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REVIEW STREAMING: "Ted Lasso, 2. Staffel"

Die beste Serie des Jahres 2020 kehrt zurück: Nachdem "Ted Lasso" das Publikum vor einem Jahr im Sturm für sich begeisterte und Apple TV+ den ersten richtig großen Hit bescherte, startet nun heute die zweite Staffel der Serie von und mit Jason Sudeikis. Ob sie so gut ist wie die erste, erfahren Sie in unserer Besprechung...

23.07.2021 07:32 • von Thomas Schultze
Jason Sudeikis und seine Coaches müssen ihr Team weiter auf Vordermann bringen (Bild: Apple)

Die beste Serie des Jahres 2020 kehrt zurück: Nachdem Ted Lasso" das Publikum vor einem Jahr im Sturm für sich begeisterte und Apple TV+ den ersten richtig großen Hit bescherte, startet nun heute die zweite Staffel der Serie von und mit Jason Sudeikis über einen zweitklassigen amerikanischen Footballcoach, der ein englisches Premier-League-Fußballteam zum Erfolg führen soll. Ob sie so gut ist wie die erste, erfahren Sie in unserer Besprechung...

Bis zum 14. August 2020 war der Begriff "nett" das freundlichste aller Schimpfwörter, die, wie der Volkmund sagt, "kleine Schwester von Sch***e", ein bisschen besser vielleicht als "flott", aber doch allemal suspekt, verdächtig, unbedingt zu vermeiden. Jetzt nicht mehr. An besagtem Datum startete "Ted Lasso". Und hat "nett" nicht einfach nur rehabilitiert, sondern zum Leitbild gemacht, zum erstrebenswerten Zustand moderner Erleuchtung. Was nicht alles geht mit der Geschichte eines zweitklassigen amerikanischen College-Footballcoachs, der mit seinem Assistenten nach London geholt wird, wo er eine darbende Premier-League-Fußballmannschaft wieder auf Vordermann bringen soll!

Unverhohlene Ablehnung schlägt ihm entgegen, dem Fremden in einem fremden Land, der nicht einmal die Regeln des Sports kennt: von den Spielern, von den Fans, von den Menschen in Richmond Green im Südwesten von London und vor allem von der Teambesitzerin Rebecca Welton, die Lasso eigentlich nur angestellt hat, um die Mannschaft in der Öffentlichkeit zu blamieren und sich auf diese Weise an ihrem geschiedenen Ehemann zu rächen, der ihr den Verein überschreiben musste. Doch was man Ted Lasso auch entgegenhalten mag, Schmähungen, schnippische Bemerkungen, Beleidigungen, er reagiert stets mit sonnigem Gemüt, mit unendlichem Optimismus und einer positiven Grundhaltung, die so entwaffnend ist, dass man der Serie sofort verzeiht, dass ihre komplette Prämisse eins zu eins von Die Indianer von Cleveland" geklaut wurde.

Ted Lasso ist nett. Und irgendwann im Verlauf der ersten Staffel können sich die anderen Figuren nicht mehr länger sperren, weil man sich seiner Nettigkeit und den kuriosen Sprüchen mit bisweilen obskuren popkulturellen Anspielungen nicht verweigern kann. Weil der Mann mit seinem unmöglichen Schnauzer und seinen kleinen treuen Hundeaugen der modernste aller Helden ist in einer Welt, in der ruppiger Umgang mit den Mitmenschen alltäglich und akzeptiert geworden ist, während man sich in Zeiten der Corona-Isolation doch nach nichts mehr sehnte, als in den Arm genommen und verstanden und akzeptiert zu werden. So wurde aus einer Figur, die Jason Sudeikis 2013 für einen Sketch von NBC Sports erfand, eine Leitfigur. Und die Serie zu einer Überraschungssensation, zum ersten durchschlagenden Erfolg von Apple TV+, der nun in 20 Nominierungen bei den Primetime Emmys seinen zwischenzeitlichen Höhepunkt findet.

Fragte sich nur, ob das Konzept trägt, ob eine zweite Staffel sich die Frische, den Charme, die, ja, Nettigkeit bewahren könnte. Und wenn man auch gestehen muss, dass die Sensation der Entdeckung weg ist, das unbedingt Neue, so bleibt das Niveau doch durchgehend hoch, weil die Figuren einfach so gut sind, man ihnen auch dann gerne zusehen würde, wenn sie einfach nur die Zeitung durchblättern. Was hier fast zutrifft, denn in den ersten paar Episoden genügt sich "Ted Lasso", einfach nur "Ted Lasso" zu sein, als würde er sich im Glanz des bereits Geleisteten sonnen. Es braucht eine Weile, bis sich dramatische Elemente aus der Handlung herausschälen, die dann für den nötigen Drive sorgen. Weil Nettigkeit zwar das Maß der Dinge sein sollte, aber dafür auch immer wieder auf die Probe gestellt werden sollte. Dann weiß man sie nämlich erst recht zu schätzen.

Thomas Schultze