Kino

Nur knapp über Null: Das erste Kinoquartal in Deutschland

Comscore hat seine vorläufige Bilanz für die ersten drei Monate 2021 vorgelegt - und es ist praktisch nur einigen wenigen Autokinos zu verdanken, dass es überhaupt Zahlen zu vermelden gibt. Die so erschütternd sind, wie sie es angesichts eines durchgehenden Kultur-Lockdowns sein mussten.

09.04.2021 11:29 • von Marc Mensch
"Greenland" ist der bislang meistgesehene Kinofilm 2021 in Deutschland (Bild: Tobis)

Einen "Wellenbrecher-Lockdown" nannten Bund und Länder im Oktober das, was reguläre Kinovorführungen seit November flächendeckend verhindert - nach wie vor ohne Aussicht auf ein Ende. Zwar ist man längst wieder so weit, Urlaubsflieger zu besetzen, abseits von Modellprojekten auf Basis massenhafter Tests, die allerdings unter anderem mit extrem strikten Kapazitätsbeschränkungen versehen sind, blieben die Kinosäle seit mittlerweile mehr als fünf Monaten dunkel. Die Konsequenz ist glasklar: Hinter der deutschen Kinobranche liegt das bislang mit Abstand düsterste Quartal der Pandemie, ein Zeitraum, der nahezu von einem kompletten Totalausfall geprägt ist.

Einzige Ausnahme waren (abgesehen von den drei Tübinger Kinos) die Autokinos - und selbst diese durften beileibe nicht in jedem Bundesland geöffnet werden. Ein Umstand, der - vergleichbar der Untersagung privater Vermietungen von Kinosälen - wohl kaum auf Sicherheitsbedenken zurückgeführt werden kann. Was besonders frustrierend sein muss: Selbst innerhalb der Länder gibt es erneut Unterschiede - so kann ein Autokino im bayerischen Wackersdorf spielen, während etwa in Aschheim bei München die Leinwand nach wie vor dunkel bleiben muss... Führend in Sachen Autokino waren jedenfalls Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Für einen neuerlichen Autokino-Boom, wie man ihn 2020 erlebt hat, gibt es derzeit übrigens keinerlei Anzeichen.

Letzten Endes waren es alles in allem wohl deutlich weniger als zwei Dutzend Kinos, aus denen Ergebnisse gemeldet werden konnten - dementsprechend reichte es beim Boxoffice am Ende nicht ganz für siebenstellige Sphären. Laut der vorläufigen Zahlen von Comscore (ein Update steht für Anfang kommender Woche zu erwarten) wurden zwischen 7. Januar und 7. April 2021 insgesamt 893.722 Euro in deutschen Autokinos (sowie gegen Ende des Quartals in den drei Tübinger Kinos) mit dem Verkauf von 117.501 Tickets umgesetzt. Vom Vorjahresergebnis blieb weniger als ein Prozent, der Einbruch beläuft sich auf 99,5 Prozent.

Unter den 72 Filmen, die im ersten Quartal zum Einsatz kamen, fanden sich laut Comscore immerhin drei Neustarts - doch schon die Anzahl an Startlocations für jene beiden Debütanten, die es in die Top 50 schafften, signalisiert, wie verschwindend klein die Auswertungsbasis war. "The Evil Next Door" von Splendid startete am 18. Februar in drei Locations und brachte es bislang auf knapp 6600 Besucher; Ein Doktor auf Bestellung" von SquareOne/Paramount feierte Deutschlandpremiere in zwei Locations am 4. März - und erreichte bisher rund 2300 Besucher.

Die Topfilme des abgelaufenen Quartals waren der kurz vor dem "Wellenbrecher-Lockdown" gestartete Greenland", der es im laufenden Jahr auf immerhin knapp 25.000 Besucher brachte und der sein Gesamtergebnis damit auf gut 285.000 schraubte. Auf Rang 2 folgt Dauerbrenner Nightlife" mit rund 15.000 Besuchern und einem Gesamtergebnis von knapp 1,4 Mio. Zuschauern. Bronze ging an Tenet" mit rund 7000 verkauften Tickets und einem Gesamtresultat von mittlerweile fast 1,7 Mio. Besuchern. "Ältester" Titel in den Top 10 war "Aladdin", dessen gut 7000 Besucher (aufgrund niedrigerer Ticketpreise als bei "Tenet") für Position 4 reichten. Apropos Ticketpreise: Diese sanken gegenüber dem Vorjahresquartal im Schnitt von 8,59 Euro auf 7,61 Euro.

Neustarts aus deutscher (Ko-)Produktion gab es 2021 bislang nicht zu vermelden, dennoch lag der Marktanteil für deutsche Filme (in einem völlig irregulären Markt) vergleichsweise hoch: bei 33,8 Prozent nach Umsatz und 34,6 Prozent nach Besuchern, jeweils erzielt mit 25 in der Auswertung befindlichen Titeln.

Auch wenn dieser Titel denkbar wenig wert ist, erwähnt sei die Tatsache der Vollständigkeit halber: Warner war deutscher Marktführer im ersten Quartal, mit 27,2 Prozent der Umsätze und 26,1 Prozent der Besucher; ganze 13 Filme des Hamburger Majors wurden in den Autokinos 2021 gespielt, mehr als von jedem anderen Verleih. Von Tobis etwa fanden sich nur drei Filme auf den Leinwänden, diese reichten aber für 20,4 Prozent der Umsätze und 21,1 Prozent der Besucher und damit Rang 2. Bronze ging an die Constantin (10,5 bzw. 10,8 Prozent) unter deren fünf im Einsatz befindlichen Titeln Das perfekte Geheimnis" hervorstach. Nicht Teil der Bilanz sind übrigens Titel wie der von Netflix kommende Neues aus der Welt", der im Tübinger Museum am ersten Wochenende des modellhaften Spielbetriebs der Toptitel war und auch in Autokinos zum Einsatz kommt.