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ARD und ZDF starten gemeinsames Streaming-Netzwerk

Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten präsentierten in einem Pressegespräch ihre Pläne zum Ausbau ihrer Mediatheken zu einem gemeinsamen Streaming-Netzwerk. Beide Mediatheken bleiben mit ihren Nutzeroberflächen erhalten, die Inhalte fließen zusammen.

21.06.2021 13:55 • von Frank Heine
SWR-Intendant Kai Gniffke, ZDF-Intendant Thomas Bellut und ARD-Vorsitzender Tom Buhrow (Bild: ZDF/Ralph Orlowski)

Den in großer Regelmäßigkeit und von vielen Seiten geäußerten Überlegungen und Vorschlägen zu einer gemeinsamen Mediathek von ARD und ZDF, begegnen die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten mit ihren am heutigen 21. Juni vorgestellten Plänen zu einem gemeinsames Streaming-Netzwerk. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow, ZDF-Intendant Thomas Bellut und SWR-Intendant Kai Gniffke präsentierten das Konzept in Mainz im Rahmen eines digitalen Pressegesprächs.

Die beiden Mediatheken bleiben mit ihren Nutzeroberflächen bestehen, die Userinnen und User finden aber künftig die Angebote der jeweils anderen Sendeanstalt. Durch ein übergreifendes Personalisierungs- und Empfehlungssystem werden Inhalte aus beiden Mediatheken passend zu den Interessen der Nutzer und Nutzerinnen angeboten. So stehen künftig Babylon Berlin" und Bad Banks", der "Tatort" und Wilsberg" oder die "heute show" und die "Carolin Kebekus Show" nebeneinander. Für die Umsetzung gibt es keinen Launch-Termin, sie wurde als fortlaufender, nicht endender Prozess beschrieben, der "mit dem heutigen Tag beginnt", wie es Thomas Bellut beschrieb. Der gemeinsame Inhalte-Katalog wird mit mehr als 250.000 Filmen, Dokumentationen, Satire- und Serienstoffen beziffert.

In dem Streaming-Netzwerk wird eine übergreifende Suchfunktion über beide Angebote eingebaut, wodurch die bessere Verlinkung sämtlicher Inhalte gewährleistet werden soll. Um die neuen Möglichkeiten wie etwa gemischte Playlisten zu nutzen, bedarf es keiner Regisitrierung.

Für den Aufbau des Streaming-Netzwerks sind ARD und ZDF eine umfangreiche technologische Partnerschaft eingegangen. Begünstigt wird die engere technische Zusammenarbeit durch den gemeinsamen Standort beider Mediatheken in Mainz. Von Anpassungen an der jeweiligen Benutzeroberfläche und am Design in einem "pragmatischen, schrittweisen Vorgehen" ist die Rede, aber ein Überbau als dritter Zugang ("Es gibt keine Suprastruktur"/Tom Buhrow) ist ebenso wenig geplant wie ein neues Logo. Auch im Bereich des Datenschutzes werden sich beide Mediatheken enger verzahnen. Künftig wird es nur noch ein gemeinsames Nutzerkonto pro Nutzer geben.

Das in den kommenden Jahren stufenweise aufgebaute Streaming-Netzwerk soll darüber hinaus weiteren öffentlich-rechtlichen Angeboten die Möglichkeit geben, sich zu beteiligen. Zuletzt hatten beide Mediatheken bereits die Inhalte des jungen Angebotes funk sowie von ARTE in ihre Mediatheken integriert. Mehr Inhalte, mehr Traffic, höhere Nutzungszahlen, lautet die simple Rechnung. Das habe sich zuletzt bei der Integration der ARTE-Inhalte bereits bestätigt, hob Thomas Bellut hervor.

Dass die enge Zusammenarbeit im Non-Linearen auch ein Vorbote für eine künftige, vereinzelt auch von politischer Seite befürwortete Zusammenlegung der beiden öffentlich-rechtlichen Sender sein könnte, stieß bei Gniffke, Buhrow und Bellut mit Verweis auf den Vielfalts- und den durch den Wettbewerb geförderten Qualitätsgedanken gleichermaßen auf vehementen Widerspruch.