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PREVIEW STREAMING: "Shadow and Bone: Legenden der Grisha"

Morgen startet bei Netflix die neue Fantasy-Serie "Shadow and Bone: Legenden der Grisha" nach populärer YA-Bestsellervorlage - Nachschub für Fans, die seit der letzten Staffel von "Shadowhunters" auf dem Trockenen sitzen. Hier unsere Besprechung.

22.04.2021 10:51 • von Thomas Schultze
Romantik, Fantasy und Abenteuer werden geboten in "Shadow and Bone" (Bild: Netflix)

Morgen startet bei Netflix die neue Fantasy-Serie "Shadow and Bone: Legenden der Grisha" nach populärer YA-Bestsellervorlage - Nachschub für Fans, die seit der letzten Staffel von "Shadowhunters" auf dem Trockenen sitzen. Hier unsere Besprechung.

YA-Fantasy-Serie nach Bestsellervorlage über ein Mädchen mit besonderen Fähigkeiten.

Mehrere Millionen Mal wurde die "Grisha"-Trilogie von Leigh Bardugo weltweit verkauft, in etwa 40 Sprachen übersetzt - das erste Buch aus dem Jahr 2012 erschien in Deutschland unter dem Titel "Goldene Flammen": eine im "Grishaverse" angesiedelte Fantasysaga nicht unähnlich der "Chroniken der Unterwelt" (auf der die Serie "Shadowhunters" basiert) oder "Twilight", in deren Mittelpunkt ein vermeintlich unscheinbares, ungelenkes Mädchen steht, das über eine außergewöhnliche Fähigkeit verfügt, die sie meistern lernen muss, um die Welt vor einer übermächtigen Bedrohung retten zu können. Erweist sich Clary Fray in "Shadowhunters" als "Schattenjägerin", und muss Bella Swan in "Twilight" lernen, was es bedeuten kann, als Vampir unsterblich zu sein, so kann die Waise Alina Starkov hier Licht entfesseln, weil sie die Fähigkeiten einer Grisha besetzt, deren Macht es ist, die Elemente manipulieren zu können.

Weil Alinas Kraft aber außergewöhnlich stark ausgeprägt ist, buhlen verschiedene Parteien mit teils konträren Agenden um ihre Gunst, was sie eine klassische Heldenreise antreten lässt, aus der Passivität heraus hin zur Selbstbestimmung: immer weiter isoliert, muss sie Entscheidungen treffen, die sie erkennen lassen, wer sie wirklich ist und was sie wirklich will. Das Muster ist also bestens bekannt, und sieht man einmal davon ab, dass die Welt, in der "Shadow and Bone" spielt, sich abgesehen davon, dass sich Bardugo vom Russischen Kaiserreich inspirieren ließ und die Orte ulkige Namen tragen, für das ungeschulte Auge des Nichtfans auch nicht wesentlich unterscheidet von vergleichbaren Empowerment-Plotten für Teenagerinnen, kann die Serie zwei Attribute vorweisen, die sie abheben vom überstrapazierten YA-Allerlei: Da ist zum einen in der Geschichte selbst die "Schattenflur" - eine riesige schwarze Wolke, die die Länder und ihre Einwohner voneinander trennt - die Versinnbildlichung der Dunkelheit, in der Monster und Dämonen echt sind. Das ist ein echter Hingucker.

Zum anderen liegen hinter den Kulissen die Geschicke in den Händen von Showrunner Eric Heisserer, seinerseits Horrorspezialist und Autor von Arrival", einem der besten und klügsten Science-Fiction-Filme der letzten zehn Jahre - sowie der Kopf hinter Bird Box", einer der größten Filmerfolge von Netflix bislang. Er steht mit seinem guten Namen für Qualitätsanspruch und das Versprechen, dass die sattsam bekannten religiösen Erlösermotive ein gewisses Maß an melodramatischem Kitsch nicht überschreiten. Als nicht Eingeweihter ist es nicht ganz einfach, sich in der Vielzahl an Orten und Figuren sofort zurecht zu finden, aber das Tempo ist hoch und die Besetzung, allen voran die 25-jährige Britin Jessie Mei Li, die in Kürze auch in Edgar Wrights Last Night in Soho" mit Thomasin McKenzie und Anya Taylor-Joy zu sehen sein wird, attraktiv und natürlich, wie es sich bei Fantasy anbietet, divers: In der Welt der Grisha wird nicht nach Hautfarbe entschieden, sondern nach Fähigkeiten und reinem Herzen. Der Erfolg ist vorprogrammiert. Und wünschenswert: Die darbende Fangemeinde der "Shadowhunters" braucht Nachschub.

Thomas Schultze