Kino

Niedersachsen verschiebt Modellprojekte

Im Zuge der angekündigten Novellierung des Infektionsschutzgesetzes hat Niedersachsen den für diese Woche geplanten Start von Modellprojekten erst einmal auf Eis gelegt. Die Entscheidung trifft unter anderem mehrere Kinos, die sich zwischenzeitlich für eine Teilnahme entschieden hatten, darunter einmal mehr ein Multiplex.

12.04.2021 07:27 • von Marc Mensch
Mit "einiger Skepsis" entschied man sich im Braunschweiger Universum letztlich für die Öffnung im Rahmen des Modellprojekts - und zeigt sich nun enttäuscht über dessen Verschiebung (Bild: Universum Filmtheater)

In Tübingen nähert sich das erste Modellprojekt, in dessen Rahmen reguläre Kinos erstmals seit dem zweiten Lockdown wieder öffnen durften, seinem Ende zum 18. April. Im Arsenal wird weiterhin täglich gespielt, das Atelier befindet sich hingegen seit 8. April wieder im Dornröschenschlaf, nachdem die Stadt auf gestiegene Inzidenzen reagiert und die Außengastronomie vorerst wieder geschlossen hat, laut Betreiber Stefan Paul fiel damit ein wichtiges Umsatzstandbein, das den Betrieb des Atelier ermöglichte, wieder weg.

Auch wenn die Tagestickets für Auswärtige begrenzt waren, hatte Tübingen in den sommerlichen Tagen vor Ostern einen immensen Ansturm erlebt - mittlerweile werden Tagestickets nur noch an Einwohner des Landkreises oder in Tübingen Beschäftigte ausgegeben, einzig der Besuch von Kultureinrichtungen ist noch für Auswärtige (mit Schnelltest vor Ort) möglich. Wobei man offenbar beachten muss, dass die gestiegene Inzidenz in Tübingen auch mit der enormen Ausweitung der Tests zusammenhängen dürfte, zuletzt sollen etwa 8000 Tests durchgeführt worden sein - pro Tag. Die Dunkelziffer jedenfalls sei derzeit wohl nirgends so niedrig wie in Tübingen, wie unter anderem die Projektinitiatorin und Ärztin Lisa Federle erklärte. Auch das Kino Museum ist wieder geschlossen, dafür startete am 8. April ein von den Tübinger Häusern unterstütztes Autokino auf dem Festplatz.

Zwar hatten sich die Kinos im Saarland - auch wegen unklarer Bedingungen - zunächst geschlossen gegen Öffnungen ausgesprochen (erwartet wird, dass allenfalls das Filmhaus Saarbrücken als kommunal getragenes Haus in absehbarer Zeit öffnen könnte), dennoch sollten in den kommenden Tagen auch weitere Kinos in Deutschland in Modellversuche starten, darunter nicht zuletzt mit dem Cineplex Baunatal ein erstes Multiplex (wir berichteten). Aktuell ist dessen Teilöffnung noch für 15. April geplant, wenn Hessen nicht auch mit einer Verschiebung der Modelle auf die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes reagieren sollte.

Letzteres ist (nach Bayern) zumindest in Niedersachsen der Fall, wo sich bereits mehrere Kinos für die Öffnung in ihren "Modellkommunen" entschieden hatten. Schon Anfang des Monats hatten die Betreiber des Welttheater Einbeck erklärt, am dortigen Modellprojekt teilnehmen und ihr Haus möglichst bald wieder öffnen zu wollen (wir berichteten), mittlerweile kamen weitere Kandidaten hinzu.

Leicht gefallen war den Betreibern des Braunschweiger Universum Filmtheater die Entscheidung allerdings nicht, zumal die AG Kino-Gilde im Vorfeld von der Beteiligung abgeraten habe, wie Volker Kufahl der "Braunschweiger Zeitung" schilderte. Letztlich entschied man sich aber, ein Signal zu setzen. So heißt es auf der Website:

"Unter großer Unsicherheit und mit einiger Skepsis haben wir uns entschieden, am Braunschweiger Modellprojekt teilzunehmen und unser Kino ab Donnerstag, 15.4. zu öffnen. Es war eine Sache der Abwägung. Klar, die Rahmenbedingungen entsprechen nicht unseren Vorstellungen - die obligatorische Nutzung der Luca-App und die Vorlage eines negativen Schnelltests sind zusätzliche Hürden für einen Kinobesuch. Von dem Risiko, das Projekt aufgrund der Pandemieentwicklung vorzeitig abbrechen zu müssen, ganz zu schweigen. Und wirtschaftlich ist dieses Projekt schon gar nicht. Andererseits möchten wir Ihnen und auch uns die Möglichkeit eröffnen, endlich wieder einmal Kultur zu erleben. Aus den eigenen vier Wänden rauskommen, einen Kinoabend in Gesellschaft zu verbringen. Von Filmkunst auf der großen Leinwand angeregt zu werden, auf andere Gedanken zu kommen, sich inspirieren zu lassen. Wie sehr vermissen wir das. Wir meinen, das lohnt den Aufwand. Trotz der widrigen Umstände werden wir versuchen, Ihnen einen angenehmen Abend zu bereiten. Wir freuen uns auf Publikum - wir freuen uns auf Sie."

Ebenfalls öffnen sollte das Braunschweiger Astor Filmtheater - wenngleich erst am 22. April, denn wie Theaterleiter Frank Oppermann gegenüber der "Braunschweiger Zeitung" erklärte, sei der Vorlauf für ein Haus seiner Größenordnung zu kurz gewesen, so habe erst Ostersamstag festgestanden, dass Braunschweig Modellkommune werden solle. Ähnlich wie im Cineplex Baunatal wäre das Astor Filmtheater aber nicht mit allen acht, sondern wohl nur vier Sälen an den Start gegangen - wobei man dort, ganz anders als im Cineplex, vor allem auf Netflix-Titel wie "Mank" oder "Neues aus der Welt" gesetzt hätte, um das Programm zu bestreiten. Das für ein breitgefächertes Filmangebot eine bundesweite Öffnung der Kinos vonnöten sei, hatte Oppermann ebenfalls erklärt.

Nun aber ist den niedersächsischen Modellen erst einmal ein Riegel vorgeschoben worden, am gestrigen Sonntag haben die niedersächsische Landesregierung und die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Niedersachsens die Verschiebung der niedersächsischen Modellprojekte bis zum Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene beschlossen. Volker Kufahl sprach von einer "Hiobsbotschaft" - schließlich hatte man bereits viel Energie in die für 15. April geplante Öffnung gesteckt...