Kino

KOMMENTAR: Der Sommerhit: Kino

Der Slogan einer alten Branchenkampagne soll sich jetzt nach der Pandemie bewahrheiten. Mit dem 1. Juli öffnet die große Mehrheit der Kinos in Deutschland und hofft auf einen Zuschaueransturm. Übereifrige Behörden werfen den Betreibern so viele Knüppel wie möglich zwischen die Beine.

01.07.2021 07:55 • von Barbara Schuster
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: BF)

Der Slogan einer alten Branchenkampagne soll sich jetzt nach der Pandemie bewahrheiten. Mit dem 1. Juli öffnet die große Mehrheit der Kinos in Deutschland und hofft auf einen Zuschaueransturm. Übereifrige Behörden werfen den Betreibern so viele Knüppel wie möglich zwischen die Beine. Eigentlich stehen alle Zeichen auf grün: Nach einem halben Jahr strengem Lockdown sollten die Filmfans auch hier ausgehungert nach dem Erlebnis auf der großen Leinwand sein. Im Nachbarland Frankreich wurden am letzten Wochenende regelrechte Fabelzahlen gemeldet. Dort sind die Kinos trotz Ausgangssperre ab 23 Uhr schon seit Wochen geöffnet, die Grande Nation konnte sich auf einen gemeinsamen Starttermin und auf eine gemeinsame Kampagne samt landesweiter Fête du Cinéma an diesem Wochenende einigen - und die filmverliebten Franzosen strömen in Scharen in die Kinos. Hierzulande läuft alles ein bisschen verhaltener ab, zu einem Kampagnenkompromiss hat es gereicht, beim Termin war das schon uneinheitlicher, was nicht zuletzt an unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer lag. Der völlig intransparente Auflagenwirrwarr tut nun ein übriges, um der vom Lockdown schwer gebeutelten Branche einen wirtschaftlichen Betrieb ihrer Häuser zu erschweren. Mal mit Test mal ohne, mal großer Abstand mal Schachbrettmuster, mal mit mal ohne Maske, mal Verzehrverbot mal nicht, der Amtsschimmel galoppiert über eine angeschlagene Branche bei Inzidenzwerten nahe Null. Dafür stimmt die Filmversorgung. Nach endlosen Verschiebungen wegen des weltweit wütenden Virus stehen nun hunderte Filme inklusive der großen Blockbuster parat, um ein Publikum zu begeistern. Ob alle Filme eine angemessene Chance bekommen, darf bezweifelt werden. Alleine 120 deutsche Kinofilme wollen in den nächsten sechs Monaten auf die Leinwand, darunter Heilsbringer wie das mehrfach angerichtete Kaiserschmarrndrama". Um die US-Hits herrscht noch hektisches Armdrücken zwischen Kinoketten und Verleihern, wobei sich das befürchtete Ungemach wegen verkürzter Fenster durch Zugeständnisse bei den Konditionen in Wohlgefallen aufzulösen scheint. Zum einen gab es in den letzten Wochen verwirrende Erfolgsmeldungen einzelner Kinobetreiber, die ihre größten Publikumserfolge mit Filmen erzielten, die längst auf Streamingportalen eingestellt waren. Zum anderen rechnen erste Analysten den Studios vor, wieviele Milliarden die Fensterverkürzung sie kosten wird. Das alles wird in den kommenden Tagen und Wochen durch das Gefühl überlagert werden, das die aktuelle Branchenkampagne in den erleichterten Ausruf fasst: Endlich wieder Kino! Selbst dem natürlichen Feind Fußball ist schon die Puste ausgegangen: Die Jungs und ihr Trainer sind alle schon daheim und können auch endlich wieder ins Kino gehen.