Kino

Amazon streckt Fühler nach MGM aus

Wenn gestern nicht die Fusion von AT&T und Discovery Hollywood in Atem gehalten hätte, wäre, so berichten US-Medien, vielleicht eine ganz andere Übernahme abgeschlossen worden: Amazon soll kurz davorstehen, das Traditionsstudio MGM zu übernehmen.

18.05.2021 07:41 • von Thomas Schultze
Michael De Luca soll MGM als Chairman zu neuer Größe führen (Bild: MGM)

Wenn gestern nicht die Fusion von AT&T und Discovery Hollywood in Atem gehalten hätte, wäre, so berichten US-Medien, vielleicht eine ganz andere Übernahme abgeschlossen worden: Amazon soll kurz davorstehen, das Traditionsstudio MGM zu übernehmen.Nun haben die News um die Zusammenführung von WarnerMedia und Discovery unter der Führung von Discovery-Boss David Zaslav die finalen Verhandlungen angeblich erst einmal ausgebremst. Aber grundsätzlich soll der Onlinegigant sich bereit erklärt haben, MGM mit seiner aktuellen Struktur als wieder aktives Studio unter Leitung von Michael De Luca wie auch mit seiner begehrten Library mit mehr als 5000 Titeln, viele davon absolute Klassiker aus der Goldenen Zeit Hollywoods, und natürlich den Auswertungsrechten an dem James-Bond-Franchise für eine Summe von knapp zehn Milliarden Dollar zu kaufen.

Bereits im vergangenen Jahr ging das Gerücht um, MGM stünde womöglich zum Verkauf und Apple habe Interesse gezeigt. Weil MGM allerdings zehn Milliarden Dollar verlangte, Apple aber nicht bereit war, mehr als sechs Milliarden Dollar zu zahlen, wurden die Gespräche bald abgebrochen. Im vergangenen Dezember wurden Morgan Stanley und LionTree beauftragt, Ausschau nach möglichen Interessenten zu halten. Nun soll Amazon bereit sein, ein Angebot zumindest in der Nachbarschaft des geforderten Preises zu machen.

Unklar ist, was Amazon tatsächlich mit MGM anfangen würde. Seitdem Jennifer Salke die Amazon Studios übernommen hat, hat Amazon seine zunächst sehr ambitionierten Kinopläne deutlich zurückgeschraubt. Nachdem jeder einzelne von Salkes teuren Einkäufen in Sundance 2018 gefloppt war, wurde die Filmproduktion zugunsten der Herstellung von Fernsehserien deutlich zurückgefahren. Die Filme - wie zuletzt die Oscarkandidaten "One Night in Miami" und "Sound of Metal" - erhalten kurze exklusive Kinoauswertungsfenster von einer bis drei Wochen, was auch für teure Studio-Akquisitionen wie "Der Prinz aus Zamunda 2" oder "Without Remorse" zutrifft. "Borat Subsequent Moviefilm" startete direkt auf dem Streamingdienst Prime Video. Bei MGM glaubt man indes unverändert an das Kino - aktuell werden die Filme in einem Schulterschluss mit Annapurna-Chefin Megan Ellison via United Artists Releasing ausgewertet. Unter Michael De Luca wurde auch während Corona die Produktion hochgefahren. Unter anderem arbeitet man an einem Reboot von "Der rosarote Panther" und einem weiteren Sequel von "Creed". Und dann ist da natürlich noch Bond: "Keine Zeit zu sterben" wird Anfang Oktober in die Kinos kommen (in Deutschland im Verleih von Universal).