Kino

"Ungeklärt, intransparent, nicht verhältnismäßig": HDF kritisiert Auflagendschungel

Wenige Tage vor der bundesweiten Wiedereröffnung der meisten Kinos kann der HDF auf eine umfangreiche und vielfältige Startliste blicken. Allerdings appelliert der Verband noch einmal dringend an die Länder, bei den Auflagen bis zum 1. Juli noch nachzubessern.

28.06.2021 10:01 • von Marc Mensch
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: Mike Auerbach/HDF Kino)

Bereits im Mai hatten sich die Kino- und Verleiherverbände auf den 1. Juli als Termin zur bundesweiten Wiedereröffnung der Kinos verständigt. Eine Entscheidung, die nicht nur eine flächendeckende Abspielbasis für Neustarts zu diesem Zeitpunkt sicherstellen sollte, sondern die auch vor dem Hintergrund erfolgte, dass man für den Start des dritten Quartals auf Rahmenbedingungen setzte, die wirtschaftliches Arbeiten möglich machen.

"Wir wollten sicher sein, dass wir sowohl im Hinblick auf das abnehmende Infektionsgeschehen als auch auf die Inbetriebnahme der Häuser und die Planung und Bewerbung neuer Filme einen für alle Bundesländer realistischen Zeitpunkt wählen", so die HDF-Vorsitzende Christine Berg.

Erfüllt hat sich die Hoffnung indes nur teilweise, so unterscheiden sich die in den einzelnen Bundesländern vorgesehenen Auflagen trotz vergleichbar niedriger Inzidenzen teils sehr - insbesondere, was beispielsweise den Mindestabstand und die Testpflicht anbelangt. Tatsächlich spricht der HDF in einem Schreiben nun von Auflagen, die "teilweise noch ungeklärt, intransparent oder nicht verhältnismäßig" seien; dementsprechend appelliert der Verband noch einmal eindringlich an die Länder, bis 1. Juli noch nachzubessern.

Angesichts weiter sinkender Inzidenzen und einer nachweislich geringen Aerosolbelastung in den Kinos gelte es, die Auflagen noch einmal anzupassen und nicht zuletzt zu vereinheitlichen. Folgende Punkte - wie sie etwa in Schleswig-Holstein nun gelten - hebt der HDF hervor:

* Der Abstand soll überall nur einen freien Platz neben jedem besetzten Platz betragen.

* Der Verzehr am Platz muss überall erlaubt sein.

* Entsprechend darf es keine Maskenpflicht am Platz geben.

* Eine Beschränkung des Zugangs auf Geimpfte, Genesene und Getestete soll bei weiter fallenden Inzidenzen - wie teilweise bereits bei den Restaurants - aufgehoben werden.

Überschattet wird der kommende Neustart unterdessen nicht nur von der Frage der Auflagen, sondern unternehmensabhängig auch von anhaltenden Diskrepanzen über die Auswertungsbedingungen für unmittelbar anstehende und künftige Neustarts. Zudem sorgt der offenbar halbgar an den Start gebrachte "Sonderfonds Kulturveranstaltungen" erwartungsgemäß für Diskussionen. Denn die Frage der (vom Bundesfinanzministerium eigentlich vorgesehenen...) Partizipation der Verleiher ist aktuell noch ungeklärt - was erste Verleiher zum Anlass genommen haben, eine Beteiligung in Höhe der Verleihmiete an etwaigen Zahlungen aus diesem Topf schlicht in die Verleihbedingungen für aktuelle Neustarts zu schreiben.