er will und schafft eine sehr konzentrierte und kreative Atmosphäre am Set, hat dabei aber trotzdem Verständnis für Belange des Produzenten. Das Ergebnis ist hervorragend. So ähnlich ist es mit meinem Bruder, den ich als Drehbuchautor zu Beginn unserer Zusammenarbeit ja erst noch kennenlernen musste. Zumindest was Ambrosch/Ambrosch betrifft, könnte es durchaus sein, dass wir in Zukunft noch öfter als bisher zusammenarbeiten.

"Die Piefke-Saga" und eine mögliche Fortsetzung erwähnten Sie zu Beginn des Gesprächs. Wie ist es denn um dieses und um andere künftige Projekte wie David Schalkos "Schwere Knochen", das sie mit Superfilm realisieren wollten, bestellt?

HEINRICH AMBROSCH: "Schwere Knochen" gibt es nach wie vor als Projekt, aber das haben wir hintenangestellt. David Schalko hat keine Zeit, daran weiterzuarbeiten, weil er gerade für Sky Ich und die Anderen" gemacht und noch zig andere Projekte hat. Bei der "Piefke-Saga" gibt es das Buch von Felix Mitterer in der ersten Fassung, aber wir waren uns einig, dass wir damit warten müssen, bis die Pandemie vorbei ist. Wir wollten während Corona keine Satire machen. Jetzt sind wir in einer Phase, in der wir sagen, wenn wir alles hinbekommen, könnte man im nächsten Jahr über eine Realisierung nachdenken. Wir sind auch mit dem ORF im Gespräch, aber es ist noch einiges zu tun.

Was steht noch für die Satel an?

HEINRICH AMBROSCH: Unsere Produzentin Bettina Kuhn entwickelt "Vienna Game", das gerade vom Filmfonds Wien gefördert wurde. Stefan Brunner, der auch bei "Freud" dabei war und Barbara Eder, die gerade "Der Schwarm" dreht, schreiben das gemeinsam für uns. Wir erzählen vom ersten EU-Gipfel der Geschichte, dem Wiener Kongress, als alle Glücksritter, Schausteller und Dirnen nach Wien pilgern, um Europa zu zocken. Wir wollen das mit einer gewissen Leichtigkeit erzählen. Aber natürlich geht es um Europa und Wien im Mittelpunkt. Das bewegt sich in einer Größenordnung, wie sie nur mit einer Plattform oder einem großen Partner möglich ist. Es ist bereits das zweite Projekt von Bettina Kuhn als Produzentin mit Barbara Eder, die ja auch schon "Wiener Blut" für uns gemacht hat.

Zum Abschluss noch ein Blick aufs Kino, das für die Satel eher nicht die treibende Kraft ist. Bleibt das so?

HEINRICH AMBROSCH: Ich schließe überhaupt nicht aus, dass wir irgendwann wieder Kinoproduktionen machen. Aber bei den ganz großen Stoffen, über die wir gerade reden, finde ich es interessanter, wieder Plattformen als Partner zu haben. Im Moment haben wir nichts in Arbeit, das sich fürs Kino aufdrängen würde.

Das Interview führten Barbara Schuster und Frank Heine