Kino

Cineplex Baunatal geöffnet

Seit heute und bis voraussichtlich 30. April kann das Cineplex Baunatal als erstes deutsches Multiplex wieder negativ getestete Gäste empfangen. Auch die Außengastronomie des Kinos und der Concessions-Verkauf sind offen, im Programm finden sich unter anderem Filme, deren Bundesstart erst noch bevorsteht. Die Stadt setzt bei ihrem Konzept auf die Luca-App.

15.04.2021 13:15 • von Marc Mensch
Mit vier Neustarts geht das Cineplex Baunatal in die erste Modellwoche (Bild: Volkan Basel/FTB Schäfer GmbH)

Im Rahmen des Projektes "Modellstadt Baunatal", das Anfang der Woche gestartet ist, hat nun auch das Cineplex Baunatal wie geplant seine Türen wieder geöffnet. Allerdings wie angekündigt zunächst nur mit drei seiner neun Säle (darunter die Vorzeigeauditorien mit 4K-RGB-Laserprojektion und Dolby Atmos) und zumindest in der ersten Woche gemäß der Vorgaben ausschließlich für die Bewohner der Kommune, was das Zielpublikum natürlich massiv einschränkt - Baunatal selbst hat weniger als 28.000 Einwohner.

Das Verfahren läuft ähnlich wie in Tübingen: An einer der offiziellen Teststationen wird bei negativem Ergebnis ein Tagesticket erteilt, das zum Besuch unter anderem des Kinos und der dort geöffneten Außengastronomie (des Restaurants "High Noon") berechtigt. Zudem werden die Gäste des Kinos gebeten, ihre Tickets vorab online zu erwerben und sich beim Betreten des Kinosaals über den Scan eines QR-Codes in der kostenlosen Luca-App ein- bzw. beim Verlassen wieder auszuchecken. Geöffnet ist im Cineplex auch der Concessions-Verkauf.

Beim Programm setzt man in den ersten vier Tagen auf eine breite Mischung zwischen Familienprogramm, Action, Komödie, Arthouse und Horror, wobei man neben Klassikern, Publikumshits aus 2020 und Titeln, deren Start kurz vor dem zweiten Lockdown lag, auch Filme ins Programm nehmen konnte, deren offizieller Bundesstart noch bevorsteht, konkret Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" von Prokino (Studiocanal), Kings of Hollywood" von Telepool (24 Bilder), "Malasana 32 - Haus des Bösen" von Studiocanal sowie "Silver Skates" von Kinostar, der gerade erst Premiere im Tübinger Autokino feierte.

Betreiber Wolfgang Schäfer hatte gegenüber Blickpunkt: Film bereits angekündigt, keine Filme einzusetzen, die das Kinofenster nicht beachteten, bzw. bei Streamern debütierten. Das betrifft beispielsweise Titel wie Wonder Woman 1984" und Raya und der letzte Drache" - wobei aus Vorarlberg (wo Kinos weiterhin geöffnet sein dürfen) ohnehin berichtet worden war, dass etwa Walt Disney für einen Modellversuch keine Kinofreigabe für "Raya" erteilt habe, obwohl man sich dafür auf Ebene der deutschen Führung eingesetzt hatte.

Wirtschaftlich, das hatte Schäfer bereits umgehend bei Bekanntgabe der Teilnahme am Modell klargestellt, sei das Projekt für das Kino selbstverständlich nicht. Allerdings hoffe man vor allem darauf, mit der modellhaften Öffnung auf wirtschaftlich tatsächlich tragbare Bedingungen für eine "echte" Wiedereröffnung hinwirken zu können, diesbezüglich arbeitet man nicht zuletzt eng mit dem Gesundheitsamt zusammen.

Planmäßig soll das Baunataler Modell zunächst bis 30. April laufen. Weiterhin ist jedoch unklar, wie viel Spielraum der bereits vom Bundestag verabschiedete Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes für Modellprojekte lässt. Der Deutsche Kulturrat hat bereits im Vorfeld der morgigen öffentlichen Anhörung zu den Gesetzesänderungen noch einmal nachdrücklich auf diesen Punkt hingewiesen. Unabhängig davon wird das Modellprojekt im hessischen Alsfeld übrigens schon wieder gestoppt, dort soll die Inzidenz den Voraussagen zufolge am Freitag zum dritten Mal in Folge die 200 überschreiten.

"Die Dynamik in der kreisweiten Inzidenz ist nicht auf Infektionen im Zusammenhang mit dem Einkauf in den Geschäften der Projektteilnehmer zurückzuführen", teilte Bürgermeister Stephan Paule in diesem Zusammenhang mit. Der hessische Sozialminister Kai Klose wiederum stellte fest, dass man davon überzeugt sei, dass die bereits gesammelten Erfahrungen nicht umsonst seien, sondern man daran werde anknüpfen können.

Unterdessen laufen übrigens Bemühungen, das Tübinger Modellprojekt über das aktuell geplante Ende am 18. April hinaus zu verlängern, Tübingens OB Boris Palmer betrachtet die bisherigen Resultate als Erfolg. Die grundsätzliche Beschränkung der Tagestickets auf Einheimische und die Schließung der Außengastronomie, mit denen man auf zwischenzeitlich gestiegene Inzidenzen reagierte, hatten zuletzt jedoch dazu geführt, dass das Kino Museum und das Atelier wieder schlossen, aktuell ist nur das Arsenal geöffnet - sowie seit 8. April zusätzlich das gemeinschaftlich von den Tübinger Kinos mitgetragene Sommernachts Autokino.