Kino

KOMMENTAR: Ein hart erkämpftes Comeback

Gegen viele Widrigkeiten erkämpfen sich gerade Filmtheater und Festivals die Aufmerksamkeit des großen Publikums zurück. In Cannes, München und jedem Kino vor Ort läuft eine konzertierte Aktion, um treue und neue Zuschauer für das Filmerlebnis auf der großen Leinwand zu begeistern - mit beachtlichem Erfolg.

15.07.2021 07:19 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Gegen viele Widrigkeiten erkämpfen sich gerade Filmtheater und Festivals die Aufmerksamkeit des großen Publikums zurück. In Cannes, München und jedem Kino vor Ort läuft eine konzertierte Aktion, um treue und neue Zuschauer für das Filmerlebnis auf der großen Leinwand zu begeistern - mit beachtlichem Erfolg. So hat das letzte Wochenende trotz harter Konkurrenz durch die Fußball-EM und den an dieser Stelle oft und vergeblich beklagten, längst nicht mehr angemessenen Corona-Auflagen bundesweit endlich wieder ein siebenstelliges Besucherergebnis gebracht.

Das ist umso erstaunlicher, weil etwa in Hamburg und Berlin die Kinos fest im Würgegriff behördlicher Zugangsbeschränkungen sind, und sich dort - anders als in allen anderen Bundesländern - die Besuchszahlen kaum verbessern. Die Muskeln am Boxoffice spielen ließ mit Black Widow" eine weibliche Heldin des Marvel Cinematic Universe. Die Zahlen zum weltweiten Start sind fulminant, mit über 200 Millionen Dollar Einspiel in den ersten drei/vier Tagen, das sich aus Umsätzen an der Kinokasse und erstmals genannten Einnahmen über den VIP Access auf dem Streamingportal Disney+ zusammensetzt.

In Deutschland könnte das Ergebnis noch besser sein, wenn man es mit dem starken Einspiel in Österreich vergleicht, wenn nicht eine Reihe von Betreibern wegen des fast zeitgleichen Starts im Kino und als Premium-VoD den Film boykottiert hätte. Offenbar ist das Publikumspotenzial groß genug für beide Auswertungsformen. Und wo steht geschrieben, dass alle Kinos denselben Film spielen müssen, und das wie vor der Pandemie in wöchentlichen Wellen. An diesem Wochenende wird das nächste Franchise Stärke zeigen: Fast & Furious 9" wird den pandemiegeschädigten Kinos neue "Höhenflüge" erlauben.

Tapfer für die Rückkehr des Kinos im Bewusstsein des Publikums hat auch das Filmfest München gekämpft. Mit eingeschränktem, aber hochkarätigem Programm hat das versierte Programmerteam um Diana Iljine echte Entdeckungen, überfällige Premieren und leibhaftige Stars an die Isar geholt. Tapfer auch deswegen, weil wegen der auch hier zum Teil grotesken Auflagen - mit Maskenzwang sogar im Freilichtkino - auf Open Air gesetzt wurde. Dabei war es erstaunlich und beglückend zu erleben, wie eingeschworene Cineasten genauso wie Gelegenheitsbegeisterte teils sintflutartigen Regenfällen trotzten.

Der Wiederauferstehung des Kinos hilft auch der Rummel um das Filmfest in Cannes. Auch hier versucht ein film- und kinoverrückter Festivalchef der siebten Kunst aus dem behördlich verordneten Grab zu helfen mit einer Flut an Coronatests, durch die sich Stars und Fachbesucher kämpfen. Die Qualität des Programms und der lang vermisste Starauftrieb machen nicht nur mir Lust auf das Comeback des Kinos, das aus dieser Pandemie gestärkt hervorgehen wird.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur