Kino

REVIEW KINO: "Godzilla vs. Kong"

Das Kino ist auch in Deutschland zurück - und das brachiale Monster-Gipfeltreffen "Godzilla vs. Kong", das schon in den USA wie ein Defibrillator für das Branchenherz wirkte, steht pünktlich zum präferierten Comeback-Termin der meisten Betreiber bereit. Unsere Einschätzung lesen Sie hier.

11.06.2021 07:56 • von Marc Mensch
Noch mehr Spektakel als in den Vorgängern: "Godzilla vs. Kong" (Bild: Warner)

Treffen sich zwei Jäger. Beide tot. Gut, ganz so einfach geht es in "Godzilla vs Kong" dann doch nicht zur Sache, auch wenn der Titel keinerlei leere Versprechungen macht - und sich das Drumherum beinahe so überschaubar wie nur irgend möglich gestaltet...

Aber zunächst ein Blick zurück: Denn "Godzilla vs. Kong" ist nicht irgendein Film. Sondern der Film, der mit solcher Wucht in den USA einschlug, dass selbst die größten Schwarzseher eingestehen mussten, dass das Kino am Ende ja vielleicht doch keinen vorzeitigen Pandemie-Tod wird sterben müssen. Fast 50 Mio. Dollar räumte das brachiale Detonationsfest alleine am Startwochenende im Heimatmarkt ab. Trotz zeitgleicher Verfügbarkeit auf HBO Max. Und trotz erheblicher Restriktionen in jenen Kinos, die überhaupt geöffnet waren. Mittlerweile steht ein US-Einspiel nur knapp unter jenem des direkten Vorgängers zu Buche, weltweit ist Godzilla II: King of the Monsters" sogar schon jetzt um mehr als 50 Mio. Dollar überholt.

Einspielergebnisse, die nicht von ungefähr kommen. Denn dieser Monster-Showdown ist im wahrsten Sinne des Wortes leinwandfüllend, überbordend, exzessiv, laut, lauter, am lautesten. Oder anders gesagt: Eskapismus in Reinkultur, ein Trip fernab jeglicher Schwermut und Pandemiesorgen, ein quietschvergnügtes, extrem temporeiches und auf jegliche unnötige Logik pfeifendes Popcornvergnügen, das den Autor nach über sieben Monaten der Kinoabstinenz förmlich in die Leinwand zog.

Ja, die Menschen (und insbesondere die Männer) mögen in diesem Film noch viel deutlicher als im Vorgänger wenig mehr als Staffage sein; sie sind primär Mittel zum Zweck, dienen im Prinzip vor allem dazu, die beiden Widersacher an immer neue Orte zu führen, die schon zur Filmmitte in einem Szenario gipfeln, das man vielleicht am besten mit der Interpretation von Jules-Verne-Romanen durch einen Zwölfjährigen beschreibt, dem dazu ein volles Regal eines Spielzeug-Großhandels zur Verfügung steht.

Aber auf sie kommt es ohnehin kaum an. Nicht einmal für den emotionalen Unterbau, für den vielmehr ein schon in den ersten Minuten mit unverkennbar menschlichen Zügen ausstaffierter Riesengorilla und die beeindruckende Tricktechnik zuständig sind. Verschwiegen sei nicht, dass am Ende natürlich mehr hinter dem Aufeinandertreffen der zwei Kult-Kreaturen steckt, als "nur" der Zweikampf um den Titel des Königs der Monster. Und wenngleich der eigentliche, aus dem großen Erbe der Toho-Klassiker schöpfende Kniff des Films im Marketing zumindest angedeutet war, wurde davon erfreulich wenig vorab preisgegeben. Denn natürlich ist das wahre Monster am Ende: der Mensch.