Kino

Deutschland vor Inzidenz-Meilenstein

Während die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz auf 11,6 gesunken ist, liegt sie in nur noch einem einzigen deutschen Landkreis über 50. Damit steigt auch die Erwartung an die Politik, der massiven Entspannung des Infektionsgeschehens in den Verordnungen Rechnung zu tragen.

17.06.2021 13:07 • von Marc Mensch
Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nähert sich dem einstelligen Bereich (Bild: IMAGO/Rüdiger Wölk)

Das bayerische Schweinfurt hat zum heutigen Stichtag die traurige Ehre, der deutschlandweit einzige (Stadt-)Kreis zu sein, dessen Sieben-Tage-Inzidenz noch über der Schallmauer von 50 liegt. Immerhin ein Trost: Mit Straubing und Bayreuth hat der Freistaat auch zwei von zuletzt sechs Stadt- bzw. Landkreisen aufzuweisen, in denen über sieben Tage hinweg der magische Wert von 0,0 erreicht wurde. Bundesweit sank der Wert zuletzt auf nur noch 11,6 - nachdem er in der Vorwoche noch knapp unter 20 gelegen hatte.

Ein Umstand, auf den zahlreiche Verordnungen noch nicht ausreichend reagiert haben - so zumindest hört man es zunehmend aus Branchenkreisen. Erst gestern hatte die AG Kino-Gilde in einem Brandbrief an die Politik noch einmal nachdrücklich gefordert, "sinnvolle und verhältnismäßige" Maßnahmen umzusetzen - und das vor allem bundesweit.

Trotz zahlloser Appelle ist der Verordnungsdschungel hinsichtlich der Kinoöffnungen gegenüber dem Sommer 2020 nur noch sehr viel dichter geworden. Dass - wie vielfach beklagt - die Verordnungen selbst teilweise noch schwerer zu deuten sind als im vergangenen Jahr, ist sicherlich vor allem der gestiegenen Komplexität der Szenarien geschuldet, die nun abzudecken sind.

Immerhin: Nach derzeitigem Informationsstand ist der Verzehr im Kinosaal - dies eines der Hauptkriterien für eine wirtschaftlich tragbare Wiedereröffnung - mittlerweile in sämtlichen Bundesländern grundsätzlich gestattet, auch wenn teils (wie etwa derzeit in Bayern) dafür nur ein vorübergehendes Abnehmen der Maske im Saal vorgesehen ist.

Großer Streitpunkt sind die Mindestabstände - ein Thema, bei dem es ganz besondere länderspezifische Abweichungen gibt. So wurde etwa jüngst in Hessen klargestellt, dass dort auf eine Sperrung der "Diagonalplätze" verzichtet werden kann, dennoch bedeuten die aktuellen Regeln noch, dass etwa bei der Belegung von zwei Sitzen bis zu acht (jeweils zwei davor, dahinter und daneben) zu sperren sind. In Nordrhein-Westfalen wiederum bietet die aktuelle Verordnung für die landesweite "Inzidenzstufe 1" (Inzidenz von 35 oder weniger, in NRW lag sie zuletzt unter 15) zumindest schon einmal ein Wahlrecht: Mindestabstand oder Negativtestnachweis.

Bis Anfang Juli laufen etliche Verordnungen aus, mit weiteren Erleichterungen ist zu rechnen. Dennoch wird die Vorbereitung auf den bundesweiten Neustart durch den Flickenteppich an Regelungen (und evidente Regelungslücken für Niedrigstinzidenzszenarien) derzeit noch erheblich erschwert - man denke nur an das Thema Vorverkauf, der sich, soweit gestartet, natürlich noch an den geltenden Regeln orientieren muss.

Mahnende Worte kommen derzeit vor allem mit Blick auf die Situation in Großbritannien, wo die sogenannte Delta-Variante des Virus die Fallzahlen zuletzt wieder deutlich in die Höhe (auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von zuletzt rund 70) getrieben hat, obwohl dort fast 60 Prozent der Erwachsenen voll geimpft sind. Unlängst wurde deshalb die ursprünglich für 21. Juni vorgesehene, weitreichende Aufhebung der Corona-Maßnahmen in England um vier Wochen verschoben.