Kino

"Die Zeichen stehen auf Aufbruch"

Auch wenn Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Auftakte des Kongresses Kino 2021 Digital bundesweite Kinoöffnungen unter Normalbedingungen noch als ein wenig "Zukunftsmusik" bezeichnete, wird die Perspektive klarer. In diesem Zusammenhang sicherte sie zu, sich für einen bundesweiten Startschuss für das Kino einzusetzen.

18.05.2021 10:34 • von Marc Mensch
Kulturstaatsministerin Monika Grütters eröffnete die Kino 2021 Digital (Bild: Screenshot)

Während immer mehr Länder Verordnungen und Stufenpläne aufstellen, die Kinoöffnungen bereits zulassen oder zumindest perspektivische Daten errechnen lassen, setzt sich der HDF Kino (gemeinsam mit der AG Kino-Gilde) für einen bundesweiten Startschuss ein. Für einen Termin, der frühere Öffnungen nicht verhindern soll, der aber sicherstellen soll, dass Kinos flächendeckend unter wirtschaftlichen Bedingungen öffnen können - mit einem klaren Datum, dass dann auch verlässliche Startlisten mit sich bringt. In ihrer Eröffnungsrede zum virtuellen Filmtheaterkongress sicherte Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihre Unterstützung für dieses Vorhaben zu. Hier ihre Rede im Wortlaut:

"Kürzlich hat eine deutsche Wochenzeitung eine ganze Seite den aktuellen Staumeldungen gewidmet. Die kommen allerdings in diesem Fall nicht vom Berliner Stadtring oder der A9, sondern unter anderem aus der Kulturbranche. "Geradezu gigantisch" beschrieb einer der bekanntesten deutschen Filmproduzenten - es war Martin Moszkowicz - alleine den Rückstau fertiger Filme, die darauf warten, in den Kinos gezeigt zu werden, allen voran der neue James Bond, dessen Start wegen Corona inzwischen drei Mal verschoben wurde (tatsächlich war es fünf Mal, Anm.d.Red.). Sie alle, meine Damen und Herren, stehen in diesem Corona-Stau und ich weiß wie sehnlich nicht nur James Bond, sondern auch sie darauf warten, dass es endlich weitergeht, dass die Kinos endlich wieder deutschlandweit ohne Einschränkungen ihre Säle öffnen können. Und darauf arbeiten wir alle unermüdlich hin, dafür treffen wir alle nur möglichen Vorbereitungen, wir in der Kulturpolitik genauso wie sie als Filmverleiher und Kinobetreiber*innen. Deshalb ist es gut, dass nach den langen Monaten des Lockdowns mit dem Kongress Kino 2021 Digital einer der wichtigsten Branchenevents überhaupt stattfindet und dem Austausch von Ideen, dem Schmieden von Zukunftsplänen Raum gibt. Und deshalb war es mir wichtig, dieses 50. Jubiläumsprojekt mit zusätzlichen Mitteln aus dem Bundeskulturetat zu unterstützen, zumal der HDF der BKM seit vielen Jahren als verlässlicher und konstruktiver Partner in allen die Kinos betreffenden Fragen der Filmpolitik zur Seite steht. Dafür danke ich Ihnen, liebe Frau Berg und ihrem Team sehr herzlich.

Nach zähen Monaten des Wartens im Corona-Stau stehen die Zeichen nun aber zum Glück endlich doch auf Aufbruch. Die Infektionszahlen sinken, die Zahl der Geimpften steigt - und ebenso die Vorfreude des Publikums zum Beispiel auf die Open-Air-Berlinale im Juni. Dicht beieinander zu sitzen, Sessel an Sessel, vereint in der wundervollen Weltentrücktheit eines dunklen Kinosaals, das mag im Moment zwar noch ein bißchen Zukunftsmusik sein, aber umso stärker ist der Hunger auf großes Kino, die Sehnsucht nach der Kinoleinwand, vor der man sich wie an einem Lagerfeuer versammelt, um Geschichten miteinander zu teilen. Was Kino kann, das kann eben kein 65-Zoll-Fernsehbildschirm: Menschen aus ihren digitalen Filterblasen und Echokammern holen und zusammenrücken lassen im Mitfühlen und im Austausch, wenn aus Filmstoff Gesprächsstoff wird.

Ich werbe deshalb vehement dafür, dass Kinos, die gerade in ländlichen Regionen zum Beispiel maßgeblich zur kulturellen Grundversorgung beitragen, dass Kinos bei Öffnungsschritten für Geimpfte, Getestete und Genesene mitgedacht werden und die Kultur eben nicht schlechter behandelt wird als zum Beispiel der Sport. Das ist mindestens einmal eine Frage der Wertschätzung - nicht nur Ihrer materiellen Leistung übrigens, sondern vor allen Dingen eine Wertschätzung Ihrer Bedeutung für unser Gemeinwesen. Mit den Zukunftsprogrammen I und II, maßgeblich finanziert aus dem Hilfsprogramm 'Neustart Kultur' bei uns, der BKM, helfen wir den Kinos dabei, die Wiedereröffnung unter Infektionsschutzauflagen bestmöglich vorzubereiten. Hinzu kommen Maßnahmen wie der Ausfallfonds zur Absicherung pandemiebedingter Produktionsrisiken, die zusätzlichen Mittel für die FFA und die Aufstockung des regulären Kinoprogrammpreises der BKM. Von diesen und weiteren Corona-Hilfen profitiert die gesamte Filmbranche, Kreative, Produktion, Kinos und Verleih.

Kurzarbeitergeld, November- und Dezemberhilfen und die Überbrückungshilfen I bis III haben den Kinos darüber hinaus in den vergangenen Monaten hoffentlich auch wirklich geholfen, ihre laufenden Kosten zu decken. Dass das Bundeswirtschaftsministerium notwendige Verbesserungen umgesetzt hat, etwa bei den monatlichen Höchstbeträgen, den anerkennungsfähigen Kosten und dem Kreis der förderfähigen Unternehmen, das war mir ein dringendes Anliegen, das ich auch deshalb mit Nachdruck verfolgen konnte, weil der HDF beharrlich auf solche Lücken und Verbesserungsansätze im System aufmerksam gemacht und mir damit wirklich gute Argumente an die Hand gegeben hat.

'Film gehört für mich zum Leben - ich filme, um zu überleben.' Das hat Margarete von Trotta einmal über ihr künstlerisches Schaffen gesagt. Film gehört auch für eine Gesellschaft zum Leben - und für eine Demokratie ist Filmkunst überlebensnotwendig. Als Quelle der Empathie, als Stoff für Träume und Debatten, als Medium gesellschaftlicher Selbstreflektion. Deshalb können Sie auf meine Unterstützung zählen, wenn es darum geht, in hoffentlich naher Zukunft eine Einigung der Bundesländer auf einen dann bundesweit einheitlichen Öffnungstermin für die Kinos zu erwirken - mit ausreichend Vorlauf, damit Kinos und Verleiher die Filmstarts planen und Personal einstellen können. Auf die dafür nötige Aufbruchstimmung lässt nicht zuletzt der Kongress Kino 2021 Digital hoffen. In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmenden ermutigende Gespräche in den digitalen Foren und natürlich auch inspirierende Streifzüge durch die virtuelle Ausstellungshalle. Und ich gratuliere Ihnen, liebe Christine Berg und ihrem Team zu 50 erfolgreichen Konferenzjahren im Dienste der Kinokultur."