Kino

AG Kino fordert faire und realistische Öffnungsbedingungen für Kinos

Vor dem Hintergrund des derzeitigen "föderalen Flickenteppichs" hat die AG Kino an die Politik appelliert, bis zum 1. Juli verhältnismäßige, sinnvolle und bundesweit vergleichbare Auflagen für die Öffnungen von Kinos zu benennen.

16.06.2021 15:32 • von Jochen Müller
Christian Bräuer, Vorsitzender der AG Kino (Bild: AG Kino)

Zusammen mit anderen Kino- und Verleihverbänden hatte die AG Kino im Mai an die Bundesländer appelliert, zum 1. Juli bundesweite Öffnungen der Kinos unter wirtschaftlichen Bedingungen zu ermöglichen (wir berichteten). Bis heute, so heißt es in einer Mitteilung des Verbands, würden in den meisten Bundesländern "verbindliche Planungsparameter für die Kinos fehlen". Vielmehr sähen sich die Kinos mit einem "föderalen Flickenteppich von Auflagen konfrontiert". So seien Abstandsauflagen, Test- und Maskenpflicht, Lüftungsanlagen und Besucherobergrenzen überall unterschiedlich geregelt.

Diese "Regelungsflut" habe nach Ansicht der AG Kino "nur noch wenig mit Infektionsschutz zu tun, den alle Kinobetreiber*innen ausdrücklich befürworten" zu tun. Vielmehr handele es sich dabei um "willkürliche politische Momententscheidungen, die ein Engagement vorgaukeln sollen, zunehmend rechtlich fragwürdig sind und das verantwortliche Engagement der privatwirtschaftlichen Kulturanbieter gering schätzen".

"Die rasch gesunkenen Inzidenzen und die immer höhere Impfquote führen in vielen gesellschaftlichen Bereichen zu Lockerungen. Doch leider beobachten wir für die Kulturorte nach wie vor ein Zurückhalten, Aufschieben und Vertrösten der Politik", stellt der AG-Kino-Vorsitzende Christian Bräuer fest.

Exemplarisch nannte Bräuer die derzeit stattfindende Sommer-Berlinale, wo die Gäste jeden Abend in der Außengastronomie ohne Mund- und Nasenschutz zusammensitzen und sich unterhalten könnten "und dann fassungslos erfahren, dass sie für die Filmvorführung nun Tests benötigen, um zwei Stunden still nebeneinander sitzend und nach vorne schauend einen Film zu erleben."

"Wenn Maßnahmen unfair und für Menschen nicht mehr nachvollziehbar sind, fördern sie nicht die Akzeptanz für den nach wie vor wichtigen Infektionsschutz in der Bevölkerung", konstatiert der AG-Kino-Vorsitzende und appelliert daher an die Politik "Unser Appell geht daher an die Politik, jetzt Auflagen für die Kinos zum 1. Juli zu benennen, die verhältnismäßig, sinnvoll und bundesweit vergleichbar sind. Empirisch bewährt hat sich ein Abstand von einem freien Sitz zwischen Besuchergruppen ohne Maskenpflicht am Platz".

Die Kinos bräuchten wieder die Chance zu wirtschaften, stellt die AG Kino abschließend fest. Jetzt würde entschieden, ob Arbeitsplätze in der gesamten Filmwirtschaft entstehen oder dauerhaft verschwinden würden. Für das Publikum gebe es mit den seit fast acht Monaten ausstehenden Neustarts, den Berlinale-Beiträgen, den Filmen der gesamten Oscar-Saison sowie den Filmen des kommenden Festival de Cannes und zahlreichen Hollywood-Produktionen "ein außergewöhnlich vielfältiges Programm zu entdecken". "Die Zeit ist überreif, die Kultur wieder in den Vordergrund zu rücken", ist die AG Kino überzeugt.