Produktion

David Lowery über "The Green Knight": "Mehr Zeit dank Corona"

Endlich ist auch der deutsche Trailer von "The Green Knight" veröffentlicht worden. Wir unterhielten uns mit Regisseur David Lowery über seinen ungewöhnlichen Fantasyfilm und erfuhren, warum er froh darüber ist, dass sich der ursprünglich anvisierte Starttermin vor exakt einem Jahr wegen Corona verzögerte.

31.05.2021 10:23 • von Thomas Schultze
Ein edler Ritter auf der Suche: Dev Patel in "The Green Knight" (Bild: Telepool)

Endlich ist der deutsche Trailer von The Green Knight" mit Dev Patel und Alicia Vikander in den Hauptrollen veröffentlicht worden. Wir unterhielten uns mit Regisseur David Lowery (Elliot, der Drache", "Ein Gauner & Gentleman") über seinen ungewöhnlichen Fantasyfilm reden und erfuhren, warum er froh darüber ist, dass sich der ursprünglich anvisierte Starttermin vor exakt einem Jahr wegen Corona verzögerte. Die Produktion von A24 wird in Deutschland von Telepool im Vertrieb von 24 Bilder am 29. Juli im Kino gestartet.

Ursprünglich hatte "The Green Knight" vor beinahe exakt einem Jahr, am 29. Mai, in die Kinos kommen sollen. Covid-19 hat das zunichte gemacht. Wie gehen Sie damit um, dass der Film so lange in der Warteschleife war?

DAVID LOWERY: Ich bin wirklich dankbar, dass wir diese Pufferzeit hatten. Natürlich wünsche ich niemandem eine globale Pandemie. Aber in meinem Fall muss ich sagen, dass ich die Freiheit sehr genoss, mir etwas mehr Zeit mit dem Film nehmen zu können. Sicher hätten wir den ursprünglichen Termin einhalten können. Aber als es im März 2020 zum ersten Lockdown kam, war die Arbeit an "The Green Knight" noch nicht abgeschlossen. Ich war allein daheim, in Isolation, und konnte weiterfeilen. Das war eine großartige Ablenkung von all den wenig erfreulichen Dingen, die sich auf der Welt abspielten. Wenn man schon über sonst nichts Kontrolle hat, ist es doch sehr gut für den eigenen Gemütszustand, dass da etwas ist, was komplett in den eigenen Händen liegt.

Wann haben Sie die Arbeiten abgeschlossen?

DAVID LOWERY: Das war im Oktober. Es ist also nicht ganz so lange her, zumindest fühlt es sich nicht so an. Aber klar, komisch ist der Gedanke schon, dass der Film längst ausgewertet wäre, sein Publikum gefunden hätte oder nicht und man längst mitten im Projekt stecken würde, wenn es Corona nicht gegeben hätte. Aktuell befinde ich mich in dieser eigenartigen Zwischenwelt: Der Film ist fertig, ich habe mit ihm abgeschlossen, aber noch niemand hat ihn gesehen.

Und er startet jetzt in einer völlig anderen Welt. Denken Sie, dass man den Film jetzt anders erleben wird, als wenn er vor einem Jahr ohne Pandemie in die Kinos gekommen wäre?

DAVID LOWERY: Ich glaube nicht. Einfach weil es sich um eine Geschichte handelt, die auf einem sehr alten Text beruht, der in den vergangenen 700 Jahren immer wieder neu erzählt wurde. Es ist ein Gedicht aus dem 14. Jahrhundert, und wir halten uns sehr eng an den Originaltext. Wenn man dieses Gedicht liest, dann fühlt es sich verblüffend modern an. Es ist nicht gealtert. Der Text selbst ist immer noch relevant, ein Evergreen, wenn man so will. Das hat mich ursprünglich gereizt. Dieses Gedicht hat alles überlebt. Es hat die Pest überdauert, die Cholera, die Spanische Gruppe, alle großen Kriege inklusive der zwei Weltkriege. Auch Covid-19 wird es überleben. Es ist eine ziemlich robuste Geschichte, die etwas sehr Grundsätzliches und Universelles über uns Menschen und unser Streben erzählt.

Und Sie wollten einen modernen Film daraus machen?

DAVID LOWERY: Die Herausforderung für mich war, dem Originaltext gerecht zu werden. Er war mein Leuchtturm. Aber gleichzeitig wollte ich die Motive so herausarbeiten, dass man ganz unmittelbar davon angesprochen wird. Obwohl das Gedicht sehr modern ist, ist es auch mit Themen befasst, die einem heute vielleicht eher archaisch oder obskur vorkommen. Ritterlichkeit bedeutet heute etwas anderes als zu Zeiten der Tafelrunde. Das war vertrackt, es machte aber auch viel Spaß, genau all das aus dem Gedicht herauszuholen, was uns betrifft. Es ist ein ungemein dichter Text, es steckt wahnsinnig viel drin. Und nicht zuletzt ist es ziemlich schräg, manchmal schrecklich, manchmal romantisch, manchmal sehr komisch. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es unmöglich sein würde, es in seiner Gänze adaptieren zu können. Man könnte drei Filme daraus machen und man hätte immer noch nur gerade einmal die Oberfläche angekratzt. Ich musste eine Auswahl treffen, ohne die Tiefe des Texts aufzugeben.

Wie gingen Sie vor?

DAVID LOWERY: Die erste Fassung des Drehbuchs schrieb ich, während ich das Gedicht noch einmal neu las, das ich seit meiner Zeit im College nicht mehr angefasst hatte. Wenn ich ein paar Seiten gelesen hatte, machte ich mit dem Drehbuch weiter. Das Gedicht ist nicht so erschütternd lang, also ging das recht zügig. Ich hatte also eine Grundlage, mit der sich gut arbeiten ließ. Ich nahm mir noch einmal eine Woche Zeit, um daran zu feilen. Mit dieser Fassung machte ich mich dann auf die Suche nach Mitstreitern.

Sie hatten das Drehbuch also nur zum Spaß geschrieben?

DAVID LOWERY: Es war im Grunde nur eine Übung. Dass es tatsächlich ein Film werden könnte, hätte ich niemals gedacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich ein Finanzier für den Stoff finden würde. Es ist wirklich ein ziemlich eigenartiger Stoff - einerseits ein großes Epos, andererseits aber auch eine sehr intime Geschichte. Es war mir bewusst, dass ich, wenn sich Interessenten fänden, vielleicht das Budget für die intime Geschichte haben würde, man damit aber auch die epischen Elemente realisieren müsste.

Wie niedrig war das Budget denn?

DAVID LOWERY: Lassen Sie mich es so sagen: Mit unserem Budget könnte sich der Film für die Independent Spirit Awards qualifizieren.

Dem Trailer sieht man das nicht an.

DAVID LOWERY: Wir haben in Irland gedreht, wo auch Game of Thrones" gedreht worden war. Mitglieder der Crew hatten auch an der letzten Staffel von "Game of Thrones" gearbeitet. Unser Budget war niedriger als das einer Episode dieser letzten Staffel. Man darf sich nicht einschüchtern lassen. Wir wollten einen epischen Film machen, in dem nur die Welt an sich groß ist, denn der Fokus selbst ist sehr eng: die Geschichte eines Mannes, der sich auf eine Reise begibt, um herauszufinden, wer er ist. Es gibt Action, Spektakel und Spezialeffekte, aber es ist auch ein sehr ruhiger Film, gar nicht einmal so entschieden anders als "A Ghost Story".

Ihr nächster Film ist vermutlich deutlich größer. Sie drehen für Disney eine Realfilmfassung von "Peter Pan & Wendy".

DAVID LOWERY: Wir stecken mitten im Dreh, sind etwa zur Hälfte fertig. Ich arbeite tatsächlich wieder mit vielen Mitgliedern der Crew von "The Green Knight". Und ja, der Film ist, wie man sich denken kann, viel größer und aufwändiger. Manchmal stecken wir die Köpfe zusammen und wünschten uns insgeheim, wir hätten nur annähernd so viele Ressourcen zur Verfügung gehabt, als wir "The Green Knight" machten.

Das Gespräch führte Thomas Schultze.