Kino

Reguläre Open-Air-Kinos hart von Pandemie getroffen

Während das erste Pandemiejahr einen wahren Boom bei den Autokinoveranstaltungen sah, die zu einem Umsatzwachstum dieser Sonderform um fast 700 Prozent führten, waren reguläre Open-Air-Kino-Veranstaltungen klare Opfer monatelangen Lockdowns und strikter Restriktionen auch im Freien: Sie büßten gegenüber dem Vorjahr fast die Hälfte ihrer Besucher ein, wie die FFA nun bilanzierte.

29.04.2021 13:32 • von Marc Mensch
Eine Impression des von Evented 2020 mitverantworteten Autokinos auf dem Hannoveraner Messeplatz (Bild: Stefan Knaak)

Das erste Pandemiejahr war für den deutschen Kinomarkt zweifelsohne das Jahr der Open-Air-Veranstaltungen. Dies belegt nun auch die offizielle Bilanz der FFA zu den sogenannten "Sonderformen", die neben u.a. Kommunalen Kinos, Vereinen, Wanderkinos und Saisonkinos auch die Open-Air-Veranstaltungen umfassen - letztere allerdings klar getrennt in Autokinos und "reguläre" Freiluftkinos. Und, wie üblich, natürlich noch einmal getrennt in dauerhafte und sporadische Veranstaltungen.

Zur kompletten FFA-Statistik für die Kino-Sonderformen

Kurz zusammen gefasst lässt sich sagen: Autokinos florierten - die dauerhaften sogar in ganz besonderem Maße - während reguläre Open-Air-Veranstaltungen (deren Zahl gegenüber 2019 auch deutlich abnahm) insgesamt fast die Hälfte ihrer Besucher einbüßten. Dies erklärt sich selbstverständlich über die - bundesweit teils unterschiedlichen - Restriktionen, die Open-Air-Veranstaltungen mitunter auch zu Zeiten unterbanden, in denen Autokinos öffnen durften; und die für Freiluftkinos ähnliche Abstandsregeln wie für Indoor-Veranstaltungen vorsahen, zudem galten auch hier (wenngleich etwas großzügigere) absolute Kapazitätsgrenzen.

Zunächst zu den Autokinos: Die Zahl der von der FFA (in Abgrenzung zu sporadischen Veranstaltungen) zum Gesamtbestand gezählten Leinwände stieg gegenüber 2019 um acht auf 26 und somit um 44 Prozent. Parallel dazu erhöhte sich der darauf entfallende Besuch von knapp 294.000 auf über 1,2 Mio. und stieg damit um gut 312 Prozent. Noch höher fiel das Plus beim Umsatz aus, der von gut 2,4 Mio. Euro auf knapp 11,2 Mio. Euro stieg und somit um 361 Prozent wuchs.

Dass sich die Umsätze der Autokinos insgesamt nahezu um den Faktor 8 vergrößerten (plus 683 Prozent) lag natürlich nicht zuletzt am Boom der sporadischen Veranstaltungen, bei denen die FFA für 2020 ganze 428 Leinwände gegenüber zehn im Vorjahr zählte; also mehr als das Vierzigfache (!). Noch höher fiel das Besucherwachstum für diese sporadischen Events aus, es lag am Ende bei über 7011 Prozent. In Summe standen die Autokinos 2020 für knapp 2,1 Mio. Besucher, also nahezu das Siebenfache dessen, was 2019 für diese Kino-Sonderform gezählt wurde (gut 306.000 Tickets). Die Umsätze erreichten fast 20 Mio. Euro, rund das Achtfache der gut 2,5 Mio. Euro aus dem Vorjahr.

Ganz anders fiel das Bild leider bei den "regulären" Open-Air-Veranstaltungen aus. Die im Leinwandbestand aufgenommenen Open-Air-Leinwände nahmen gegenüber 2019 von 72 auf 64 ab, da etliche jährlich durchgeführte Events ausfallen mussten. Zudem gab es - sicherlich nicht zuletzt wegen der Fokussierung auf das während der Pandemie leichter genehmigungsfähige Autokino - auch weniger sporadische Veranstaltungen; 509 gegenüber 553 in 2019.

Unter dem Strich sahen sich Open-Air-Kinos im vergangenen Jahr mit massiven Einbußen bei Besuchern und Umsatz konfrontiert: Über reguläre (die sogar überproportional einbüßten) und sporadische Veranstaltungen hinweg nahm die Zahl der verkauften Tickets um 47,9 Prozent auf knapp 907.000 ab, die Umsätze sanken um 43,9 Prozent auf gut 7,7 Mio. Euro.

Andere Kino-Sonderformen wurden indes (da Innenraum-gebunden) natürlich noch härter getroffen. So blieb zwar der Leinwandbestand der Kommunalen Kinos unverändert, dennoch büßten sie jeweils rund 66,5 Prozent ihrer Besucher und ihres Umsatzes ein - womit das Minus (dies natürlich ein denkbar schwacher Trost) aber immerhin noch niedriger als jenes im Gesamtmarkt und insbesondere bei den Multiplexen ausfiel.

Auch wenn der Autokino-Boom den Vergleich am Ende natürlich massiv (!) hinken lässt, der Vollständigkeit halber sei er erwähnt: Unter dem Strich büßten die von der FFA als "Sonderformen" definierten Kinovorstellungen im ersten Pandemiejahr gut ein Viertel (25,9 Prozent) ihrer Besucher ein, die Umsätze gingen im selben Zeitraum allerdings nur um 9,2 Prozent zurück.