Kino

Kino-Neustart: Noch kein echter Fortschritt

Die Öffnung unter anderem der UCI-Häuser hat die Gesamtergebnisse im deutschen Kinomarkt natürlich deutlich nach oben getrieben. Doch nicht zuletzt die Fußball-EM und das hochsommerliche Wetter verhinderten Fortschritte beim Erreichen wichtiger Benchmarks. Besser sieht die Situation in Österreich aus, wo nun ein Großteil des Marktes wieder spielt. Aus den Niederlanden kommen unterdessen weiterhin erfreuliche Zahlen.

21.06.2021 15:13 • von Marc Mensch
"Cruella" war am vergangenen Wochenende der mit Abstand besucherstärkste Titel laut Comscore (Bild: Walt Disney)

Die gute - wenngleich vorhersehbare - Nachricht zuerst: Mit der Wiedereröffnung weiterer 79 Kinos am vergangenen Donnerstag, darunter natürlich vor allem der Häuser von UCI, haben die Besucher- und Umsatzzahlen im deutschen Kinomarkt gegenüber dem Vorwochenende einen massiven Sprung nach oben getätigt.

Insgesamt zählte Comscore 171 reguläre wiedereröffnete Häuser (Vorwoche: 92), was rund 12 Prozent des deutschen Kinobestandes entspricht. Sie brachten es am vergangenen Wochenende auf von Comscore erfasste 34.113 Besucher und 298.370 Euro Boxoffice, was einer Steigerung um 76,3 bzw. sogar 77,3 Prozent gegenüber der Vorwoche entspricht.

Dennoch handelt es sich natürlich um ein Ergebnis, das noch himmelweit von jeglicher Normalität entfernt ist - auch wenn man es lediglich auf die Performance der erfassten Häuser hinunter bricht. Denn diese lag noch um jeweils 55 Prozent unter dem, was diese Kinos selbst am schwächsten Wochenende der vergangenen fünf Jahre vor Corona vorzuweisen hatten. Zum Vergleich: Vergangene Woche lagen die wiedereröffneten Kinos mit ihren Zahlen "nur" um 51 bzw. 49 Prozent unter dieser unteren Benchmark. Zu einem "mittleren" Ergebnis fehlten da noch jeweils 86 Prozent - am vergangenen Wochenende waren es 87 Prozent nach Besuchern und 88 Prozent nach Umsatz.

Leicht verringert haben sich die Abstände dank einer gegenüber Mitte des Monats beinahe doppelt so hohen Zahl an spielenden Kinos hingegen natürlich, wenn man die erzielten Resultate mit den Benchmarks für den Gesamtmarkt vergleicht - allerdings sprechen wir hier natürlich nach wie vor von Werten jenseits der 90 Prozent. Zu Zahlen, die einem mittleren Wochenende für sämtliche deutschen Leinwände entsprechen würden, fehlten noch 98 Prozent. Am katastrophalen Minus selbst gegenüber dem ersten Halbjahr 2020, in dem die Kinobranche Mitte März jäh durch den Lockdown stillgelegt wurde, gab es folglich nur Bewegung bei Stellen hinter dem Komma - an den aktuell 98,5 Prozent Besucher- und 98,6 Prozent Umsatzminus wird sich bis zum Beginn des dritten Quartals - das von der Öffnung des Löwenanteils der deutschen Kinos geprägt sein wird - nichts Nennenswertes mehr ändern.

Um den aktuellen Status Quo aber zumindest zu beziffern: Für das Gesamtjahr 2021 stehen laut Comscore bislang 359.718 gemeldete Besucher und 2.890.276 Euro Boxoffice zu Buche - also noch deutlich weniger, als der Gesamtmarkt selbst am schwächsten Einzelwochenende der vergangenen fünf Jahre (425.681 Besucher; 3.625.997. Euro Umsatz) erzielen konnte.

Selbstverständlich musste man kein Prophet sein, um schon vor dem Wochenende angesichts prognostizierter hochsommerlicher Temperaturen und dem für Samstagnachmittag angesetzten Vorrundenspiel Deutschland-Portugal vorauszusagen, dass die Auslastung der allermeisten Vorstellungen eher nicht an die Grenzen der Corona-Auflagen stoßen würde. In die Toppositionen bei den Filmen ist unterdessen einiges an Bewegung gekommen - denn selbst wenn man jene Titel gedanklich streicht, die am 17. zwar ihren "offiziellen" Start feierten, den Kinos aber tatsächlich schon seit Wochen zur Verfügung standen, gab es eine ganze Reihe an Leinwanddebütanten, von denen sich The Unholy" mit 2375 Besuchern und Platz 4 am besten schlug. Direkt dahinter folgt der schon seit Monaten bei Sky verfügbare Wonder Woman 1984" mit 2184 verkauften Tickets - ein Ergebnis, das in der Vorwoche noch für den Spitzenplatz unter den gemeldeten Filmen gereicht hätte. Dieser ging diesmal nach Besuchern (3544) an Cruella", nach Umsatz (knapp 32.000 Euro) an den Anime-Hit "Demon Slayer - The Movie", der mit 2911 Besuchern sein Gesamtergebnis auf knapp 14.000 Zuschauer schraubte - das bislang beste für einen Start nach dem zweiten Lockdown.

Tatsächlich erweiterte Comscore die Liste gegenüber der Vorwoche von einer Top 5 auf eine Top 10 - und wie sehr man das Wort "gemeldet" im Hinterkopf behalten darf, unterstreicht unter anderem Nomadland", der erstmals (auf Rang 3) in der Reihung auftaucht - mit zuletzt 2994 Besuchern bei einem Plus von 5,8 Prozent gegenüber der Vorwoche. Insgesamt steht der Oscar-Gewinner bei 8421 Besuchern. Und noch eine Bemerkung am Rande: Exakt die Hälfte aller Titel in den Top Ten ist bereits (teils seit geraumer Zeit) online verfügbar.

Mit der Wiedereröffnung unter anderem der großen Ketten Dieselkino und vor allem Cineplexx haben laut Comscore nun 83 Prozent der österreichischen Standorte den Spielbetrieb wieder aufgenommen - dementsprechend ist der dortige Gesamtmarkt von den beiden Benchmarks auch deutlich weniger entfernt als der deutsche. So lagen die Zahlen in Österreich noch um 43 Prozent nach Besuchern und 39 Prozent nach Umsatz unter dem schwächsten Vergleichswochenende, zu einem mittleren Ergebnis fehlten aber immer noch jeweils 83 Prozent.

Wo es in Deutschland und Österreich noch mehr oder minder stark hapert, geben die Zahlen aus den Niederlanden schon deutlich mehr Anlass für Optimismus: Denn während dort (wie schon in der vergangenen Woche) ebenfalls 83 Prozent der Standorte wieder am Start sind, wurde die untere Benchmark nach Besuchern zuletzt um 47 Prozent, nach Umsatz sogar um ganze 69 Prozent übertroffen, nachdem die Hürde schon am Wochenende zuvor um zwei bzw. 14 Prozent übersprungen war. Zum mittleren Ergebnis als entscheidenderer Benchmark fehlten aber noch 49 bzw. 40 Prozent.

Bevor es in den deutschen Kinos ab 1. Juli so richtig losgehen soll, stehen schon am 24. Juni noch eine Reihe hochkarätiger Neustarts an, darunter natürlich vor allem A Quiet Place 2", der in den USA als erster Pandemie-Start mehr als 100 Mio. Dollar einspielen konnte (mittlerweile hat auch Godzilla vs Kong" diese Hürde genommen).