Kino

KOMMENTAR: Wir haben's doch gesagt!

So gebetsmühlenartig wir bei Blickpunkt:Film seit Anbeginn der Pandemie wiederholt haben, dass die Menschen in die Kinos zurückkehren werden, wenn es wieder möglich ist, so wenig konnten wir das mit entsprechenden Zahlen belegen.

07.04.2021 07:44 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

So gebetsmühlenartig wir bei Blickpunkt:Film seit Anbeginn der Pandemie wiederholt haben, dass die Menschen in die Kinos zurückkehren werden, wenn es wieder möglich ist, so wenig konnten wir das mit entsprechenden Zahlen belegen. Naja, der Start von Tenet" im vergangenen Spätsommer gab zumindest einen kleinen Vorgeschmack darauf, dass man mit der Nibelungentreue zum Erlebnis Kino nicht ganz falsch liegt.

Aber seither ist noch einmal ein bitteres halbes Jahr vergangen, in dem sich die Branche einmal selbst so sehr umgekrempelt hat, dass es unwahrscheinlich ist, es könne jemals wieder so sein wie es einmal war, zuletzt im unerreichten Rekordjahr 2019. Vielmehr sind die Allgegenwart der Streamer, verkürzte Fenster und Day-and-Date-Starts selbst potenzieller Hollywood-Blockbuster bereits so sehr Realität unseres pandemiebedingten Alltags, dass man sich eher fühlt wie der einsame Rufer im Wald, wenn man immer noch glaubt an das vermeintliche Auslaufmodell Kino. Die bisher anämischen Zahlen aus den nach und nach wieder eröffneten Kinos in den USA machten es einem schwer, überzeugend zu argumentieren:.

The numbers don't lie. Zumindest ein Hauch von Verzweiflung schwang mit, wenn man sich über das Startergebnis von Tom & Jerry" mit 14 Mio. Dollar freute. 2019 wäre man mit diesem Einspiel mit großer Mühe bestenfalls unter den 50 besten Starts des Jahres gelandet. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Man muss nehmen, was man kriegen kann.

Und jedes Lebenszeichen ist ein gutes Lebenszeichen. Speziell wenn man davon überzeugt ist, dass es nur eine Momentaufnahme ist, dass es unter besseren Bedingungen und mit zugkräftigeren Filmen wieder bergauf gehen wird.

Dass nun ausgerechnet "Godzilla vs Kong" der Film ist, mit dem das Kino in den USA erstmals wieder mit den Fäusten auf die Brust trommelt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Vor zwei Jahren wurden nach dem eher schwachen Start von "Godzilla II: King of the Monsters" noch Zweifel geäußert, ob es eine wirklich kluge Entscheidung von Legendary/Warner Bros. gewesen war, grünes Licht für das Monster-Mash-Up zu geben. Nun ist "Godzilla vs Kong" in den USA mit 48,5 Mio. Dollar in etwas mehr als 3000 Kinos nicht nur besser gestartet als der Vorgänger. Er hat seine exorbitant guten Zahlen schreiben können, obwohl der Film parallel auf HBO Max gestartet wurde und obwohl die Maximalauslastung in den meisten Kinos weiterhin nur 25 Prozent beträgt.

Lust auf Kino? Darauf können Sie wetten - wenn das Angebot stimmt und die Menschen das Gefühl haben, sie gehen keine gesundheitlichen Risiken ein. Amerika hat's also gut bei seiner beachtlichen Impfrate (zuletzt vier Mio. Impfungen am Tag). Trösten wir uns, dass dieser Tag auch in Deutschland bald kommt. Und Kino dann wieder eine Rolle spielt, egal was die Streamer parallel anbieten.

Thomas Schultze, Chefredakteur