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Prominente trommeln für Modellprojekt

Das Tübinger Modellprojekt wurde kurz vor seinem Ablauf am 18. April ein weiteres Mal verlängert - die anstehenden Änderungen des Infektionsschutzgesetzes könnten seine Fortführung aber gefährden. Prominente Vertreter aus Kultur, Politik und Wirtschaft setzen sich nun dafür ein, die Fortsetzung zu ermöglichen - auch weil sie notwendig sei, um valide Ergebnisse zu den Effekten einer Öffnung unter Testbedingungen zu erhalten.

19.04.2021 15:35 • von Marc Mensch
Tübingen bleibt geöffnet - vorerst (Bild: IMAGO/Eibner)

Während sich Bund und Länder bei der Frage bundesweit gültiger Lockdown-Regelungen angenähert zu haben scheinen (so sollen etwa Ausgangssperren nun erst ab 22 Uhr greifen, was Boulevardmedien prompt wieder zur "Ausgangssperre light" erklärten), bleibt immer noch unklar, was die Neuregelung konkret für Modellprojekte wie jenes in Tübingen bedeuten würde. Aus diesem Grund haben sich auf Initiative von Lisa Federle (der Initiatorin des Tübinger Projekts) und Jan Josef Liefers prominente Vertreter aus Kultur, Politik und Wirtschaft in einem offenen Brief an die Spitzen von Bund und Ländern gewandt, um dem wissenschaftlich begleiteten Projekt die Zukunft zu sichern.

Das Land Baden-Württemberg zöge mit, so wurde das Tübinger Modell nach einer ersten Verlängerung bis 18. April unmittelbar vor Ablauf der Frist ein weiteres Mal verlängert und soll nun zumindest noch in dieser Woche weiterlaufen, während man auf Klarheit beim Infektionsschutzgesetz hofft, das der Bundestag nach aktuellem Stand am Mittwoch verabschieden soll.

Im Zwischenbericht der Forschergruppe, der im Vorfeld der jüngsten Verlängerung vorgelegt worden war, wurde diese sogar als "erforderlich" bezeichnet, ließen sich doch nur auf diesem Wege hinreichend valide Daten zur Beurteilung der Effekte von Öffnungen unter Testbedingungen erlangen. In diesem Zusammenhang erklärte Professor Peter G. Kremsner als Leiter der Forschergruppe, dass sich eine dem Projekt zugrundeliegende These nach ersten Erkenntnissen bestätige: Die Annahme, dass umfangreiches Testen die Inzidenzen zwar zunächst steigen lasse, aber auf lange Sicht deutlich senke.

Insbesondere diesen Punkt greift Liefers auf, der beklagte: "Es gab bereits Konzepte, die alle über Bausch und Bogen wieder beendet wurden, bevor man wusste, wie gut sie funktionieren. Das war ein Fehler. Da müssen wir wieder hin."

Aus dem Brief, der laut dem Reutlinger General-Anzeiger Unterzeichner wie Moritz Bleibtreu, Anna Loos, Til Schweiger, Anna Maria Mühe, Wotan Wilke Möhring oder auch Ex-EU-Kommissar Günther Oettinger gefunden hat, zitiert das Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Wir appellieren an die Bundesregierung und das Parlament, das Pilotprojekt der Stadt Tübingen nicht zu beenden. Das Ziel sei es, durch viele Testungen die Inzidenz dauerhaft auf einem niedrigen Niveau zu halten und trotzdem ziviles Leben und Sozialkontakte nach und nach zu ermöglichen. "Die Fortführung des Projekts wäre ein Signal, dass nicht nur die Bürger des Landes, sondern auch deren Volksvertreter und die Regierung an Wegen interessiert sind, auch jene Defizite zu mildern, die abseits der Pandemiebekämpfung entstanden sind. Dabei würden keine inakzeptablen Risiken eingegangen."

In Österreich jedenfalls scheint man die Erfahrungen aus der Testregion Vorarlberg (wo die Inzidenzen zunächst massiv gestiegen waren) für ein landesweites Vorgehen zu nutzen: Kanzler Sebastian Kurz kündigte für Mai Öffnungsschritte für alle Bereiche an - mit massenhaften Tests.