Kino

Vue wegen tragischen Todesfalls verurteilt

Die britische Kinokette Vue ist zu einer Geldstrafe von 750.000 Pfund verurteilt worden, nachdem sich die Kette zu fahrlässigem Verhalten im Zusammenhang mit dem tragischen Tod eines Besuchers bekannt hatte. Die Richterin hob hervor, dass Vue zuvor über eine "sehr gute Sicherheitsbilanz" verfügt, sich stets kooperativ gezeigt und um Wiedergutmachung bemüht habe - ansonsten wäre die Strafe noch deutlich höher ausgefallen.

21.07.2021 09:56 • von Marc Mensch
In einem Vue-Kino (Symbolbild) in Birmingham war es im Frühjahr 2018 zu einem tödlichen Unfall gekommen (Bild: Vue/Daniel Lewis)

Der tragische Unfall liegt nun gut drei Jahre zurück: Anfang März 2018 war ein Besucher des Vue-Hauses Star City in Birmingham nach der Vorstellung bei der Suche nach Mobiltelefon und Schlüsseln, die ihm auf den Boden gefallen waren, mit dem Kopf unter die Fußstütze eines verstellbaren Recliners geraten, die sich senkte und den Hals des Mannes mit erheblichem Druck einquetschte. Verzweifelte Versuche von Vue-Mitarbeitern, ihn aus dieser Lage zu befreien, waren erst nach rund einer Viertelstunde erfolgreich. In Folge der unterbrochenen Sauerstoffzufuhr und eines nach der Befreiung erlittenen Herzinfarktes verstarb der Gast rund eine Woche, nachdem er in ein örtliches Krankenhaus eingeliefert worden war.

Im Zusammenhang mit diesem Unglücksfall ist Cinemaxx-Eigentümer Vue nun vor einem Strafgericht in Birmingham zu einer Geldstrafe von 750.000 Pfund sowie den Prozesskosten von 130.000 Pfund verurteilt worden. Nach Ansicht der vorsitzenden Richterin sei dem Unternehmen Fahrlässigkeit vorzuwerfen. So sei eine ausgebliebene Bewertung etwaiger Risiken der Recliner-Technik ein "wesentlicher Auslöser" für den Unglücksfall; zugleich habe die Kette auch andere Gäste einem solchen Risiko ausgesetzt.

Laut einem Bericht des "Mirror" argumentierte die Staatsanwaltschaft auf Basis eines Sachverständigengutachtens, dass im Rahmen eines Upgrades der fraglichen Recliner der Mechanismus in einigen Fällen inkorrekt installiert und im Anschluss nicht ausreichend getestet worden sei.

Die Richterin hob übereinstimmenden Berichten britischer Medien zufolge indes auch hervor, dass Vue zuvor über eine sehr gute Sicherheitsbilanz verfügt habe und sich nicht nur stets kooperativ und geständig gezeigt habe, sondern auch anderweitig bemüht sei, den Schaden wiedergutzumachen. So lief bereits parallel zum Strafprozess ein Verfahren zur Regelung des Schadenersatzes gegenüber der Familie des Verstorbenen. Vue hatte sich bereits im April schuldig bekannt, keine ausreichende Risikoprüfung vorgenommen zu haben. Das entsprechende Modell sei bereits aus sämtlichen Vue-Standorten entfernt worden.

Unter dem Strich würdigte die Richterin das Verhalten von Vue - und nicht zuletzt die Tatsache, dass es in der Unternehmensgeschichte noch zu keiner anderen strafbaren Nachlässigkeit gekommen sei - mit einer deutlichen Reduzierung des im Raum stehenden Strafsatzes, der sich ansonsten an einem Basissatz von 1,25 Mio. Pfund orientiert hätte.