Kino

Unsichere Zukunft für Filmpassage Osnabrück

Wenn der Großteil der Kinos am 1. Juli wieder öffnet, wird die Filmpassage Osnabrück nicht darunter sein. Dass die dortigen Leinwände bis auf Weiteres dunkel bleiben, führt das Betreiberehepaar Thies auf erhebliche Mängel der Immobilie zurück - und macht dem Vermieter harsche Vorwürfe. Im April war bereits das Aus für die Filmpassage Salzgitter bekannt geworden - und kürzlich machte Meinolf Thies seinem Ärger über ausbleibende Corona-Hilfen Luft.

18.06.2021 11:48 • von Marc Mensch
Anja und Meinolf Thies (Bild: Consulthies)

Nur zwei Wochen vor dem geplanten Neustart habe Geschäftsführerin Anja Thies der Belegschaft die leider "alternativlose" Entscheidung mitgeteilt: Die Filmpassage Osnabrück wird den Betrieb bis auf Weiteres nicht wieder aufnehmen, die neun Leinwände bleiben vorerst dunkel. Anja Thies sprach von einer "überaus tragischen" Entwicklung, laut Meinolf Thies sei der Moment gekommen, in dem "alles Reden und Schreiben" nichts mehr nutze, in dem "Fakten geschaffen" werden müssten.

Als Grund für die Entscheidung führen die Betreiber "gravierende Mängel in verschiedenen haustechnischen sowie auch den sicherheitsrelevanten Bereichen" an, die ersten Mängel - in einer Pressemitteilung werden sie ausdrücklich als zunächst noch nicht sicherheitsrelevante "tickende Zeitbomben" bezeichnet - habe man dem Gebäudeeigentümer bereits vor drei Jahren angezeigt. Die Hoffnung, dass der betriebliche Stillstand wegen Corona genutzt werde, um wenigstens die gravierendsten Punkte abzuarbeiten, habe sich nicht erfüllt.

Nicht genug damit, dass das Betreiberehepaar erklärt, aufgrund der Situation entschieden zu haben, den Mietvertrag für das Objekt nicht vorzeitig zu verlängern: Das Wording der Mitteilung - die man durchaus als Ultimatum an den Vermieter verstehen darf - schürt zumindest Zweifel an einer Zukunft für den Standort, ist doch unter anderem ausdrücklich von einer "zunächst" als nur temporär angekündigten Schließung die Rede, für die alleine schon die Mängel beim vorbeugenden Brandschutz ausreichen würden, wie es Meinolf Thies formuliert. Hinzu käme, dass auch die Anforderungen der aktuell geltenden Coronaschutzverordnung an funktionierende Lüftungsanlagen nicht erfüllt seien.

Während man dem Gebäudeeigentümer vorwirft, "höhere Investitionen rein taktisch vermeiden" zu wollen, beziffert man den potenziellen Investitionsbedarf alleine für die Filmpassage als Teil eines Gesamtkomplexes auf eine höhere sechsstellige Summe, so seien laut Anja Thies etwa die komplette Heizanlage, das Dach und neben der Lüftung auch die meisten Kälteanlagen betroffen. Tatsächlich habe man nach Angaben von Meinolf Thies auch "auf weiteren Spielfeldern" noch unterschiedliche Auffassungen als der Vermieter, dessen Herangehensweise man als "nicht weiter hinnehmbar" bezeichnet.

Erst im April war bekannt geworden, dass sich das Betreiberehepaar von der Filmpassage Salzgitter trennt (wir berichteten); die knappen Worte, mit denen die Entscheidung auf der Website des Kinos bekanntgegeben wurden, deuten ebenfalls auf Dissonanzen mit dem Gebäudeeigentümer hin. In einem Artikel im "Stern" wiederum hatte Meinolf Thies unlängst zudem ausführlich beklagt, welchen Schwierigkeiten sich das Ehepaar und Geschäftspartner Lutz Nennmann (diese betreiben in jeweils unterschiedlichen Konstellationen mehrere Kinos) bei der Erlangung staatlicher Corona-Hilfen gegenübersehen. Insbesondere die Frage, ob die antragstellenden Gesellschaften als "Verbund" zu betrachten seien oder nicht, stehe nach wie vor der Bewilligung und Auszahlung von Hilfen in Millionenhöhe im Weg.

Unterdessen adressiert man in der Mitteilung zum Schwebezustand in Osnabrück prophylaktisch auch etwaige Vermutungen, das Ehepaar habe am Betrieb der Filmpassage kein Interesse mehr, nachdem man im Dezember 2019 in Osnabrück die "Hall of Fame - Kino de Luxe" in den Räumlichkeiten des ehemaligen CineStar Osnabrück eröffnet hatte. Wer glaube, man wolle die Geschäfte bewusst nur in diesen Standort locken, irre "gewaltig" erklärt Anja Thies. So stünden ab Anfang Juli so viele Titel zur Verfügung, dass man gerne 16 Leinwände in der Stadt zu deren Auswertung genutzt hätte; zudem liege ihr die Filmpassage auch persönlich "sehr am Herzen".