Kino

Sebastian Kurz: "Die Freiheit ist zum Greifen nah"

Österreich will in den kommenden Wochen Detailpläne zur Öffnung aller Branchen erarbeiten. Wie Bundeskanzler Sebastian Kurz unmittelbar vor dem Wochenende ankündigte, seien erste Schritte landesweiter Maßnahmen wohl im Mai möglich - trotz einer Inzidenz, die deutlich über der hiesigen liegt. Tests, Masken und der geplante Grüne Pass für Geimpfte, Getestete und Genesene sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Über konkrete Details wird bereits spekuliert.

19.04.2021 11:05 • von Marc Mensch
Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag kündigte Kanzler Sebastian Kurz die Öffnungsschritte an (Bild: IMAGO/Eibner Europa)

Während sich die deutsche Politik aktuell im Streit um eine bundesweite Notbremse (und die Union in der K-Frage) zerfleischt, hat Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz unmittelbar vor dem Wochenende erklärt, dass die Öffnung sämtlicher Branchen im Nachbarland kurz bevorstehe. "Die Freiheit", so Kurz, "ist zum Greifen nah". Zumindest aus deutscher Sicht eine womöglich erstaunliche Aussage. Denn mit einer landesweiten Inzidenz von zuletzt rund 205 lag Österreich noch deutlich vor Deutschland mit etwa 160.

Besonders kritisch fällt der Blick auf die Modellregion Vorarlberg aus, wo die Sieben-Tage-Inzidenz seit Beginn der Lockerungen Mitte März von 63 auf zwischenzeitlich über 170 stieg, zuletzt aber wieder leicht fiel. Landesweit ging die Zahl der Neuinfektionen in jüngerer Zeit hingegen sogar deutlich zurück - und Kurz hat eine Erklärung für die vergleichsweise hohen Inzidenzen: Flächendeckende Tests. Gerade im Vergleich zu Deutschland gebe es in Österreich wohl eine erheblich geringere Dunkelziffer, so der Kanzler.

Nun also sollen bereits in den kommenden Wochen detaillierte Pläne zur landesweiten Öffnung aller Branchen erarbeitet werden. Zwar nannte Kurz noch keinen konkreten Zeitraum, allerdings sollen seiner Einschätzung nach erste Schritte für Gastronomie, Kultur, Tourismus und Sport wohl noch im Mai möglich sein - wobei man die Bereiche zeitgleich wieder "hochfahren" will. Eine zentrale Rolle soll dabei Tests, Masken und dem auf EU-Ebene geplanten "Grünen Pass" für Geimpfte, Getestete und Genesene zukommen. Vor allem flächendeckende Tests seien wesentliche Grundlage für die Pläne der Regierung. Zudem ermögliche der sprichwörtliche "Impfturbo" die Öffnungen.

Während die Regierung Details frühestens für Ende der Woche ankündigte, spekulieren österreichische Medien bereits auf Basis offenbar zirkulierender Arbeitsentwürfe. Demnach seien die Öffnungsschritte für 17. Mai vorgesehen - und der "Grüne Pass" soll konkret ab Juni zum Einsatz kommen, zu diesem Zeitpunkt würde für Geimpfte dann auch die Testpflicht entfallen. Nach derzeitigem Stand soll den Kinos diesen Spekulationen zufolge eine 50prozentige Auslastung ermöglicht werden - bei verpflichtender Vorlage eines negativen Tests durch die Besucher und einer FFP2-Maskenpflicht im Saal. Letzteres ein womöglich kritischer Punkt, sollte er mit einem Verzehrverbot einhergehen.

Ein interessantes Detail: Laut Wirtschaftskammerpräsident Hans Mahrer sei denkbar, landesweit auch auf verifizierbare, zuhause vorgenommene Selbsttests zu setzen. So sei es in Vorarlberg tatsächlich bereits möglich, Selbsttests per Videoaufnahme zu dokumentieren und zu registrieren - der in diesem Zuge erstellte QR-Code stellt quasi bereits eine Vorstufe zum "Grünen Pass" dar.

Unterstützung für Kurz' Kurs kommt - mit einem Seitenhieb gegen Deutschland - unter anderem auch vom Vizerektor der Medizinischen Universität Wien. Denn trotz aktuell viel härterer Maßnahmen erlebe Deutschland, anders als Österreich, einen Anstieg der Zahlen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz steht unterdessen durchaus unter Druck, für positive Schlagzeilen zu sorgen. Jüngst verzeichnete sein Kabinett den dritten Abgang, die Umfragewerte sinken seit geraumer Zeit auch im Zuge fragwürdiger Vorgänge wie der sogenannten "ÖVP-Schredderaffäre".