Kino

UPDATE: Eines der umsatzstärksten US-Kinos eröffnet nicht wieder

Die Arclight- und Pacific-Kinos in den USA, darunter mit dem Hollywood Arclight eines der umsatzstärksten Kinos des Landes, sollen dauerhaft geschlossen werden. Dass wenigstens einzelne Häuser neue Betreiber finden, ist zwar wahrscheinlich, aber das zunächst verkündete Aus ist Indikator für ein Problem, das auch anderen Kinounternehmen noch zu schaffen machen könnte.

13.04.2021 08:03 • von Jochen Müller
Das Hollywood Arclight, eines der umsatzstärksten Kinos der USA, wird nicht wieder öffnen (Bild: Imago/UPI Photo)

In der vergangenen Woche gab es noch Gerüchte, die Arclight- und Pacific-Kinos in den USA würden bereits am Memorial-Day-Wochenende Ende Mai - und damit vor dem von Gouverneur Gavin Newsom gesetzten Termin Mitte Juni für die Aufhebung des Corona-Clusters und der damit verbundenen Restriktionen - wieder öffnen. Doch jetzt teilte der Besitzer der Kinos, die in Los Angeles ansässige Decurion Corp., mit, dass die Kinos, darunter mit dem Hollywood Arclight am Sunset Boulevard auch eines der umsatzstärksten Kinos in den USA, gar nicht wieder öffnen werden. Das berichten US-Medien.

"Nachdem wir unsere Türen vor mehr als einem Jahr schließen mussten, müssen wir nun diese schwere und traurige Nachricht mitteilen, dass Pacific seine Arclight Cinemas und Pacific Theatres nicht wieder öffnen wird. Das ist nicht das Resultat, das irgendjemand gewollt hat, aber trotz großer Anstrengungen, bei denen wir sämtliche Optionen in Erwägung gezogen haben, gab es für das Unternehmen keinen gangbaren Weg", zitiert "Deadline.com" aus einem Statement der Decurion Corp.

Wie "Deadline.com" berichtet, bedeutet das aber nicht, dass die Kinokette, die außer in Los Angeles auch in Boston, Chicago, Washington und San Diego Kinos betreibt, insolvent ist. Vielmehr habe die Decurion Corp. den jeweiligen Vermietern der Häuser lediglich die Schlüssel für die Kinos zurück gegeben und es sei jetzt an diesen, zu entscheiden, wie die jeweiligen Immobilien künftig genutzt würden.

Unter Kinogängern genossen vor allem die Arclight-Kinos weit über die USA hinaus einen hervorragenden Ruf, nicht zuletzt wegen deren konsequenter Verpflichtung zu Qualität und Service. In Arclight-Häusern - von jeher Premiumkinos - gehörte es zum guten Ton, jede Vorstellung von einem Mitarbeiter anmoderieren zu lassen, der sich im Anschluss auch von den perfekten Einstellungen bei Bild und Ton überzeugte. Legendär ist selbstverständlich die Cinerama-Kuppel, die nicht nur architektonisch einmalig ist, sondern auch die weltweit größte geschwungene Leinwand ihrer Art beherbergt. Quentin Tarantino hatte ihr zuletzt in "Once upon a Time in Hollywood" ein Denkmal gesetzt.

Ob die Geschichte von Arclight und Pacific Theatres endgültig besiegelt ist, wird sich indes wohl zeigen müssen. Deadline jedenfalls spekuliert darüber, dass der Schritt eine verzweifelte Maßnahme gegenüber Vermietern ist, die zumindest in einzelnen Fällen noch Einsehen mit der Situation haben könnten.

Tatsächlich scheint sich die Situation für viele Kinos mit Erlaubnis der Wiedereröffnung insofern verschärft zu haben, als Vermieter nun verstärkt auf Zahlung der Miete pochen. Wie Indiewire berichtet, wurde Regal - die ihre Häuser bis Anfang März konsequent geschlossen gehalten hatten - unlängst zur Zahlung von 900.000 Dollar an Mietrückständen verurteilt, alleine für einen Standort in Boca Raton in Florida, wo etliche Häuser seit vergangenem Sommer offen sind. Laut der Recherchen von Indiewire hatte Immobilieneigentümer Terranova Regal zwar einen 20prozentigen Abschlag für den viermonatigen Zeitraum behördlich angeordneter Schließungen gewährt, mit der zumindest theoretischen Möglichkeit, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, aber die volle Miete verlangt.

Ähnlich verhielt es sich offenbar im Arclight Culver City. Anfang des Monats wurde an dessen Außenfassade eine vom Gläubiger angebrachte Mahnung entdeckt und über soziale Medien geteilt: In dieser Mahnung wurde mit einer sofortigen Beendigung des Mietverhältnisses gedroht, sollte die für März fällige Miete in Höhe von fast 182.000 Dollar nicht innerhalb von drei Tagen bezahlt werden.

Das Problem wäre natürlich ein massives, das auch anderen Unternehmen noch schwer zu schaffen machen könnte: Denn auch wenn der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird, auch wenn zunehmend Restriktionen fallen, auch wenn "Godzilla vs Kong" für etwas Belebung am Boxoffice sorgte: Bis zu einer weitgehenden Erholung der Zahlen ist es noch ein weiter Weg, auf dem aufgelaufene und künftige Mietzahlungen einen erheblichen Stolperstein darstellen könnten.

Unabhängig davon, ob die Decurion Corp. in Einzelfällen noch Einigungen mit ihren Vermietern erzielen kann, steht zu erwarten, dass zumindest einige der Standorte neue Betreiber finden werden. Hoffnung macht unter anderem ein Statement des Immobilienunternehmens Caruso, dem zwei der Komplexe gehören, in denen sich zwei große Standorte von Pacific Theatres befinden.

Gegenüber "Variety" erklärte man: "So traurig wir über die heutigen Nachrichten sind, dürfen sich die Einwohner von Los Angeles und Kinogänger im ganzen Land doch der Tatsache versichert wissen, dass es in unseren Immobilien immer auch einen Platz für das gemeinsame Filmerlebnis geben wird." Caruso hatte das Kino im Einkaufs- und Unterhaltungskomplex The Grove in Los Angeles über mehrere Jahre hinweg selbst betrieben; im Zuge des dortigen Erfolges seien mehrere Kinoketten an das Unternehmen herangetreten, man habe sich damals für Pacific Theatres entschieden. Caruso-CEO Rick Caruso weiter: "Unsere Kinos zählten konsistent zu den umsatzstärksten im Land, deshalb habe ich keinen Zweifel daran, dass sie bieten, wonach die Gäste suchen."

Das Aus für Arclight folgt der Insolvenz von Alama Drafthouse, wobei in letzterem Fall die Rettung wenigstens eines Großteils der Häuser angestrebt ist. Was aber beide Fälle zeigen: Die Pandemie reißt in den USA nicht unbedingt zuallererst Häuser minderer Qualität in den Abgrund - in diesen Fällen ist sogar das exakte Gegenteil der Fall.

Jochen Müller/Marc Mensch