Kino

UPDATE 4: Flutkatastrophe trifft etliche Kinos

Erst Corona, nun das: Offenbar sind etliche Kinos in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen worden, teils sogar schwer. Der HDF Kino hat bereits Kontakt zu Förderern und Politik aufgenommen, die FFA stellt ein Soforthilfeprogramm in Aussicht.

16.07.2021 14:01 • von Marc Mensch
Ein Blick in den ebenerdigen Saal des Euskirchener Arthouse-KInos - die beiden Säle im Tiefgeschoss sind derzeit noch komplett geflutet (Bild: Brunotte Filmtheater GmbH)

Allmählich wird das ganze Ausmaß der Flutkatastrophe offenbar, die unter anderem ganze Ortschaften in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verwüstete und die nach letzter Zählung über 100 Todesopfer forderte.

Auch zahlreiche Kinos sind direkt vom Hochwasser betroffen, nach derzeitigem Stand spricht der HDF von rund 50 betroffenen Leinwänden, auf denen der Spielbetrieb zumindest vorerst nicht wieder aufgenommen werden kann. Noch sei das Bild allerdings nicht komplett - auch weil von manchen potenziellen Betroffenen noch keine Rückmeldung vorliege. Einzelne Standorte hatten offenbar insofern noch Glück, als ihnen primär der Strom fehlt, während andere von den Wassermassen deutlicher in Mitleidenschaft gezogen zu sein scheinen. In Orten wie Bad Neuenahr-Ahrweiler oder Euskirchen muss man sogar massive Substanzschäden befürchten.

Wie der HDF berichtet, meldeten sich bereits im Lauf des gestrigen Tages zahlreiche Betreiber*innen bei dem Verband - einzelne in absoluter Verzweiflung. Denn nachdem Corona zumindest so weit überstanden schien, dass man wieder spielen konnte, bricht nun das nächste Unglück über einige Standorte herein.

Auf sozialen Medien kursieren unter anderem Bilder, auf denen zu erkennen ist, dass die Fluten in Wuppertal das dortige Cinemaxx erreichten. Auf der Website heißt es: "Liebe CinemaxX Gäste, aufgrund des Hochwassers musste das CinemaxX Wuppertal am 14.7.21 geschlossen werden. Ein Spielbetrieb ist bis auf weiteres nicht möglich. Wir bewerten die Situation und geben, so bald als möglich, ein Update, wann der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden kann. (...) Das CinemaxX Team im CinemaxX Essen und CinemaxX Mülheim ist für euch da und freut sich sehr, euch in der Zwischenzeit zu begrüßen." Andere Kinos in Wuppertal hatten mehr Glück: Die höher gelegene Häuser Cinema und Rex wurden verschont.

Auch die CineStar-Standorte in Hagen und Düsseldorf können vorerst nicht öffnen, auf deren Website heißt es: "Liebe Kinogäste, das kam aus heiterem Himmel: Aufgrund der Unwetterlage müssen wir den Kinobetrieb vorerst einstellen. Wir arbeiten bereits mit Hochdruck daran, unsere Pforten schnellstmöglich wieder öffnen zu können und halten euch hier auf dem Laufenden. Vielen Dank für euer Verständnis! Bis bald! Euer CineStar-Team."

Wie CineStar-Geschäftsführer Oliver Fock mitteilte, halten sich die Schäden nach erster Bestandsaufnahme an beiden Standorten wohl in Grenzen. So sei in Düsseldorf der Keller geflutet worden, der allerdings zentrale Elemente der Haustechnik beherbergt. Am Standort Hagen musste eine zum Gebäudekomplex gehörende Tiefgarage aufgrund der besonderen Bauweise gezielt geflutet werden, um größere Schäden zu vermeiden. Stolz zeigte sich Fock von den Mitarbeitern an beiden Standorten, die nicht zuletzt mit "allergrößter Umsicht und Professionalität" dafür gesorgt hätten, dass die durch die schweren Unwetter nötigen Räumungen beider Standorte reibungslos verliefen.

Der geplante Start des Düsseldorfer Open-Air-Kinos musste wegen des Hochwassers übrigens auch verschoben werden.

Auf der Website des Cineplex Euskirchen findet sich mittlerweile ebenfalls ein Kundenhinweis. Unter der Überschrift "Hochwasser" heißt es: "Wir sind Opfer der Fluten geworden und zurzeit geschlossen. Onlinekarten stornieren wir - alles andere regeln wir nach der Wiedereröffnung." Die Familie Brunotte betreibt im Ort zwei Häuser, die nur wenige hundert Meter voneinander entfernt sind. Während im größeren Mainstream-Haus nach Angaben von Cineplex vor allem Kellerräume und angrenzende Tiefgarage überflutet wurden und man mit vergleichsweise zeitnaher Wiederaufnahme des Spielbetriebs rechnet, wurden zwei im Tiefgeschoss befindliche Säle des Arthouse-Kinos komplett geflutet, auch in das Erdgeschoss drangen die Wassermassen vor - hier rechnet man wenigstens mit einer längerfristigen Betriebsunterbrechung. Der Kreis Euskirchen zählt zu den besonders schwer getroffenen Regionen, nicht zuletzt ist die Situation an der Steinbachtalsperre weiter kritisch.

Zu kämpfen hat Cineplex aktuell auch damit, dass die Kellerräume jenes Wuppertaler Gebäudes überflutet sind, in denen sich die Zentrale befindet. Denn diese Räume beherbergen nicht zuletzt wichtige zentrale IT-Schnittstellen.

Das Apollo Service Kino in Altena postete selbst ein Foto, auf dem zu erkennen ist, dass Wasser aus dem Untergeschoss gepumpt wird. Dazu postete man "Liebe Gäste, wir müssen unseren Spielbetrieb für einige Tage aussetzen. Bereits gekaufte Tickets könnt ihr über das Ticketingsystem wieder stornieren. Sobald wir mehr wissen, sagen wir Euch Bescheid. Wir wünschen allen Betroffenen alles erdenklich Gute und viel Kraft! Eure Kinocrew." In einem Update berichtet man davon, dass man Glück im Unglück hatte und nur der Keller betroffen sei, man den Spielbetrieb Donnerstag nächster Woche wieder aufnehmen werde. Vor allem aber bedankt sich das Kinoteam für zahlreiche Hilfsangebote aus der Bevölkerung.

Der HDF zeigt sich auf sozialen Medien "sprachlos" angesichts der Naturkatastrophe. In einem Post heißt es: "Unsere Gedanken sind bei allen Betroffenen, insbesondere natürlich bei unseren betroffenen Kinos. Wir stehen an eurer Seite und werden alles tun, damit der Kulturort Kino auch diese Katastrophe überleben wird." Der Verband sei bereits im Kontakt mit Politik und Förderern, um möglichst schnelle Hilfe für betroffene Standorte auf den Weg bringen zu können.

Und schon jetzt steht fest: Die FFA wird betroffene Kinounternehmen nicht alleine lassen. Auf Nachfrage von Blickpunkt: Film erklärte der FFA-Vorstand: "Jetzt kommt es darauf an, den Kinos, die ja gerade die Coronakrise überstanden haben, schnell und unbürokratisch zu helfen. Deshalb wollen wir so schnell wie möglich ein Soforthilfeprogramm starten, wie wir es auch bei der Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 bereitgestellt haben."

Seitens der Film- und Medienstiftung NRW hieß es am Samstag: "Die Bilder und Berichte vom Ausmaß und den Folgen der Hochwasserkatastrophe machen uns sehr betroffen. Unser Mitgefühl gilt zuallererst den Menschen, die ihr Zuhause oder gar Angehörige verloren haben und denen, die um ihre Existenz bangen müssen. Wir hoffen, dass ihnen schnell geholfen werden kann. Was die betroffenen NRW-Kinobetriebe angeht, werden wir uns dafür einsetzen, dass auch sie schnelle Hilfen erhalten und ihren Betrieb bald wieder aufnehmen können."

Zusätzlich schwer wiegt für die betroffenen Standorte natürlich selbst bei nur kurzer Unterbrechung des Spielbetriebs, dass das jetzige Kinowochenende das bislang beste seit Frühjahr 2020 zu werden verspricht, Fast & Furious 9" wird aller Voraussicht nach mit deutlichem Vorsprung vor Tenet" eine neue Pandemie-Bestmarke setzen.