Kino

KOMMENTAR: Back to Business!

Das Boxoffice in US-Kinos vom letzten Wochenende lässt die schönsten Hoffnungen auf ein generelles Comeback des Kinos keimen und gibt erste Aufschlüsse, wie sich die Welt der Filmauswertung in der Pandemie verändert hat.

03.06.2021 07:44 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Das Boxoffice in US-Kinos vom letzten Wochenende lässt die schönsten Hoffnungen auf ein generelles Comeback des Kinos keimen und gibt erste Aufschlüsse, wie sich die Welt der Filmauswertung in der Pandemie verändert hat. A Quiet Place 2", als Horrorthriller so clever und effektvoll inszeniert wie Teil eins, hat an drei Tagen mit knapp 50 Mio. Dollar nicht nur das beste Wochenendergebnis seit Beginn der Pandemie vor 14 Monaten geschrieben, sondern fast dieselben Zahlen wie Teil eins vor drei Jahren. Und das, obwohl auch die Kinos in den USA mit Zugangsbeschränkungen zu kämpfen haben.

Der Film wird wohl nur 45 Tage exklusiv auf der großen Leinwand zu sehen sein, und trotzdem wurden die Kinos gestürmt. Schon in drei Wochen können ihn auch deutsche Kinos zeigen, die dann bereits geöffnet haben. Dass auch das hiesige Publikum nach gemeinsamen Erlebnissen hungert, zeigt allein der Blick aus meinem (Home)Officefenster in der Münchner Innenstadt, wo Menschentrauben Restaurants belagern, um einen Platz zu ergattern. Noch bis tief in die Nacht ballen sie sich auf öffentlichen Plätzen, um nicht in die Abgeschiedenheit ihrer Wohnung zurückkehren zu müssen, wo ihr Streamingabo auf sie wartet, um ihnen mit der x-ten Serie den ausklingenden Lockdown zu versüßen.

Aber wieviele davon kann man eigentlich noch sehen? Nun haben US-Kinobetreiber seit Jahren Boxoffice-Rekorde mit einem Window von drei Monaten geschrieben und brauchten dafür nicht sechs wie hierzulande. Es sieht so aus, als hätten sich alle US-Ketten längst mit den Studios geeinigt und dafür ein deutliches Entgegenkommen bei den Konditionen erfahren. Dass die Studios auch in Zukunft auf die Kinos setzen, zeigt ihre vollständige Präsenz bei der kommenden CinemaCon in Las Vegas. Mag sein, dass sich nach dem ersten Ansturm die Kinobegeisterung auf einem neuen Niveau einpendelt, denn noch sind US-Startergebnisse von über 100 Mio. Dollar Zukunftsmusik.

Wahrscheinlicher ist es, dass das Kino seinen Platz auch im digitalen Medienumfeld behauptet. Auf Platz zwei der US-Charts ist Cruella", ein stylisches Prequel zu "101 Dalmatiner", das parallel für 30 Dollar auf Disney+ zu sehen war, mit dem halben Boxoffice von Platz Eins gelandet, womöglich ein erster Hinweis, wie sich die gleichzeitige Verfügbarkeit auswirken könnte. Dabei gilt es festzustellen, dass Filme wie Raya und der letzte Drache" oder Godzilla vs Kong", die längst im Kino und auf Streamingplattformen laufen, zu den bestbesuchten Filmen nach der Pandemie zählen und immer noch ein großes Publikum ziehen. Eine positive Erfahrung, die jetzt auch die Kinobetreiber machen, die von Tag Eins an, als es möglich war, um ihr Publikum kämpfen. Das Cinecittà in Nürnberg war immer schon ein Leuchtturm und Vorreiter unter den Kinos. Was dort gelingt, sollte auch an anderen Standorten möglich sein.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur