Kino

"Mensch, Eva!"

Mit einem persönlichen Nachruf nimmt Freund und Wegbegleiter Michael Eckhardt Abschied von der am vergangenen Wochenende verstorbenen Eva Matlok.

27.04.2021 09:09 • von Marc Mensch
Eva Matlok verstarb am vergangenen Sonntag (Bild: Filmkunstmesse Leipzig)

"Mensch, Eva! Genau das warst Du wirklich immer: Mensch! Und Verbündete. Und Freundin. Loyal. Offen. Freundlich. Ungewöhnlich. Kollegial. Kinoverrückt. Immer auf Augenhöhe, immer flammenden Herzens für die Belange Deiner 'Kino-Schäfchen.' Aufrichtig, kämpferisch, unkonventionell und auch wehrhaft. Wahrlich eine Exotin in unserer verrückten und von uns beiden in ihrer Buntheit doch so geliebten Branche.

Ich erinnere mich sehr gut an den Tag vor mehr als 20 Jahren, als Du mit Heike Graßhoff zu mir ins Büro kamst, auf der Suche nach Mitstreitern für die von Dir maßgeblich initiierte Filmkunstmesse Leipzig. Du mußtest mich überhaupt nicht überzeugen, mit ins Messe-Boot zu steigen, allein Deine energiegeladene, herzliche Art, Dein einnehmendes Lachen, der fränkische Zungenschlag waren Argumente genug, unbedingt dabei sein zu wollen. Es wurden zehn gemeinsame Ausgaben der Filmkunstmesse, die vor allem wegen Dir zu dem geworden ist, was sie noch immer ist: der wichtigste Branchentreff der Arthouse-Szene in Deutschland. Mindestens.

Es war Dein Vermögen, Leute zusammenzubringen, die vermutlich nie im Leben zusammengekommen wären, Dein Talent, immerzu schräge Ideen in ein bald bewährtes Konzept zu fügen, Dein Elan, in den zehn Jahren Abrieb und Trägheit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Du konntest einfach immer beides - Professionalität und Freundlichkeit, Zupacken und Party, Diplomatie und Punk. Weißt Du noch, wie wir es uns in den Kopf setzten, zum zehnten Jubiläum der Messe niemand Geringeren als den von uns innig verehrten Pedro Almodóvar einladen zu wollen? Kein Größenwahn, einfach Kinoliebe. Wir haben es dann immerhin geschafft, ihm zur Premiere von 'Zerrissene Umarmungen' unsere Einladung in die Hand zu drücken. Er sagte später freundlich ab, drehte er doch den meisterlichen Film 'Die Haut, in der ich wohne' - und er schrieb wohl damals bereits an seinem übernächsten Film. Als wir beide einiges später dann 'Fliegende Liebende' sahen, waren wir uns rückblickend einig, er hätte sich damals lieber für Leipzig entscheiden sollen ... und schmunzelten nochmals über unseren kühnen Versuch.

Du warst auch mutig genug, Leinen zu lösen, wenn der Zeitpunkt dafür richtig und das Neue trotzdem noch nicht in Aussicht war. Du hast Dich dann extrem schnell in ganz andere Aufgaben eingewühlt, weiterhin sehr zum Nutzen Deiner bald durchdigitalisierten Kinokollegen. Du wußtest einfach, wie sie ticken, weil Du als ehemalige Kinobetreiberin das Geschäft in allen Eigenheiten kanntest. Du hast die Belange der Kinomacher immer ernst genommen, konntest individuelle Übertreibungen einordnen, Du verstandest jedes originäre Einzelbedürfnis und hattest trotzdem immer die ganze Branche als doch etwas Geschlossenes im Blick. Und Dir war immer bewußt, Kinogeschäft besteht aus zwei Seiten - Abspiel und Verleih. Du hattest ohnehin keine Lagerängste, was ich immer richtig und klug fand.

Du hattest die seltene Kraft, nach eigenen privaten Tragödien wieder aufzustehen, bei Schicksalsschlägen Deinen Freunden Trost zu spenden und die helfende Hand zu reichen, und Du hast das Leben geliebt. Aber so richtig: Genußmensch und Frankreichliebhaberin, Pferdenärrin und Magnoliengärtnerin, Musik-Fan und Cineastin, kluge Frau und wildes Mädchen. Du warst immer hörbar, ohne laut zu sein. Immer strahlend, ohne auftrumpfen zu wollen. Immer besonders, ohne jede falsche Eitelkeit. Du warst einfach immer Mensch, Eva! Deswegen fehlst Du jetzt so schmerzlich."

Nachruf auf Eva Matlok von Michael Eckhardt, Geschäftsführer der Cut-Film & Media GmbH.