Festival

Starke deutsche Präsenz auch in Locarno

Im Internationalen Wettbewerb des 74. Locarno Film Festival werden vier deutsche Koproduktionen vertreten sein sowie der österreichische Film "Luzifer". Die rein deutsche Produktion "Niemand ist bei den Kälbern" von den Weydemann Bros. läuft im Concorsi Cineasti del presente. Auf der Piazza Grande ist eine weitere große deutsche Koproduktion von Stefan Jäger vertreten, und auch Stefan Ruzowitzky zeigt seinen neuen Film.

01.07.2021 11:46 • von Thomas Schultze
"Niemand ist bei den Kälbern" mit Saskia Rosendahl feiert Premiere in Locarno (Bild: Weydemann Bros.)

Der neue Festivalleiter Giona A. Nazzaro hat seine erste Auswahl für das Locarno Film Festival vorgelegt. Der italienische Filmkritiker, der der glücklosen Lili Hinstin nachfolgt, die Locarno nach nur einer regulären Ausgabe wieder verlassen hatte, lud 17 Filme in seinen Wettbewerb ein. Darunter befinden sich fünf deutsche Koproduktionen: "Al Naher (The River)" von Ghassan Salhab, "Nebesa (Heavens Above)" von Srdjan Dragojevic, "Septerti Dendam, Rindu Dibayar Tuntas (Vengeance Is Mine, All Others Pay Cash)" von Edwin und der neue Film von Abel Ferrara, "Zeros and Ones", in dem Ethan Hawke die Hauptrolle spielt. Dazu kommt noch eine österreichische Produktion, "Luzifer", der neue Film von Peter Brunner mit Franz Rogowski in der Hauptrolle.

Die weiteren Titel im Wettbewerb: "After Blue" von Bertrand Mandico, "Espíritu Sagrado" von Chema Garcia Ibarra, "Gerda" von Natalya Kudryashova, "I Giganti" von Boniacio Angius, "Jiao Ma Tang Hui" von Qiu Jiongjiong, "Juju Stories" von C.J. "Fiery" Obasi, Abba T. Makama und Michael Omonua, "La place d'une autre" von Aurélia Georges, "Leynilögga" von Hannes Halldorsson, den Fußballfans auch als Torhüter der isländischen Nationalmannschaft kennen, "Medea" von Alexander Zeldovich, "Petite Solange" von Axelle Ropert, "Sis Dies Corrents" von Neus Ballús und "Soul of a Beast" von dem Schweizer Filmemacher Lorenz Merz.

Präsidentin der Jury wird die amerikanische Filmemacherin Eliza Hittman, die auf der Berlinale 2020 mit ihrem Beitrag Niemals selten manchmal immer" ihren Durchbruch feierte. Der Rest der Jury besteht aus Kevin Jerome Everson, Isabella Ferrari, Philippe Lacôte und Leonor Silveira.

Die rein deutsche Produktion, die Romanverfilmung Niemand ist bei den Kälbern" von Sabrina Sarabi mit Saskia Rosendahl, Rick Okon und Godehard Giese, produziert von den Kölner Weydemann Bros, läuft im Concorsi Cineasti del presente. Darin geht es um eine junge Frau, die mit ihrem Freund im ländlichen Ostdeutschland und sich zunehmend auszubrechen und in die Stadt umzuziehen wünscht. In dieser Sektion findet sich auch die deutsche Koproduktion Whether the Weather Is Fine" von Carlo Francisco Manatad, ebenfalls von den Weydemann Bros., die überdies in der Reihe Locarno Kids mit Zu weit weg" von Sarah Winkenstette vertreten sind.

Als Eröffnungsfilm für die publikumsträchtige Piazza Grande wurde bereits vor einer Woche Beckett" bekanntgegeben, der neue Film des italienischen Filmemachers Ferdinando Cito Filomarino. Bei "Beckett", produziert von Luca Guadagnino, arbeitete Filomarino mit einem internationalen Cast, zu dem illustre Namen wie John David Washington, Boyd Holbrook, Vicky Krieps und Alicia Vikander gehören.

Insgesamt werden 14 Filme aus acht Ländern auf der Piazza Grande gezeigt: Darunter befindet sich die deutsche Koproduktion Monte Verità" von Stefan Jäger mit Max Hubacher, Joel Basman, Julia Jentsch und Hannah Herzsprung. Die Kölner Coin Film ist deutscher Produktionspartner. Mit dabei sind außerdem Tellfilm GmbH Zürich, KGP Filmproduktion Wien und MMC Movies. Der österreichische Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky stellt seinen neuen Film vor, Hinterland", eine österreichisch-luxemburgische Koproduktion mit Murathan Muslu, Liv Lisa Fries und Matthias Schweighöfer. Die Produzenten sind Freibeuter Film und Amour fou.

Außerdem wird man die europäische Premiere von zwei großen Hollywoodfilmen erleben: Free Guy" von Shawn Levy mit Ryan Reynolds und das Aretha-Franklin-Biopic Respect" von Liesl Tommy mit Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson. Weitere Piazza-Grande-Filme umfassen Vortex" von Gaspar Noé, "Sing-keu-hol" von Kim Ji-hoon, "Rose" von Aurélie Saada, "Ida Red" von John Swab, "The Alleys" von Bassel Ghandour, "Yaya e Lennie - The Walking Liberty" von Alessandro Rak, sowie feierliche Neuvorführungen von Klassikern wie "Heat", "The Terminator" oder "Ich glaub mich tritt ein Pferd" im Rahmen der diversen Ehrenpreisverleihungen.

In der Pressekonferenz betonten Festivalpräsident Marco Solari, sein COO Raphael Brunschwig und Giona A. Nazzaro, dass es dem Festival ein Anliegen war, das Unmögliche möglich zu machen und die 74. Ausgabe als physischen Event stattfinden zu lassen. "Langeweile ist verboten", sagte Nazzaro. Brunschwig räumte ein, dass man auch in Kauf nehmen wird, ein Minus einzufahren, das die Reserven des Festivals angreifen wird: Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge geht man davon aus, dass man aufgrund der Corona-Situation etwa 30 Prozent weniger Publikum haben wird.

Diverse Preise waren in den letzten Wochen bereits bekanntgegeben worden. Gale Anne Hurd erhält den Produzentenpreis Premio Raimondo Rezzonico, Oscarpreisträger Phil Tippett wird mit dem Vision Award Ticinomoda geehrt, Kameramann Dante Spinotti nimmt Dante Spinotti den Pardo alla carriera als Würdigung seiner künstlerischen Karriere entgegen; Laetitia Casta wird der Excellence Award zugesprochen. Und schließlich erhält der legendäre John Landis den Pardo d'onore. Das Festival findet vom 4. bis 14. August statt.