Kino

US-Videomarkt Q1: Plus zehn Prozent

Der US-Videomarkt legte im ersten Quartal auf 7,7 Mrd. Dollar zu. Doch jenseits des Segments Subscription Streaming ging es in allen anderen Bereichen bergab.

31.05.2021 10:28 • von Jörg Rumbucher
Zu den Erfolgstiteln im ersten Quartal zählt auch "Wonder Woman 1984", aber die PVoD-Ergebnisse für ihn und andere Filme werden nicht ausgewiesen (Bild: Warner)

Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte der US-Videomarkt im ersten Quartal 2021 um 10,06 Prozent zu. Die Umsätze der Einzelsegmente SVoD, EST, TVoD und DVD/Blu-ray (Kauf & Leih) addierten sich im Berichtzeitraum laut Digital Entertainment Group (DEG) auf 7,77 Mrd. Dollar (Q1 2020: 7,06 Mrd. Dollar). Soweit, so gut - oder doch nicht? Gegenüber dem vierten Quartal 2020 gab der US-Videomarkt nämlich nach, wenn auch nur um geringfügige 0,22 Prozent. Dass er sich in einer permanenten Aufwärtsentwicklung befindet, lässt sich also nicht behaupten. Das Zehn-Prozent-Wachstum ist insofern erklärungsbedürftig, weil es im Wesentlichen auf einer einzigen Distributionsart basiert. Denn mit dem digitalen Teilsegment SVoD wurden im Berichtszeitraum 5,94 Mrd. Dollar erwirtschaftet, was einem satten Plus von 27,18 Prozent entspricht, wohlgemerkt gegenüber Q1 2020, nicht Q4 2020. Dass die Steigerungsrate über alle Vermarktungssegmente hinweg ausschließlich auf Subscription Streaming zurückzuführen ist, zeigen die Minuswerte aller anderen Bereiche: So gingen die Ausgaben von US-Konsument*innen für Kaufdownloads (EST) von 749 auf 616 Mio. Dollar zurück, was einem Rückgang von 17,8 Prozent entspricht. Noch schlechter sieht es für den Bereich digitaler Verleih, also TVoD, aus: Die Einnahmen sackten auf 494 Mio. Dollar ab, nachdem im Vorjahresquartal noch 674 Mio. Dollar generiert worden waren. Ein Minus von 26,7 Prozent! Die Ursachenforschung dürfte relativ einfach sein:

Dass durch den Corona-Ausbruch verursachte Stay-Home-Verhalten in 2020 hatte zu einem überdurchschnittlichen Aufschwung im digitalen Transaktionsmarkt geführt, der sich mittlerweile wieder auf Normalmaß eingependelt hat. Allerdings ist die Berechnungsgrundlage defizitär, da nach wie vor die Umsatz-Ergebnisse von Filmen als Premium Video-on-Demand nicht in der Branchenberichterstattung der DEG enthalten sind. Der Verband spricht zwar von einem großen Interesse an PVoD-Titeln wie "Wonder Woman 1984", "Greenland", "Die Croods - Alles auf Anfang" oder auch an dem Western "Neues aus der Welt", an dem Netflix keine Rechte für USA/Kanada erwerben konnte. Doch auf welchem Niveau bleibt bis auf weiteres offen. Die Minuszeichen bei EST und TVoD begründet die DEG nicht, gibt jedoch indirekt einen Hinweis, woran es gelegen haben könnte. Demnach hätten Verbraucher*innen ihre Ausgaben im ersten Quartal auf Katalogtitel verlagert: Ihr Anteil habe 76 Prozent der digitalen Transaktionsausgaben ausgemacht; mehr als eine Verdoppelung gegenüber Q1 2020. Absolut seien mit älteren Titeln 608 Mio. Dollar umgesetzt worden. Als Beispiele führt der Verband "Harry Potter"-Inhalte, "The Wolf of Wall Street" und "Spider-Man: Homecoming´" an. "Kauffreudig" seien Konsument*innen auch beim Herunterladen von TV-Inhalten wie "Yellowstone", "The Office", "The Big Bang Theory" gewesen: Im EST-Bereich seien mit ihnen 215 Mio. Dollar erwirtschaftet worden. Vielleicht ist die einfache Erklärung für rückläufige EST/TVoD-Ergebnisse also, dass es zu wenige Neuheiten gab. Und wenn doch, wurden sie - siehe oben - teilweise in die PVoD-Vermarktung geschickt.

Keiner tiefgründigen Analyse bedarf die Aufwärtsentwicklung beim Abonnement-Streaming: Neue, bzw. rebrandete Services wie Discovery+ (seit 4. Januar) und Paramount+ (seit 4. März) erweiterten für Endverbraucher*innen Angebot und Auswahl. Dass Player wie Netflix im ersten Quartal nur 450.000 Nettoneukund*innen gewann, war allenfalls ein Dämpfer für den Vorzeige-Streamer, nicht für das Geschäftsmodell SVoD an sich. So kommt es, dass 76,5 Prozent der gesamten Home Entertainment-Ausgaben auf die inzwischen zahlreichen Abo-Dienste entfielen. Die gesamte Digitaldistribution steht sogar für 90,8 Prozent aller Einnahmen (absolut: 7,056 Mrd. Dollar). Was natürlich auch mit weiter sinkenden Umsätzen im DVD/Blu-ray-Geschäft zu tun hat: Im Jahresvergleich fielen die Ausgaben für Sell-Thru-Produkte von 637 auf 479 Mio. Dollar (minus 24,85 Prozent). Rechnet man noch die Rental-Umsätze hinzu, wurden im ersten Quartal 715 Mio. Dollar für DVDs und Blu-rays ausgegeben. Wovon übrigens, eine Art Info-Scherz, den sich US-Kolleg*innen gelegentlich gönnen, vierteljährlich etwa 50 Mio. Dollar ausgerechnet auf Netflix entfallen. Dies deswegen, weil der Streamer im Gesamtjahr 2020 noch 200 Mio. Dollar mit seinem DVD-Postverleih erwirtschaftete. Darüber hinaus werden im physischen Verleih noch messbare Umsätze über das Unternehmen Redbox generiert, das landesweit Automatenkioske betreibt. Im Berichtszeitraum wurden 236 Mio. Dollar (minus 27,3 Prozent) im Rental-Segment umgesetzt. Inklusive TVoD stand der gesamte Verleih für eine Umsatzhöhe von 729 Mio. Dollar. Kaufdownloads plus physischer Verkauf kam auf 1,09 Mrd. Dollar. Was auch bedeutet: Der gesamte transaktionale Home Entertainment-Umsatz belief sich in Q1 auf rund 1,83 Mrd. Dollar. Diese Zahl zeigt, dass es aus Industriesicht nicht vergebens ist, jenseits des SVoD-Booms nach wie vor auf die transaktionale Vermarktung zu setzen. Das wiederum macht deutlich, weshalb die DEG stets die Bedeutung der Einzel-Distribution hervorhebt. Und weshalb deren Schwesterorganisation Digital Entertainemt Group International hilfreich zur Seite stand, als in Deutschland kürzlich erstmals die "Mega Movie Week" zur Förderung der EST-Vermarktung auf deutschen VoD-Plattformen ausgerufen wurde.