Kino

Lockerungsschritte "nicht nachvollziehbar"

Die Filmland MV übt deutliche Kritik an den gestern für Mecklenburg-Vorpommern beschlossenen Öffnungsschritten, denen zufolge die Innengastronomie zwar ab Pfingsten öffnen darf, Kinos aber weiter geschlossen bleiben müssen. Als positives Gegenbeispiel wird auf Niedersachsen verwiesen.

12.05.2021 17:33 • von Marc Mensch
Fabian Liebenow hofft für Ende Mai auf klare Signale im Sinne der Kultur (Bild: Filmland MV)

Als Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gestern die nächsten geplanten Öffnungsschritte für ihr Land verkündete, durfte sich zumindest die Gastronomie freuen. Denn nicht nur im Freien soll wieder verköstigt werden dürfen - zu Pfingsten soll auch die Innengastronomie wieder öffnen können. Was bei Testpflicht und in Anbetracht der Tatsache, dass Mecklenburg-Vorpommern mit einer Inzidenz von zuletzt 85 weit unter dem Bundesschnitt von 115 lag, womöglich nachvollziehbar wäre, würden andere Bereiche nicht das Nachsehen haben. Denn die Kulturwirtschaft wurde - von vier Ausnahmen abgesehen - zunächst ausgeklammert, wie die Filmland MV beklagt.

"Der wirtschaftliche Schaden für die Kinobranche ist immens, während gleichzeitig für die Bürgerinnen und Bürger des Landes ein wesentlicher Teil ihrer Freizeitgestaltung und ein wichtiger Teil der Alltagskultur ersatzlos wegfällt", erinnert die Filmland MV noch einmal an den (im Bundesvergleich sogar moderaten...) Besucherrückgang um rund 65 Prozent im ersten Pandemiejahr - sowie an die Tatsache, dass 2021 noch kein einziger Gast empfangen werden konnte. "Dabei haben die Kinobetreiber bereits im vergangenen Jahr alle Maßnahmen zum Schutz ihrer Gäste getroffen. Sie verfügen über erprobte Hygienekonzepte und über funktionierende Lüftungsanlagen. Es gibt nach wie vor keine einzige Ansteckung, die auf einen Kinobesuch zurückgeführt werden konnte - ein Kinobesuch ist sicher. Dennoch wurden Kinos als erste geschlossen und stehen nun bei den Öffnungen wieder hinten an", heißt es weiter.

Dazu erklärt Fabian Liebenow, der bei der Filmland MV für "Strategische Kinoplanung" verantwortlich ist: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass Kinovorführungen trotz sicherer Hygienekonzepte nicht stattfinden dürfen, während in Handel, Gewerbe und Gastronomie gelockert wird. Es ist enttäuschend, dass die kulturelle Versorgung der Bevölkerung bei den Öffnungsschritten keinerlei Rolle gespielt hat. Wir fordern vom kommenden MV-Gipfel am 31.05. eine konkrete, pragmatische und zeitnahe Öffnungsperspektive für die Kulturbranche, insbesondere für die Kinos, sowie eine Gleichbehandlung der Kulturwirtschaft mit anderen Branchen."

Zudem sei es für die Kinos von großer Dringlichkeit, dass das bereits im Oktober vergangenen Jahres von der Landesregierung angekündigte Anschubprogramm "Aus Eins mach Drei" (wir berichteten) zeitnah für die Anlaufphase verabschiedet werde.

Als Positivbeispiel verweist man auf Niedersachsen, das mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von zuletzt 85 einen nahezu identischen Wert aufwies - und dessen Stufenplan bei positiver Entwicklung des Infektionsgeschehens Kinoöffnungen ab Ende Mai möglich machen würde. Unter Bedingungen, mit denen sich arbeiten ließe: 50 Prozent Auslastung und keine Maskenpflicht am Platz - aber mit vorheriger Testpflicht.