Produktion

REVIEW STREAMING: "Mythic Quest - Raven's Banquet" (2. Staffel)

Seit heute gibt es bei Apple TV+ die ersten drei Folgen der zweiten Staffel der Workplace-Comedyserie "Mythic Quest - Raven's Banquet" von Rob McElhenney zu sehen. Wir haben einen ersten Blick drauf geworfen.

07.05.2021 09:00 • von Thomas Schultze
Charlotte Nicdao und Rob McElhenney steuern die Geschicke von "Mythic Quest" fortan gemeinsam (Bild: Apple TV+)

Seit heute gibt es bei Apple TV+ die ersten drei Folgen der zweiten Staffel der Workplace-Comedyserie "Mythic Quest - Raven's Banquet" zu sehen. Wir haben einen ersten Blick drauf geworfen:

Zweite Staffel der Workplace-Comedy von Rob McElhenney, in der das Produktionsteam des Videospiels "Mythic Quest" neue geschäftliche und private Klippen zu umschiffen hat.

Streaminggeschichte hat "Mythic Quest", die Apple-Ts+-Serie von It's Always Sunny in Philadelphia"-Macher RobMcElhenney, deren erste Staffel mit allen neun Folgen im Februar 2020 gestartet war, bereits zweifach geschrieben. Zuerst mit der im Mai 2020 augestrahlten Sonderfolge "Quarantäne" eine der ersten Produktionen während der Pandemie, die als großes Zoom-Meeting entstand und als erste US-Produktion unmittelbar auf Corona Bezug nahm (unvergessener letzter Satz: "Fuck you, coronavirus!"), und dann während des Drehs der zweiten Staffel, bei dem dann 26 Mitglieder der Produktion tatsächlich an Covid-19 erkrankten - laut Variety der schlimmste Outbreak bei einer in Los Angeles ansässigen Produktion. Nachdem eine zweite Sonderepisode, "Ewiglicht", mit viel Tam-Tam und großem Aufwand im April die Werbetrommel für diese zweite Staffel gerührt hatte, hat Apple nun heute die drei ersten Folgen eingespeist, die weiteren sechs Episoden folgen fortan im Wochenrhythmus: Nahtlos wird angeschlossen an das Ende der ersten Staffel, als der ebenso geniale wie monomanische Game-Erfinder Ian (ausgesprochen "Eiän") endlich über seinen Schatten gesprungen war und seine leidgeprüfte und nicht minder geniale Programmiererin Poppy zur gleichberechtigten Co-Chefin erklärt hatte: Jetzt müssen sie lernen, gemeinsam das Schicksal ihres erfolgreichen Videogames zu steuern, während die Finanziers aus Kanada, stets nur "Montreal" genannt, oft andere Erwartungen und Forderungen haben, die es zu erfüllen gilt.

Nahtlos bedeutet in diesem Fall nicht nur, dass inhaltlich genau diese neue Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren in den Mittelpunkt gerückt wird, die sich, wie sich jeder denken kann, der in der ersten Staffel mitverfolgt hat, wie die Figuren gestrickt sind, nicht gerade harmonisch entfaltet. Nahtlos bedeutet auch, dass sich der atemlose, sympathisch ironische Tonfall der Workplace-Comedy fortsetzt: Wer "Mythic Quest" bisher mochte, wird keinen Anlass haben, "Mythic Quest" nicht auch weiterhin zu mögen. Nahtlos bedeutet überdies, dass die Serie unverändert immer dann besonders gut wird, wenn F Murray Abraham auftaucht als Science-Fiction-Autor C.W. Longbottom, der dem Videogame "Mythic Quest" als begnadeter Geschichtenerzähler erst den richtigen, nun ja, mythischen Anstrich verpasst und für schrägen Humor sorgt als immer etwas verstrahlt wirkendes Relikt einer vergangenen, drogengeschwängerteren Zeit - es ist die beste Rolle des Oscargewinners seit seinem denkwürdigen Auftritt als ungerührter Folk-Impresario in Inside Llewyn Davis" ("I don't see a lot of money here"). Diesmal vielleicht etwas sparsamer eingesetzt und mit mehr Distanz: Aufgrund des fortgeschrittenen Alters von Elder Statesman Murray Abraham, Jahrgang 1939, und um beim Dreh für mehr Sicherheit für ihn zu sorgen, sieht man ihn in den ersten sieben Folgen stets nur von den anderen Schauspielern isoliert, von außen zugeschaltet.

Auch sonst fällt auf, dass die Büroräume etwas spärlicher besetzt sind und etwas mehr Abstand gehalten wird. Platz für die bekannten Hauptfiguren ist allemal, nennenswerte Neuzugänge gibt es erst einmal nicht zu vermelden. Die Konstellation hat sich ein bisschen verändert: Die schnippische und opportunistische Reagan-Anhängerin Jo arbeitet jetzt nicht mehr für den Produktionschef David, sondern den kühlen Finanzchef Brad. Die beiden Programmierinnen Dana und Rachel tanzen nicht mehr länger um den heißen Brei herum und küssen sich in Episode eins erstmals, was in der Folge zu Komplikationen führt, weil die beiden doch sehr unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Zukunft bei der Games-Company haben. Da steckt also wieder viel Konfliktpotential drin. Die Drehbücher haben unverändert Tempo und Biss, sind immer absolut up to date und à jour, was neue Entwicklungen in einem digitalen Alltag anbetrifft, und unterstreichen, was allgemein für Comedy gilt: Es kommt nicht auf den Witz an, sondern wie er erzählt wird. Und das geschieht bei "Mythic Quest" mit einem ganz eigenen Ton. Gut so. Wir bleiben dran.

Thomas Schultze