Produktion

Tarifabschluss für 25.000 Filmschaffende

Nach rund fünfmonatigen Verhandlungen haben sich ver.di und der BFFS mit der Produzentenallianz auf einen Tarifabschluss verständigt, der nach Angaben der Gewerkschaft vor allem Verbesserungen bei den Arbeitszeiten beinhaltet. Ein nicht ganz trivialer Punkt wird aber erst ab September verhandelt.

05.05.2021 12:00 • von Marc Mensch
Die neue Vereinbarung hat eine Laufzeit bis Ende August 2023, über Gagenerhöhungen wird ab September gesondert verhandelt (Bild: IMAGO/Beautiful Sports)

Verbesserungen bei den Arbeitszeiten, bei Freizeitphasen während der Dreharbeiten und bei Zuschlägen am Wochenende sowie bessere Rahmenbedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen: Mit diesen Eckpunkten beschreibt ver.di knapp, was in den gemeinsam mit dem BFFS geführten, rund fünfmonatigen Tarifverhandlungen mit der Produzentenallianz erreicht wurde. Nicht Teil des jetzt erzielten Tarifabschlusses, der eine Laufzeit bis Ende August 2023 hat und dem der ver.di-Tarifausschuss bereits zustimmte, sind indes Neuregelungen zur Erhöhung der Gagen. Hierüber soll ab September abschließend verhandelt werden, diese Gespräche sollen spätestens bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Dass die Schwerpunkte bei den nun soweit abgeschlossenen Verhandlungen entsprechend gesetzt wurden, kam nicht von ungefähr: Demnach wurden sie bei Umfragen unter Filmschaffenden im Vorfeld der Tarifrunde ermittelt. Dabei seien mehr und verlässlichere Ruhezeiten von stärkerer Bedeutung als die Anhebung tariflichen Mindestgagen gewesen.

"Die Verhandlungen haben sich für Filmschaffende gelohnt, auch wenn die Verhandlung zur Gagenerhöhung auf den Herbst vertagt ist", erklärte dazu ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel. "Wir haben deutliche Fortschritte erreicht was eine Reduzierung des Arbeits- und Zeitdrucks, mehr zusammenhängende Ruhetage, längere Ruhezeiten nach Nachtdrehs ins Wochenende und höhere Zuschläge zum Schutz des Wochenendes angeht."

Demnach sieht der neue Tarifvertrag vor, dass in Drehzeiten mindestens zweimal je Monat zwei zusammenhängende Ruhetage und bei längeren Produktionen mit mehr als 40 Tagen Drehzeit ab dem zweiten Monat dreimal zwei zusammenhängende Ruhetage gewährt werden müssen. Nach einem Nachtdreh ins Wochenende muss sich mindestens zweimal je Monat nach Drehtagsende eine Ruhezeit von 48 und weiteren elf Stunden anschließen. Bei Wochenendarbeit gilt ab September ein genereller Zuschlag von 25 Prozent. Der bereits bestehende Sonntagszuschlag wird von 50 auf 75 Prozent angehoben. Zudem seien im Manteltarifvertrag arbeitsrechtliche Klarstellungen vorgenommen und eine Clearingstelle für Streitfälle über die Auslegung von tariflichen Regelungen verabredet worden.

Von "umfassenden Verbesserungen" spricht ver.di beim Schauspieltarifvertrag. So sei geklärt, welche Vergütung für Schauspieler*innen garantiert sei, wenn ihnen vom Filmhersteller nur eine ungefähre Anzahl von voraussichtlichen Drehtagen zugesagt werde. Dazu gehöre auch, welche arbeits- und sozialversicherungsrechtlich relevanten schauspielerischen Arbeiten vor, zwischen und nach den Drehtagen anfielen.Da es nach der Einführung von Zeitkonten 2006 und der Begrenzung von Tageshöchstarbeitszeiten auf zwölf Stunden 2018 nun zu "grundlegenden Veränderungen der Arbeitszeiten" komme, werde die ver.di FilmUnion die Filmschaffenden in Online-Veranstaltungen über den neuen Tarifvertrag informieren.

Wie der BFFS ergänzt, wurde "nachhaltiges Drehen" nun sowohl in den Schauspiel- wie auch in den Manteltarifvertrag aufgenommen. Grünes nachhaltiges Drehen unter Beachtung der jeweils geltenden grünen Produktionsbedingungen, wie sie auch schon von verschiedenen Filmförderanstalten als Fördervoraussetzungen gefordert sind, werden demnach als Rahmenbedingungen Gegenstand der Tarifverträge.

Tatsächlich wird der BFFS nach eigenen Angaben erstamls nicht nur den Schauspiel- und den Kinoerlösbeteiligungstarifvertrag, sondern auch das "Herzstück" des Tarifwerks, den Manteltarifvertrag, unterzeichnen.

Dazu die Vorstandsvorsitzende Leslie Malton: "Der nun erreichte Tarifabschluss zeigt, dass wir mit unseren Tarifpartnern auch in schwierigen Zeiten Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen konstruktiv erarbeiten können. Das schätzen wir sehr an der nun schon langjährig bestehenden Tarifpartnerschaft gemeinsam mit ver.di Filmunion einerseits und der Produzentenallianz als zuständiger Arbeitgeberverband andererseits."

Vorstandsmitglied Heinrich Schafmeister ergänzt: "Es war höchste Zeit für mehr Verbindlichkeit. Wir erlangen mit den Neuerungen dieser Tarifabschlüsse mehr Verbindlichkeit über Art und Umfang schauspielerischer Arbeit vor, zwischen und nach den Drehtagen, mehr Verbindlichkeit, wie abgebrochene Drehtage bei uns anzurechnen sind, und mehr Verbindlichkeit, welche Gage für uns bei 'voraussichtlichen' Drehtagen garantiert ist."

Als Verhandlungsführer auf Seiten der Produzentenallianz und deren Geschäftsführer verweist Christoph Palmer nicht zuletzt auf die "schwierige Ausgangslage" unter denen die Verhandlungen Ende vergangenen Jahres aufgenommen wurden: "Die Produktivität deutscher Film- und Fernsehproduktionsunternehmen war aufgrund der Covid-19-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 schwer beeinträchtigt. Erst seit der zweiten Hälfte des Jahres 2020 können deutsche Produktions­unternehmen mit umfassenden Hygieneregeln, Umsicht und großem Einsatz aller Beteiligten wieder arbeiten. Zwar wirken die Schutzschirme der Sender und die Ausfallfonds I (Kino) und II (Fernsehen) unterstützend für die Branche, viele Kosten bleiben allerdings an den Produktionsbetrieben hängen. In dieser angespannten und volatilen Situation einen Tarifvertrag zu verhandeln, machte die Kompromissfindung nicht einfach. Das Ergebnis zeigt indes, dass sich diese gemeinsame Sozialpartnerschaft auch in der Krise bewährt." Trotz der schwierigen Bedingungen sei die "sozialpartnerschaftliche Auseinandersetzung konstruktiv und ergebnisorientiert", so Palmer weiter "Wir sind damit zu einem für alle Seiten akzeptablen Kompromiss gelangt, der Verlässlichkeit in unsichere Zeiten bringt."

Die Tarifkommission der Produzentenallianz hat nach dem halbjährigen Verhandlungsprozess einmütig zugestimmt. Die tarifgebundenen Mitglieder des Vorstands der Produzentenallianz werden am 19. Mai 2021 über den Tarifvertrag abschließend entscheiden. Die Erklärungsfrist ist für beide Seiten auf Ende Mai 2021 festgelegt.