Kino

Kino-Neustart: Mit Rückenwind zum Stichtag

Das vergangene Wochenende sah eine weitere Belebung im deutschen Kinomarkt, der nicht zuletzt vom Ferienbeginn in manchen Bundesländern profitieren konnte. Nicht nur die Gesamtmarktzahlen stiegen deutlich, auch im Schnitt verbesserten die wiedereröffneten Kinos ihre Ergebnisse. Großartige Resultate kommen weiterhin aus den Niederlanden.

28.06.2021 12:27 • von Marc Mensch
"Freaky" war der populärste Neustart am vergangenen Wochenende - dem letzten vor der bundesweiten Wiedereröffnung (Bild: Universal)

Es ist die letzte FilmSource-Auswertung vor der bundesweiten Wiedereröffnung der Kinos am 1. Juli, die Comscore heute vorlegte - und auch wenn die Abstände zu wichtigen Besucher-Benchmarks noch zu groß sind, um von richtig guten Zahlen zu sprechen, stimmt doch zumindest der Trend. Denn trotz anhaltender Hitze konnten sowohl die Gesamtmarktzahlen wie auch vor allem die Durchschnittsergebnisse der wiedereröffneten Kinos gesteigert werden - und das einigermaßen deutlich.

Erfasst hat Comscore am Wochenende vom 24. bis 27. Juni 171 reguläre wiedereröffnete Kinos, 39 mehr als am Wochenende zuvor, als UCI den Spielbetrieb wieder aufgenommen hatte. Damit haben bereits vor dem "Bundesstart" 15 Prozent aller deutschen Standorte den Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Insgesamt konnten die 210 erfassten Häuser 55.727 gemeldete Besucher begrüßen und mit den Ticketverkäufen 469.010 Euro umsetzen. Dies entspricht Steigerungen von 51,4 Prozent beim Besuch und 45,4 Prozent beim Boxoffice gegenüber der Vorwoche, als diese Werte - natürlich vor allem dank des Markteintritts von UCI - schon um über 70 Prozent in die Höhe geschnellt waren. Der wesentliche Unterschied zur Vorwoche: Die Resultate der geöffneten Kinos haben sich einer wichtigen Benchmark zuletzt deutlich genähert, anstatt (wie Mitte Juni) ein wenig Boden zu verlieren.

So lässt die Tatsache, dass selbst das schlechteste Wochenendergebnis der fünf Jahre vor Corona erneut verpasst wurde, noch keine allzu große Euphorie aufkommen - allerdings fehlten den geöffneten Kinos zu dieser Benchmark zuletzt nur noch etwa 20.000 verkaufte Tickets, also rund 27 Prozent nach Besuchern und 25 Prozent nach Umsatz - wobei man zusätzlich im Hinterkopf behalten muss, dass zu diesen Zahlen noch Previews kommen, die erst auf die Ergebnisse zum Bundesstart aufgeschlagen werden; dementsprechend fällt die tatsächliche Lücke wohl noch deutlich geringer aus. Von einem "mittleren" Wochenende als Gradmesser für eine weitgehend erfolgreiche Rückkehr zur Normalität war man unterdessen noch 80 Prozent entfernt. Im Gesamtmarkt (hier zählte Comscore inklusive der Open-Air-Kinos 271 geöffnete Spielstätten) blieben die Abstände zu den Benchmarks vor dem 1. Juli natürlich noch riesig. Fast 90 Prozent fehlten zu einem "schlechten" Wochenende, rund 96 Prozent zu einem "mittleren".

Unterdessen wird das gemeldete Chartsgeschehen weiterhin von Filmen mitdominiert, die auch online erhältlich sind, so schafften es Cruella", Wonder Woman 1984" und Raya und der letzte Drache" erneut in eine recht dicht gestaffelte Top 5, die von Nomadland" mit 5557 Besuchern und 48.838 Euro Umsatz (insgesamt 21.673 Besucher; 188.125 Euro Umsatz) angeführt wurde. Erfolgreichster Neustart war Freaky" auf Platz 3 mit 3989 Besuchern und 37.235 Euro Umsatz. Neu in die Top Ten schaffte es darüber hinaus "Cats & Dogs 3" auf Platz 10 mit 1597 Besuchern und 10.873 Euro Umsatz. Von den Filmen, die sich aktuell in den Top 10 tummeln, weist "Nomadland" das beste Gesamtergebnis auf, gefolgt von "Demon Slayer - The Movie" mit 17.684 Besuchern. Betonung darf erneut auf das Wort "gemeldet" gelegt werden, denn zu den prominenten Absenzen in der Top Ten zählt natürlich A Quiet Place 2", dem man zutrauen sollte, der eigentliche Spitzenreiter zu sein - allerdings sind alle Vorstellungen vor dem 1. Juli als Previews zu werten.

Minimal voran ging es unterdessen in Österreich, wo schon Mitte Juni 83 Prozent der Kinos wieder am Start waren. Zwischenzeitlich stieg die Zahl von 101 auf 107 (88 Prozent) und die 34.982 Besucher und 328.810 Euro Umsatz, die sie gemeinsam generierten, reichten zumindest aus, um den Abstand des Gesamtmarktes (also inklusive der noch geschlossenen Häuser) zur unteren Benchmark auf 33 Prozent nach Besuchern und 30 Prozent nach Umsatz zu drücken, in der Vorwoche standen diese Werte noch bei 43 bzw. 39 Prozent. Zumindest also ein Fortschritt, obwohl auch hier der Weg noch lang ist. Immerhin: Zum 1. Juli sollen die Kapazitätsgrenzen fallen, an der Testpflicht hält man im Tausch dagegen aber fest. Was am Ende der "bessere Deal" ist, könnten die Comscore-Auswertungen der kommenden Wochen zeigen - sicherlich ein spannender Punkt.

Enthusiamus und Vorfreude vor dem kommenden Bundesstart des Kinomarktes schürt unterdessen einmal mehr der Blick auf die Zahlen in den Niederlanden. Schon in der Vorwoche war die untere Benchmark um 47 Prozent nach Besuchern und 69 Prozent nach Umsatz übersprungen worden; mit fünf weiteren spielenden Kinos ist der Markt zu 88 Prozent zurückgekehrt und konnte 243.480 Besucher und 2.462.377 Euro Umsatz verzeichnen. Das entspricht dem doppelten Boxoffice des schlechtesten Wochenendes vor Corona und einen Besuchervorsprung von 72 Prozent. Zum "mittleren" Wochenende als echtem Meilenstein fehlten nur noch 40 Prozent an Besuchern und lediglich 29 Prozent Boxoffice - trotz der geltenden Restriktionen. Offenbar ist nicht nur Frankreich eine Kinonation...