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rbb transformiert sich 2021

Auf der Jahrespressekonferenz haben die rbb-Intendantin Patricia Schlesinger und ihr Team Stellung bezogen zu ihren crossmedialen Umbauplänen und den Folgen daraus etwa für freie Mitarbeitende beim Magazin "zibb". Sie sprachen auch über das rbb-Fiktionangebot 2021.

19.04.2021 16:36 • von Michael Müller
rbb-Intendantin Patricia Schlesinger (Bild: rbb/Thorsten Klapsch)

"Wir organisieren unsere internen Abläufe neu, wir weiten unser regionales Engagement aus, und wir arbeiten kontinuierlich an unseren Programmangeboten", sagte rbb-Intendantin Patricia Schlesinger am Montag bei der digitalen Jahrespressekonferenz des Senders. Das verlange gerade in Corona-Zeiten sehr viel von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Schlesinger sei sich aber sicher, dass sich diese Anstrengung im Sinne des Publikums lohne.

Ein Meilenstein für den rbb sei der Start des crossmedialen News-Centers im Herbst. "Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, mit dem wir den rbb schon kurzfristig im Digitalen stärken. Die Vorbereitungen dafür sind in vollem Gange: Seit März arbeitet das Fachressort Landespolitik Berlin crossmedial, im Mai folgen die Brandenburger Kolleginnen und Kollegen. Wir sind also schon mitten im Training." Das Ziel sei es, den crossmedialen Austausch zwischen allen Gewerken zu perfektionieren. "Diese Pionierarbeit mündet in das Digitale Medienhaus, das wir am Standort Berlin weiter planen und mit dem wir ein Gebäude schaffen, das sich von vornherein den veränderten Workflows und Prozessen in der Medienproduktion anpassen kann", erläuterte Schlesinger.

In einem Vorschau-Trailer auf das rbb-Programm 2021 waren vom fiktionalen Angebot unter anderem erste Bilder von der neuen Donnerstagskrimi-Reihe "Dr. Hoffmann" mit Kai Wiesinger und Isabell Polak zu sehen, welche die ARD im Herbst auf Sendung schicken will. Aber auch die neue rbb-Serie "Tina mobil", die zweite Staffel "Warten auf'n Bus" oder auch die Serie "MaPa" waren Teil der Vorstellung. Darauf angesprochen, warum in der Vorschau der rbb-"Tatort" mit Meret Becker fehle, hielt die Leiterin der Content-Box Kultur, Martina Zöllner, fest, dass es noch drei Auftritte von Becker als Kommissarin geben werde. Zu dem Finale von deren Figur könne Zöllner aber noch nichts sagen. Der erste gemeinsame "Tatort" mit der Nachfolgerin Corinna Harfouch und Mark Waschke werde es, wenn alles nach Plan laufe, Ende 2022 geben.

rbb-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus betonte, dass der Mix das Programm des Senders ausmache. Mit "Team Tacheles" gebe es zum Beispiel ein investigatives YouTube-Format, genauso setze der rbb aber auch auf das klassische Fernsehen und die Mediathek. Die Serie "Tina mobil" über eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Bäckermobil werde genauso mittwochs um 20.15 Uhr in der ARD laufen wie die Serie "Legal Affairs" mit Lavinia Wilson, deren Figur durch den Medienanwalt Christian Scherz inspiriert ist.

Dazu kämen klassische Fernseh-Events wie die Sportveranstaltung "Die Finals", die in diesem Jahr auf vier Tage ausgeweitet werden. Bei dem multimedialen Projekt "Local Heroes" wiederum hätten rbb-Teams Bürgermeister und Bürgermeisterinnen aus unterschiedlichen Parteien ein Jahr lang vor Ort begleitet. "Das spielen wir aus im Mittagsmagazin, bei Radioeins und auch online. Das ist die Idee hinter den Content-Boxen. Wir stellen die Ideen in den Vordergrund und entwickeln ein gemeinsames Konzept, wie wir die Ideen für die unterschiedlichen Medien umsetzen können."

Schulte-Kellinghaus nannte als eines der zentralen programmlichen Projekte des rbb die Erneuerung des Vorabendangebots im rbb Fernsehen: "Wir werden den neuen Vorabend komplett live aus Potsdam senden. Die inhaltlichen Vorarbeiten haben begonnen, wir freuen uns auf einen Dreiklang aus Nachrichten mit Sport, einer Ratgebersendung und einem Talk. Wir freuen uns, dass wir bereits für viele Kolleginnen und Kollegen, die bis zur Umstellung für 'zibb' arbeiten, neue Beschäftigungsangebote gefunden haben, die Gespräche gehen noch weiter."

Der Chefredakteur des rbb, David Biesinger, der seit dem 1. April im Amt ist, verwies auf das in diesem Jahr etablierte Projekt der Regionalkorrespondenten in Brandenburg: "Hier arbeiten unsere Studios in Cottbus und Frankfurt (Oder) und die Redaktionen von Antenne Brandenburg und Brandenburg Aktuell zusammen. Insgesamt gibt es nun bald 14 Regionalkorrespondentinnen und -korrespondenten, die mit jeweils regionalen Schwerpunkten im ganzen Sendegebiet unterwegs sind."

Neben programmlichen und organisatorischen Veränderungen setzt der rbb auch im Unternehmensalltag neue Akzente. Dazu gehört ein neues Leitbild, das in den vergangenen Monaten gemeinsam von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Senders erarbeitet wurde. Patricia Schlesinger erklärte: "Sechs zentrale Werte beschreiben und stärken ab sofort das Miteinander im rbb. Wir sind experimentierfreudig, modern organisiert, publikumsorientiert, informiert, nachhaltig und divers. Der letzte Punkt liegt mir persönlich besonders am Herzen, deshalb haben wir die Erarbeitung einer rbb-weiten Diversity-Strategie zu einem der Unternehmensziele des rbb für 2021 gemacht".

Auf der Pressekonferenz trat Schlesinger Gerüchten entgegen, der rbb plane die Verlagerung von Hörfunkangeboten ins Netz: "Das ist Kolportage und beruht auf einem irreführenden Bericht über die Verhandlungen zum neuen rbb-Staatsvertrag. Richtig ist, dass wir uns wünschen, dass ein möglicher neuer Staatsvertrag die Empfangsvorlieben und -gewohnheiten unserer Nutzerinnen und Nutzer im Auge hat und sich die Frage stellt, ob wir unser Publikum vielleicht irgendwann und nur in einigen Fällen besser im Netz als über UKW erreichen. Aber dabei geht es nicht um heute, es geht noch nicht einmal um morgen. Dass die Verhandlungen nun unterbrochen sind, bedauern wir, aber wir respektieren es selbstverständlich. Was wir uns weiterhin wünschen, ist ein moderner, Flexibilität ermöglichender Staatsvertrag."

Schlesinger widersprach auch Berichten, dass der rbb 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des "zibb"-Magazins entlassen hätte. "Das stimmt nicht. 75 freien Kolleginnen und Kollegen haben wir gesagt, dass wir 'zibb' einstellen werden." Aber viele von diesen würden bei den neuen Aufgaben am Vorabend gebraucht. Es gebe weniger als zehn Mitarbeiter, für die der rbb aktuell keine Perspektive habe. "Aber wir sind auch noch nicht am Ende, sondern zuversichtlich, dass wir da was finden können. Ich war selbst jahrelang frei und weiß, was es da auch für Druck gibt", sagte Schlesinger.