Kino

"Zusammenstehen und Kräfte bündeln"

In ihrer Eröffnungsrede zum virtuellen Filmtheaterkongress trat Christine Berg vor allem für ein gemeinschaftliches Auftreten der Kinos ein. Nach den 14 schwierigsten Monaten in der Geschichte der Filmtheater liege noch eine nicht ganz einfache Zeit vor der Branche - den Herausforderungen könne das Kino jedoch selbstbewusst begegnen.

18.05.2021 11:45 • von Marc Mensch
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: Mike Auerbach)

Auch wenn man sich noch Ende des vergangenen Jahres womöglich einen rascheren Ausweg aus der Pandemie erhofft hatte, auch wenn bereits mehr als die Hälfte des zweiten Quartals dieses Jahres ohne größere Öffnungsschritte hinter der Branche liegt: Der virtuelle Kongress Kino 2021 Digital fällt durchaus in eine Zeit der Hoffnung, was die Rückkehr des Leinwanderlebnisses anbelangt. Eine Rückkehr, die gleichwohl veränderte Bedingungen mit sich bringen wird. Nicht zuletzt die Auswertungsfenster stehen massiv in der Diskussion - und das beileibe nicht nur bei den Majors. Denn selbstverständlich werden sich andere Verleiher am Vorgehen der Studios orientieren, das wurde schon zum Auftakt des Kongresses klar. Was keineswegs als Absage an exklusive Auswertungsfenster zu verstehen ist. Aber sechs bis acht Wochen sind eine Größe, die zumindest im Raum stehen. Nicht umsonst lag der Fokus der Rede, mit der die HDF-Vorstandsvorsitzende Christine Berg den Kongress eröffnete, auf der Notwendigkeit des Dialogs, der Partnerschaft und des gemeinsamen Eintretens für die Interessen der Kinos.

Hinter diesen lägen die 14 schwierigsten Monate in ihrer 126jährigen Geschichte. Monate zwischen Hoffen und Bangen. Monate, in denen bisweilen die Befürchtung aufkam, die Kinos könnten es am Ende doch nicht schaffen. Eine Befürchtung, zu der zunächst holprige Hilfen ebenso ihren Teil beitrugen wie die Tatsache, dass selbst bewährte Hygienekonzepte nicht wahrgenommen würden. Doch die Betreiber seien der Situation mit Stärke und Willenskraft begegnet - in einem Ausmaß, das auch Christine Berg (wie unlängst schon AMC-CEO Adam Aron) dazu bewog, Winston Churchill zu zitieren: "Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wurde!" Die Betreiber beherrschten diese Kunst.

"Ich glaube fest an die Zukunft des Kinos und ich weiß, wir werden uns unser Publikum wieder zurückerobern!", so Berg. Gleichwohl wisse sie aber auch, dass die nächste Zeit nicht einfach werde. Man werde mit eingeschränkten Kapazitäten beginnen müssen (ein Umstand, der durch einen bundeseinheitlichen Öffnungstermin unter wirtschaftlichen Bedingungen allerdings bestmöglich abgefedert werden soll), mit weniger Besuchern. Gleichzeitig müsse man klar sehen, welch festen Platz die Streamingdienste im Leben der Menschen eingenommen hätten. Sie seien "starke Konkurrenten", wenn es darum gehe, das Publikum zu erobern. Konkurrenten, die zu allem Überfluss vieles könnten, was das Kino nicht könne - vor allem den Zuschauer entscheiden zu lassen, was er wann sehe. Doch nicht genug damit, dass man von ihrem Vorbild - insbesondere hinsichtlich der digitalen Kundenansprache - lernen könne und auch bereits gelernt habe. Denn eines könnten die Streamingplattformen nie: Kino sein. Kino sei "stark und einzigartig", man sei die "Lokomotive für den Film" - wirtschaftlich und kulturell. Dementsprechend sei man aufgerufen, als starker Partner aufzutreten, das Gespräch zu suchen - um den Kuchen gemeinsam größer zu machen. Generell gelte gerade auch mit Blick auf die Verleiher: Man glaube an den Dialog und die Partnerschaft - auch wenn diese "gemeinsam erstritten" werden müsse.

"Zusammen sind wir stark!", so das Credo von Berg, die zwar einerseits die Vielfalt des HDF mit seinen rund 600 Mitgliedern und den vom Verband vertretenen Häusern aller Größen und Lagen hervorhob, die aber auch betonte, dass diese Vielfalt "wenig wert" sei, "wenn wir nicht zusammenstehen und unsere Kräfte bündeln". Einzelinteressen werde es immer geben, diese dürften aber nicht davon abhalten, nach Außen ein gemeinsames Bild zu liefern. Die HDF-Mitglieder hätten sich vor einem Monat für einen starken Verband entschieden - diese gelte es zu nutzen. Ziel sei es indes, Partner zu finden, nicht Feinde zu suchen. In diesem Sinne sprach sich Berg dafür aus, den weg mit Neugier für das Neue zu gehen - daran werde man am Ende mehr Freude haben, als man geglaubt habe.