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REVIEW STREAMING: "Loki"

Einmal schlafen noch, dann startet auf Disney+ mit "Loki" bereits die dritte große Marvel-Serie in diesem Jahr. Was man von der sechsteiligen Show mit Tom Hiddleston in der Titelrolle und Owen Wilson erwarten kann, lesen Sie in unserer Besprechung.

08.06.2021 21:07 • von Thomas Schultze
Endlich im Mittelpunkt: Tom Hiddleston brilliert als "Loki" (Bild: Disney)

Einmal schlafen noch, dann startet auf Disney+ mit Loki" bereits die dritte große Marvel-Serie in diesem Jahr. Was man von der sechsteiligen Show mit Tom Hiddleston in der Titelrolle und Owen Wilson erwarten kann, lesen Sie in unserer Besprechung.

Nach der im Februar gestarteten WandaVision" und der im April folgenden Falcon and the Winter Soldier" ist "Loki" nunmehr die dritte jeweils sechsteilige Marvel-Serie aus dem Universum der Avengers für Disney+ binnen eines halben Jahres, wie gewohnt klug gestaffelt und komponiert zur Entfaltung maximaler Wirkung. Oder kurz gesagt: Die zwei für die Presse zur Besprechung freigeschalteten Episoden geben Anlass zur Behauptung, dass die Solo-Abenteuer des bösen Bruders von Thor der bisherige Paukenschlag sind unter den Serienbemühungen des erfolgreichsten Produktionshauses der letzten 15 Jahre. Was natürlich auch mit der Hauptfigur zu tun hat: Die zwiespältigen Figuren sind immer die spannenderen, der Drahtseilakt zwischen guten und bösen Impulsen Grundlage für packendes Drama: Wird sich der Antiheld für das Richtige entscheiden, hat er seine Lektionen gelernt, wird er wieder der dunklen Seite der Macht erliegen?

Seit seinem ersten Filmauftritt in Thor" im Jahr 2011 hat Loki seiner Berufung als Gott des Schabernacks alle Ehre gemacht. Er wurde im Verlauf der Filme vom Hulk vermöbelt, unterwarf sich Superbösewicht Thanos, schlug sich auf die Seite der Avengers und wurde schließlich, als er hoffte, Thanos täuschen zu können, kurzerhand entsorgt. Nur um sich in Avengers: Endgame" in einer divergierenden Zeitlinie mit dem Tesseract vom Staub machen zu können, wo er doch eigentlich in Gefangenschaft hätte geraten müssen. Womit wir bei "Loki" angekommen sind, hauptverantwortlich geschrieben von "Rick & Morty"-Macher Michael Waldron und inszeniert von Sex Education"-Regisseurin Kate Herron. Mit der erhofften neu gewonnenen Freiheit ist jedenfalls gleich zu Beginn Essig: Weil sich Loki durch sein Verschwinden eines Vergehens gegen die heilige Zeitordnung schuldig gemacht hat, wird er von der TVA - Time Variance Agency - in Gewahrsam genommen, wo man sich sogenannter Variants annimmt und kurzen Prozess mit ihnen macht. Weil der TVA-Agent Mobius sich von dem Neuankömmling in den kafkaesken Hallen seiner Organisation Unterstützung bei der Lösung eines besonderen Falles von Zeitdiebstahl erhofft, bleibt er vor Schlimmerem verschont.

Die erste Folge gönnt sich viel Zeit für die Gespräche zwischen Loki und Mobius, die nicht zuletzt dadurch gewinnen, dass Mobius von Owen Wilson gespielt wird, dessen zurückgelehnte, durch und durch kalifornische Lakonie sich wunderbar verträgt mit dem köstlich aufgeblasenen erzenglischen Vortrag von Tom Hiddleston, der seinen Loki längst im Schlaf spielen könnte und doch nie auf Autopilot schaltet. Und während man sich noch fragt, ob nicht auch irgendwann etwas mehr passiert als eine Huldigung filmischer Welten, wie sie einst Terry Gilliam erschaffen hat, an dessen Time Bandits" und Brazil" man sich wiederholt erinnert fühlt, ziehen Tempo und Spektakel in der zweiten Folge deutlich an, wenn das Palaver beendet und zur Tat geschritten wird. Man kann sich vorstellen, dass sich das Geschehen noch weiter steigern wird. Ähnlich war man bei Marvel schon bei "WandaVision" und "Falcon and the Winter Soldier" verfahren. Nach behutsamem, beinahe schaumgebremstem Auftakt wird zunehmend an allen Stellschrauben gedreht, um dann dramatisch und thematisch aus allen Rohren feuern zu können.

Nichteingeweihte werden sich vielleicht etwas schwertun, sich in diesem hochkomplexen Handlungskonstrukt zurechtzufinden, aber man tastet sich rein gemeinsam mit Loki, der sich mit einer Situation und daraus resultierenden Entscheidungen konfrontiert sieht, die an den Grundfesten seiner grundsätzlich eher verkommenen Überzeugungen rütteln. Inwiefern die Serie Antworten auf offene Fragen aus dem MCU geben wird oder ob man mehr Grundlegendes über das Multiverse erfährt, das im Mittelpunkt des zweiten Doctor Strange"-Films stehen soll, der ebenfalls von Michael Waldron geschrieben wurde und nach dem Ausscheiden von Scott Derrickson nunmehr von Sam Raimi inszeniert wird, wird sich in den weiteren Folgen zeigen.

Thomas Schultze