Kino

"Wir vermissen einen Dialog über verlässliche Rahmenbedingungen"

Anlässlich erster Meldungen über neuerliche Kinoöffnungen verweist die AG Kino-Gilde darauf, dass sich aus Modellprojekten noch keine "echte Perspektive" ergebe. So fordert der Verband nicht nur eine bundesweite Öffnung von Freiluftkinos in Regionen mit einer stabilen Inzidenz unter 100 - sondern einen "konkreten Wiedereröffnungsplan auf Basis evidenzbasierter Kriterien" für die gesamte Kinolandschaft.

06.05.2021 19:40 • von Marc Mensch
Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde (Bild: David von Becker)

Noch ist nicht völlig klar, unter welchen Bedingungen Kinos in Bayern ab 10. Mai in Landkreisen oder Städten mit stabiler Inzidenz unter 100 öffnen dürfen - und wie wenig präzise der Gesetzgeber aktuell mitunter formuliert, unterstreicht womöglich der § 27 der aktuellen Bayerischen Infektionsschutzverordnung. Denn wer sich gefragt hat, was "stabil" in diesem Kontext bedeutet, findet in der dortigen Formulierung "Wird in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt die 7-Tage-Inzidenz von 100 nicht überschritten und erscheint die Entwicklung des Infektionsgeschehens stabil oder rückläufig..." eine womöglich überraschende Antwort - wobei das Infektionsschutzgesetz auf Bundebene natürlich einen Mindeststandard vorgibt. Wie dem auch sei: Momentan sieht es so aus, als liefe es trotz vorheriger Testpflicht auf einen Mindestabstand von 1,50 Metern und Maskenpflicht auch am Platz hinaus - wie dies auch schon in Tübingen der Fall war.

Derartige Voraussetzungen meint die AG Kino-Gilde, wenn sie in einem aktuellen Appell darauf hinweist, dass vieles "doppelt und dreifach gemoppelt" erscheint. Was vor dem Hintergrund der Öffnungsbedingungen für das CineStar Lübeck (wo die Inzidenz seit Tagen unter 50 lag, diesen Wert aber just heute überschritt) als umso validerer Einwurf erscheint. Denn dort ermöglicht das Testsystem eine Saalbesetzung im Schachbrettmuster mit bis zu 50 Prozent Auslastung und Verzehr am Platz...

Dementsprechend skeptisch zeigt sich der Verband nun auch angesichts erster Öffnungsperspektiven: "So sehr wir uns freuen, dass wir endlich wieder über die Öffnung der Kulturorte sprechen: Regionale Modellprojekte und improvisierte Öffnungsdaten und Auflagen mögen einzelnen Häusern Optionen für einen Probebetrieb geben. Eine echte Perspektive für die Kultur oder eine Lösung aus der Krise ergeben sich daraus jedoch nicht", so der Vorstandsvorsitzende Christian Bräuer.

In diesem Zusammenhang wiederholt die AG Kino-Gilde einmal mehr, was seit Monaten gebetsmühlenartig gepredigt wird. "Der Kinomarkt funktioniert bundesweit. Verleiher wie auch die Kinos benötigen einen mehrwöchigen Vorlauf, um Filmstarts zu bewerben und organisatorische Vorbereitungen zu treffen. Für alle Akteure ist eine Wiedereröffnung mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. Das Wie ist genauso entscheidend wie das Wann."

Bräuer zeigt sich besonders enttäuscht darüber, dass nun sogar "ein noch größerer Flickenteppich von im Eiltempo gestrickten Hygieneverordnungen und Öffnungsdaten für Filmtheater" im Raum stünde als im vergangenen Jahr: "Wir vermissen einen Dialog über verlässliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen auf Basis der Erkenntnisse und Erfahrungen", so Bräuer. "Seit mehr als einem Jahr sind wir stets zu konstruktivem Austausch bereit und haben die Zuverlässigkeit in der Umsetzung von Hygieneregeln unter Beweis gestellt."

Man appelliere daher an die Politik, die Voraussetzungen zu schaffen, dass Freiluftkinos überall dort, wo die Inzidenz an einem Ort stabil unter 100 liege, mit den geprüften und in derPraxis bewährten Auflagen des vergangenen Sommers wieder öffnen können. Zugleich solle gemeinsam mit der Expertise und Erfahrung der Branche ein konkreter Wiedereröffnungsplan auf Basis evidenzbasierter Kriterien entwickelt werden, wie dies andere Länder - und insbesondere europäische Nachbarn - schon getan hätten.