Kino

"Wir sind überzeugt, dass Kinoexklusivität von Interesse für alle Parteien ist"

Anlässlich der Vorstellung der Jahreszahlen gab Cineworld-CEO Mooky Greidinger auch erste Informationen zum Stand der Verhandlungen mit anderen Studios, nachdem man Anfang der Woche einen wegweisenden Fensterdeal mit Warner geschlossen hatte.

25.03.2021 15:21 • von Marc Mensch
Cineworld befindet sich in Gesprächen mit Universal zum Kinofenster (Bild: IMAGO/Parsons Medie)

Auch wenn die Zahlen Ausdruck anhaltender Risiken für den Fortbestand der weltweit zweitgrößten Kinokette waren - die ersten Verluste, die Cineworld in seiner Geschichte in einer Jahresbilanz ausweisen musste (und das gleich in Milliardenhöhe), verkamen bei einem an deren Vorstellung anschließenden Analystengespräch beinahe zur Randnotiz. Vielmehr stand der wegeisende Fensterdeal mit Warner (der ganz nebenbei auch ein Ende der Day&Date-Strategie des Studios ab 2022 signalisierte) im Zentrum des Interesses.

CEO Mooky Greidinger jedenfalls sprach erneut von einem Meilenstein - und zeigte sich mit Blick auf die bevorstehende Öffnung der Regal-Kinos in den USA optimistisch. Erste Reaktionen auf die Neuigkeit seien "überaus ermutigend" ausgefallen.

Unterdessen befindet sich Cineworld in Verhandlungen mit weiteren Studios über das künftige Kinofenster und die damit verbundenen Konditionen - und zu den engsten Gesprächspartnern zählt erwartungsgemäß (und wie bereits von uns vermutet) Universal. Jenes Studio, das als erstes in der Pandemie Abkommen mit einer ganzen Reihe führender Ketten über deutlich (auf 17 bzw. 31 Tage) verkürzte Auswertungsfenster geschlossen hatte.

Noch haben sich Cineworld und Universal nicht geeinigt, Greidinger sprach davon, dass man nach wie vor eine "finanzielle Lösung" finden müsse - was sich auf eine Beteiligung an PVoD-Erlösen ebenso beziehen kann wie auf die Leihmieten, die in Branchenkreisen als Bestandteil des Abkommens mit Warner gehandelt werden. Wovon sich Cineworld aber bereits jetzt verabschiedet, ist der Boykott von Universal-Titeln, die mit kurzem Fenster auf die Leinwand kommen. "Wir haben zwar noch keinen Vertrag, aber das bedeutet nicht, dass wir Universal-Filme nicht zeigen", erklärte Greidinger vielsagend. Zur Erinnerung: Noch im Juli 2020 hatte er erklärt, man sehe "keinen Sinn" in jenem Modell, das dem Vertragsschluss zwischen AMC und Universal zugrunde lag.

Generell gab sich der Cineworld-CEO überaus diplomatisch, sprach von "allseits guten Gesprächen" und lies sich auch angesichts der jüngsten Ankündigung von Disney, Black Widow" sowie Cruella" direkt in die PVoD-Auswertung zu holen und mit Luca" nach "Soul" auch den nächsten Pixar-Titel den Kinos gleich gänzlich vorzuenthalten, nicht aus der Reserve locken. Man analysiere diese Neuigkeit, warte auf ein Angebot von Disney und werde auch mit ihnen reden, hieß es schlicht.

Grundsätzlich zeigte sich Greidinger überzeugt, dass die Frage der Auswertungsfenster mit dem Ende der Pandemie auch wieder von mehr Stabilität geprägt sein würde. "Wir glauben fest daran, dass Kinoexklusivität im Interesse aller Parteien ist", so der CEO. "Und solange diese Exklusivität in irgendeiner Weise aufrecht erhalten bleibt, werden wir uns behaupten können und werden die Menschen in die Kinos strömen." Für die Studios sei doch ohnehin offensichtlich, dass ein Film in nachgelagerten Verwertungsstufen bzw. im Merchandising umso erfolgreicher sei, je erfolgreicher er im Kino sei.