Kino

Kino-Neustart: Fast 100 Häuser spielen schon

Im Vorfeld der bundesweiten Kinoöffnungen hat Comscore erstmals seit dem zweiten Lockdown wieder ein FilmSource-Reporting veröffentlicht, das den aktuellen Wasserstand bei der Rückkehr des Marktes mit interessanten Vergleichswerten skizziert.

14.06.2021 18:48 • von Marc Mensch
"Weißbier im Blut" war Toptitel am vergangenen Wochenende in den wiedereröffneten deutschen Kinos (Bild: Tobis)

23.285 Besucher lautete am vergangenen Wochenende jene Marke, die die bereits wiedereröffneten regulären Kinos hätten erreichen müssen, um wieder ein Ergebnis zu erzielen, das für sie auf dem niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre vor Corona - dem Wochenende vom 19. April 2018 - gelegen hätte. Wie Comscore bilanzierte, reichte es unter den gegebenen Umständen aber nur für 11.404 verkaufte und gemeldete Tickets, die untere Benchmark des Kino-Comebacks wurde von den spielenden Standorten damit einstweilen noch um 51 Prozent verpasst.

Ganz ähnlich natürlich das Bild beim Umsatz: 96.500 Euro wurden mit gemeldeten Ticketverkäufen eingespielt, 49 Prozent weniger als jene 189.700 Euro die das untere Ende der Vergleichsskala für jene 92 Häuser markieren, die den Spielbetrieb bereits wieder aufgenommen haben. Zu einem mittleren Wochenende (jenem vom 1. März 2018) fehlten jeweils ganze 86 Prozent. Zum Vergleich: Am letzten Wochenende vor dem zweiten Lockdown, als über 1000 Kinos geöffnet waren, lagen diese im Schnitt nur um 51 Prozent nach Besuchern unter ihrem "mittleren Ergebnis", ihr schlechtestes Vergleichswochenende hatten sie da um 83 Prozent übertroffen.

Rechnet man Autokinos und sonstige Open-Air-Kinos hinzu, wurden am vergangenen Wochenende 15.674 Besucher und 134.863 Euro Boxoffice gemeldet. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Ergebnis, das - bezogen auf den Gesamtmarkt - um 96 Prozent unterhalb der unteren Benchmark lag. Sondern auch um Zahlen, die Anfang des Monats schon besser ausgesehen hatten, obwohl 20 Standorte weniger geöffnet hatten. So ging es laut Comscore zwischen dem viertägigen Wochenende vom 3. Juni und jenem vom 10. Juni bei den Besuchern um 33,6 Prozent, beim Ticketumsatz um 30,6 Prozent zurück. Als mögliche Erklärung für den Rückgang führt Comscore den Start der Fußball-EM und die Tatsache an, dass das erste Juni-Wochenende noch im Zeichen der Pfingstferien in Bayern stand. Zudem hat sich das Wetter mittlerweile dramatisch verbessert

Im Gesamtjahr 2021 konnten mit 314.200 Besuchern bislang 2.496.186 Euro umgesetzt werden, was um jeweils knapp 99 Prozent unter den Werten von 2020 lag - die wiederum um jeweils rund 50 Prozent unter denen des letzten Jahres vor der Pandemie rangierten. Die Halbjahresbilanz 2021 wird selbstverständlich die bislang mit Abstand miserabelste - aber das war nun schon seit geraumer Zeit klar...

Die aktuelle Erhebung zeigt aber auch: Von einem wirklichen Mangel an Neustarts kann keine Rede sein. Denn obwohl die allerersten Kinos erst am 10. Mai öffnen durften (und das zunächst lediglich in Bayern), wurden von Comscore für 2021 bislang schon 44 Debütanten gezählt. Überdurchschnittlich großen Eindruck beim Publikum machte etwa "Demon Slayer - The Movie", der am vergangenen Wochenende mit knapp 1282 Besuchern zwar hinter Weißbier im Blut" und dessen 2081 verkauften Tickets (insgesamt schon 6610) rangierte, für den seit dem Lockdown aber immerhin schon über 10.000 Tickets verkauft wurden. Für etwas mehr als halb so viele (5197) reichte es laut Comscore bei Raya und der letzte Drache", der am vergangenen Wochenende von weiteren 1204 Besuchern gesehen wurde. Bester Neustart war da der Horrorfilm What Lies Below" mit 1150 Besuchern, der dank höherer Ticketpreise auf Platz 3 im Gesamtranking landete. Die Top 5 beschloss Cruella" mit 771 Besuchern.

Wie anders das Bild schon kurz nach einem koordinierten Neustart aussehen kann - und das trotz massiver Restriktionen - zeigen die Niederlande. Dort sind laut Comscore mit 193 wiedereröffneten Kinos 83 Prozent der Häuser wieder am Start. Ihnen bescherte das zweite Juni-Wochenende 179.907 Besucher und 1.786.562 Euro Boxoffice. Werte, die deren schwächstes Vergleichswochenende bereits um zwei bzw. sogar um 14 Prozent übertrafen, zum "mittleren Ergebnis" fehlten aber noch 64 Prozent an verkauften Tickets.

Auch Österreich, wo zwar ein bundesweiten Öffnungstermin gesetzt war, dem aber bislang nur 50 Prozent der Häuser folgten, stand am vergangenen Wochenende besser da als Deutschland. Von ihrem schwächsten Wochenende (hier ist es der 5. Juni 2015) waren die wiedereröffneten Kinos 39 Prozent entfernt, vom mittleren gut 80.

Kommenden Donnerstag greift unter anderem die erste große Kette ins Geschehen ein - dann öffnet UCI bundesweit.