Kino

Kim Ludolf Koch: "Ich hoffe auf Fairness und Vernunft"

Während die Öffnung der deutschen Kinos wieder in weitere Ferne gerückt ist, tritt der größte deutsche Kinoverbund bereits jetzt für die Klärung der Rahmenbedingungen nach Ende der Pandemie ein. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer von Cineplex.

23.03.2021 15:06 • von Marc Mensch
Cineplex-Geschäftsführer Kim Ludolf Koch (Bild: Mike Auerbach)

Kinoöffnungen ab 22. März? Diese ohnehin höchst vage Hoffnung hatte sich spätestens einige Tage vor der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz zerschlagen, als immer mehr Länder angesichts der bundesweit steigenden Sieben-Tage-Inzidenz schon vorab den Verzicht auf weitere (bzw. sogar die Rücknahme von) Lockerungen erklärten. Die Perspektive ist damit im Grunde unklarer als je zuvor. Aus Sicht von Kim Ludolf Koch ist aber gerade jetzt die Zeit, über die Rahmenbedingungen des Kinobetriebs zu sprechen - und zwar nicht nur über mögliche gesetzliche Auflagen, sondern insbesondere auch über die Auswertungskonditionen, allen voran das Kinofenster. Ein Gespräch mit dem Geschäftsführer von Cineplex Deutschland:

BLICKPUNKT: FILM: Anfang März wurde im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz ein Stufenplan erstellt, der für die Wiedereröffnung von Kinos das zumindest theoretische Datum 22. März nannte. Nun wurde der damit verbundene Lockerungsschritt angesichts der steigenden Infektionszahlen zunächst ausgesetzt - aber wie hilfreich wäre er überhaupt gewesen?

KIM LUDOLF KOCH: Natürlich wollen wir unsere Häuser so schnell wie möglich wieder öffnen - allerdings müssen wir so arbeiten können, dass wir die Verluste gegenüber einer Schließung nicht noch vergrößern. Dabei geht es nicht nur um die Frage der Auflagen, sondern auch um die Filmversorgung. Diesbezüglich bleibt es bei der klaren Forderung, für die sich Kino- und Verleiherverbände gemeinsam stark gemacht haben: Wir brauchen einen zeitlich eng begrenzten Korridor, in dem wirklich alle Kinos bundesweit wieder aufmachen können. Insofern war der Stufenplan eher als Orientierung zu werten, wie die Politik mit Blick auf weitere Öffnungsstrategien denkt. Letztlich hat sich leider gezeigt, dass die wirklich hervorragend koordinierten Bemühungen der Branche, klar zu kommunizieren, was für uns Voraussetzung für einen zumindest halbwegs wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb wäre, komplett überhört wurden. Nach derzeitigem Stand werden wir mit einem ähnlichen Flickenteppich zu kämpfen haben wie im Frühjahr 2020 - und das ist frustrierend, da wir eigentlich der Auffassung waren, dass die Politik unsere Anliegen verstanden hätte. Alles in allem kann man nicht davon sprechen, dass der Stufenplan - der sich ja ohnehin als wackeliges Konstrukt erwies - eine wirkliche Öffnungsperspektive geboten hätte, erst recht nicht in Anbetracht der zu erwartenden Auflagen.

B:F: Sie beziehen sich auf das Anfang März von Kulturstaatsministerin Monika Grütters vorgelegte Eckpunktepapier zu Kulturveranstaltungen unter Pandemiebedingungen?

KOCH: Damit ist uns im Grunde ein Bärendienst erwiesen worden. Einer unserer Gesellschafter, der Ingenieur ist, hat sich mit den konkret im Papier genannten Zahlen und Testraumbeispielen auseinandergesetzt und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Ergebnisse eigentlich durchaus hilfreich für die Kinos wären, die ja hervorragende Rahmenbedingungen bieten können. Leider stehen die begleitenden Erläuterungen, wo von einer unbedingten Maskenpflicht und einem damit einhergehenden Verzehrverbot auch bei 50prozentiger Auslastung die Rede ist, in grobem Widerspruch dazu. Unsere Befürchtung ist natürlich, dass sich die lokal zuständigen Gesundheitsämter auf solche Passagen ungeprüft verlassen, weil sie die physikalischen Grundlagen nicht nachvollziehen können - und entsprechende Beschränkungen dann in den Verordnungen der Länder landen. Dazu muss man unabhängig von einem in einem Stufenplan genannten Datum leider sagen: Auflagen, die neben dem Mindestabstand auch eine Maskenpflicht und ein Verzehrverbot beinhalten, liefern uns keine Öffnungsperspektive. Insofern würde für uns - und ich denke, das gilt beileibe nicht nur für Cineplex - womöglich ohnehin im Raum stehen, eine erste Phase mit extremen Einschränkungen überspringen zu müssen. Zudem darf natürlich kein On-Off-Betrieb entstehen, wir benötigen Öffnungsschritte, die nicht kurzfristig widerrufen werden.

B:F: Nun waren Öffnungsschritte bis zuletzt weiter an einen Inzidenzwert gekoppelt - wobei der nun ausgesetzte Schritt erstmals auch Lockerungsmaßnahmen im Bereich zwischen 50 und 100 vorgesehen hätte - gekoppelt an eine Teststrategie. Wie könnte sich eine solche auf die Öffnungsperspektiven für Kinos auswirken?

KOCH: Dazu ist klipp und klar zu sagen: Kinos können auf gar keinen Fall selbst die Last massenhafter Tests tragen, weder logistisch noch finanziell. Vorschläge, wie sie beispielsweise an die Gastronomie adressiert wurden, man könne dort ja Ideen entwickeln und für Tests Zelte vor dem Haus errichten, sind zumindest für unsere Branche völlig absurd. Gleichzeitig halte ich es für überzogen, Kinos ähnliche Vorkehrungen aufzuoktroyieren wie der Gastronomie, schließlich sprechen wir von zwei Bereichen mit einer völlig unterschiedlichen Gefährdungslage.

B:F: Aber wäre der Knackpunkt nicht schlicht ein System, wie es in anderen Ländern (vor allem Israel, wenngleich dort für Geimpfte) oder unter anderem auch im Rahmen eines Modellprojekts in Tübingen praktiziert wird? Ein Modell, in dem das per Test erlangte Zertifikat die "Eintrittskarte" für viele Bereiche des öffentlichen Lebens darstellt?

KOCH: Das wäre eine zumindest deutlich praxistauglichere Lösung. Denn ehrlich gesagt bezweifle ich, dass sich potenzielle Besucher in ausreichender Zahl ausschließlich für einen Kinobesuch einem doch mehr oder minder zeitaufwändigen Test unterziehen würden. Das sähe bei einer zahlreiche Bereiche umfassenden Strategie anders aus. Im Prinzip ist es ja auch absolut vernünftig, den Gefährdungsstatus jedes Einzelnen zu betrachten, denn auf Dauer sind Grundrechtseinschränkungen für negativ Getestete oder Geimpfte nicht haltbar. Aber diese Aufgabe darf auf gar keinen Fall auf die Unternehmen abgewälzt werden, diese können nur nach klaren Regeln erstellte Zertifikate überprüfen, idealer Weise solche, die in einer App hinterlegt sind. Dennoch bleibt grundsätzlich zu sagen, dass wir Schnelltests als Zugangsvoraussetzungen für einen Kinobesuch eher kritisch gegenüberstehen, da wir eine solche Maßnahme angesichts des geringen Gefährdungsgrades für unangemessen halten.

B:F: Was stellen Sie sich denn unter den gegebenen Umständen als grobe zeitliche Perspektive für eine tatsächliche Wiedereröffnung auf breiter Front vor?

KOCH: Das ist aktuell leider wieder extrem schwierig zu sagen. Noch vor einem guten Monat, als die Inzidenzen täglich fielen, durfte man ja durchaus darauf hoffen, dass man bis Ostern in vielen Regionen sogar bei Werten um die 35 ankommen könnte. Leider hat sich die Entwicklung völlig gedreht. Aktuell gehe ich davon aus, dass man frühestens Anfang Mai wieder ernsthaft über Öffnungen wird reden können, wahrscheinlich noch später.

B:F: Kann die Hoffnung auf Öffnungen innerhalb des zweiten Quartals unter wirtschaftlich tragbaren Auflagen noch realistisch sein - insbesondere in Anbetracht der infektiöseren Mutationen?

KOCH: Sie sind sicherlich nicht der Einzige, der an dieser Stelle skeptisch ist. Vieles wird davon abhängen, wie sich der Umgang mit der Situation entwickelt, schließlich gibt es zunehmend Stimmen, die ein Abrücken von der isolierten Betrachtung der Inzidenzen fordern. So oder so wird die Frage der Auflagen entscheidend sein: Wenn Kinos bundesweit unter Voraussetzungen arbeiten könnten, wie dies im Sommer 2020 in NRW der Fall war - also keine Maskenpflicht am Platz und Möglichkeit der Unterschreitung des Mindestabstands von 1,50 Meter, wenn die Kundendaten erfasst werden - dann wäre uns massiv geholfen. Und um dies noch einmal zu betonen - diese Auflagen haben offensichtlich völlig ausgereicht, um jegliche Infektion in einem Kino zu unterbinden. Letztlich bleibt uns auch gar keine andere Wahl, als für Bedingungen mit Augenmaß einzutreten: Denn solange wir nicht einen gewissen Mindestbesuch ermöglichen können, werden die Verleiher keine Filme starten.

B:F: So oder so werden Kinos wohl noch auf längere Sicht auf Hilfen angewiesen sein - und zu behaupten, dass dieses Thema ein wenig problembehaftet ist, wäre wohl eine erhebliche Untertreibung. Wie hat sich die Situation in den vergangenen Monaten entwickelt?

KOCH: Leider hat man von vorneherein den gravierenden Fehler begangen, die Pandemie bei der Frage der Hilfen nicht wie eine Naturkatastrophe zu behandeln, bei der Entschädigungen für tatsächlich entstandenen Schaden fließen. Stattdessen hat man beihilferechtliche Instrumentarien herangezogen, die eigentlich den Zweck haben, Wettbewerbsungleichheiten zu minimieren - und die in dieser Situation ironischer Weise exakt das Gegenteil bewirkten. So ist man ganz schnell an Obergrenzen gestoßen, die in keiner Weise geeignet waren, die tatsächlich bei vielen Kinos auflaufenden Schäden auch nur annähernd adäquat abzufedern - was bekanntermaßen vor allem für die etwas größeren oder verbundenen Unternehmen galt und gilt. Mit der Anhebung der Beihilfegrenzen hat sich das zwar etwas gebessert, aber noch nicht ausreichend. Zudem ist das ganze System gegenseitig verschränkter und sich teils ausschließender Hilfen derart komplex, dass selbst die Wirtschaftsministerien der Länder nicht mehr in der Lage sind, Auskunft darüber zu geben, wie die einzelnen Maßnahmen miteinander korrelieren und was man vernünftigerweise beantragen sollte. Das wird komplett auf unsere Steuerberater abgewälzt, für die dieses Geflecht auch völlig neu ist. Und selbstverständlich ist es ein massives Problem, dass sich die Auszahlungen zugesagter Hilfen so lange hinziehen. Unter dem Strich würde ich zwar sagen, dass einem großen Teil des Kinomarktes mit den Hilfen, die für 2020 gezahlt wurden oder noch gezahlt werden, für das Jahr das Überleben gesichert wurde. Aber wenn man die Hilfen auf die relevante Größe Besucher umrechnet, gibt es gewaltige Abweichungen zwischen unterschiedlichen Haus- und Unternehmensgrößen und den einzelnen Bundesländern.

B:F: Blicken wir einmal perspektivisch auf einen Wiedereröffnungstag X und die Frage des unmittelbar verfügbaren Contents: In der ersten Wiedereröffnungsphase hatten es die Cineplex-Kinos abgelehnt, Filme einzusetzen, deren Auswertung sich nicht am üblichen Fenster orientierte. Wie wird man nach dem zweiten Lockdown mit dieser Frage umgehen?

KOCH: Niemand bestreitet, dass wir uns in einer Sondersituation befinden. Ebenso dürfte klar sein, dass man ihr womöglich nicht mit einem Standardvorgehen begegnen kann. Allerdings stellt sich die Lage für uns so dar, dass man die Entscheidung, wie man Filme behandelt, die uns in dieser Ausnahmelage mit teils drastisch reduzierten Fenstern angeboten werden, im Grunde nur treffen kann, wenn man parallel dazu Vereinbarungen für die Zeit nach dem Ende der Pandemie trifft. Die Abweichung vom alten "Normal" kann man eigentlich nur dann verhandeln, wenn man das neue "Normal" mit regelt. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Wenn ich weiß, dass wir wieder zu einer vernünftigen Form der Filmauswertung gelangen, sind Zugeständnisse in der Ausnahmesituation leichter denkbar.

B:F: Das "neue Normal" impliziert, dass Sie nicht von einer kompletten Rückkehr zum vorherigen Status Quo ausgehen...

KOCH: Wir gehen tatsächlich davon aus, dass man Regelungen, wie sie vor der Pandemie primär auf Basis eines sogenannten "Gentlemen's Agreement" befolgt wurden, in dieser Form vermutlich zu den Akten legen muss. Umso wichtiger ist es, schon jetzt über neue Vereinbarungen zu sprechen, die dann greifen, wenn wieder ein normaler Kinobetrieb ohne Einschränkungen möglich ist. Meine Idealvorstellung wäre eine Kinoexklusivität von 100 Tagen für alle Filme, auch die hierzulande geförderten. Das wäre weniger als die bislang üblichen vier Monate für internationale Filme - und deutlich weniger als die bisherigen sechs Monate für geförderte Produktionen, die aber an dieser Stelle nicht benachteiligt werden dürfen. Das hat unlängst ja schon Martin Moszkowicz sehr zutreffend bei Ihnen ausgeführt.

B:F: Angenommen, diese 100 Tage könnten eine Verhandlungsbasis sein - würden Sie dann zusätzliche Flexibilisierungen innerhalb dieses Zeitraums befürworten?

KOCH: Wie Sie wissen, schaue ich gerne ins Nachbarland Frankreich, das auch hier vorbildlich ist. Der HDF fordert ein angepasstes französisches Modell, das explizit auch ein flexibles Element beinhaltet. Das Auswertungsfenster quasi automatisch für Filme zu kürzen, die eine bestimmte Besucherzahl innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nicht erreichen, wäre eine vernünftige Regelung, zumal uns durchaus bewusst ist, dass die sogenannte "dark period", also der Zeitraum, in dem ein Film im Prinzip nirgends ausgewertet wird, für jeden Produzenten eine extrem unerfreuliche Phase ist. Eine für alle Filme verbindliche Sperrfrist, die sicherlich kürzer als die aktuell geltenden sein müsste, würde eine Grundlage für Gespräche geben, die geführt werden müssen. Wenn diese stattfinden, kann man auch über Ausnahmen in Zeiten sprechen, in denen Kinos keinen regulären Betrieb anbieten können - wie großzügig diese ausfallen, hängt dann unter anderem auch davon ab, inwieweit Ausnahmen tatsächlich Ausnahmen bleiben sollen und wie lange das neue "Gentlemen´s agreement" dann hält.

B:F: Ausnahmen würden dann gegebenenfalls auch Filme erfassen, die schon während der anhaltenden Kinoschließungen einer anderweitigen Auswertung zugeführt wurden?

KOCH: Nein, damit würden wir eine rote Linie überschreiten. Filme wie Wonder Woman 1984" oder Raya und der letzte Drache", die ihre Premiere außerhalb des Kinos hatten, werden zumindest bei Cineplex nicht auf die Leinwand kommen.

B:F: Aber widerspricht das nicht dem, wofür FFA-Vorstand Peter Dinges jüngst eintrat - Verständnis dafür zu haben, dass Studios irgendwann gezwungen sind, Filme zu monetarisieren?

KOCH: Dieses Verständnis ist doch da, deswegen sind wir bereit, über Ausnahmen zu sprechen. Im Übrigen denke ich nicht, dass wir es mit grundsätzlich widerstreitenden Interessen zu tun haben: Die Studios kennen und schätzen den Wert einer vernünftigen Kinoauswertung. Es gab übrigens schon vor vielen Jahren interessante Vorstöße für flexiblere Regelungen. Ich erinnere nur an eine letztlich versandete Initiative von Kinowelt aus dem Jahr 2005, in deren Rahmen ein Modell zur Debatte gestellt wurde, das je nach Länge des Kinofensters eine Reduzierung der Filmmiete um bis zu 17 Prozentpunkte vorsah. Das wäre auch heute noch ein interessanter Ansatz. Denn wenn ein Film für das Kino mangels ausreichender Exklusivität an Wert verliert, dann muss sich das in den Konditionen widerspiegeln. Wobei man natürlich genau betrachten muss, was nach dem Ende des Fensters geschieht: Eine PVoD-Auswertung, bei der der Abruf eines Films noch 20 oder 30 Euro kostet, wäre sicherlich anders zu beurteilen, als die kostenlose Verfügbarkeit innerhalb eines SVoD-Abos.

B:F: Könnten die Kinos über (PVoD-)Modelle, bei denen Studios der gesamte Umsatz ohne Mittelsmann zufließt, nicht unter Druck geraten, eher höhere Deckungsbeiträge pro Ticket leisten zu müssen, um als Plattform wirtschaftlich interessant zu bleiben?

KOCH: Diese Gefahr sehe ich nicht. Denn es ist doch unbestritten und durch diverse Studien belegt, dass eine Kinoauswertung maßgeblich mitentscheidend für den Erfolg auf den weiteren Plattformen ist. Das gilt insbesondere für Filme, die nicht auf einer etablierten Marke aufbauen können. Hinzu kommt: Es wird viele Verbraucher geben, die nicht ein halbes Dutzend Streamingdienste abonnieren wollen oder können. Und je kleiner oder ungewöhnlicher der Film, desto größer ist die Gefahr seiner Marginalisierung in der digitalen Auswertung. Wobei ich sicherlich eingestehe, dass die Verhandlungsposition der Kinos in einem Punkt schwach ist: Denn niemand außer den Betreibern der Plattformen selbst hat belastbare Zahlen zu den Abrufen bzw. Umsätzen, die dort mit den einzelnen Filmen generiert werden. Das steht Verhandlungen auf Augenhöhe natürlich im Weg.

B:F: Können Kinos unterdessen zumindest ein wenig Zuversicht aus den Zahlen schöpfen, die zeitgleich auf HBO Max gestartete Filme wie Tom & Jerry" oder der längst digital erhältliche Langläufer Die Croods - Alles auf Anfang" erzielen?

KOCH: Zum einen denke ich, dass Family Entertainment einen ganz besonderen Reiz ausübt, das Haus zu verlassen, um als Familie endlich wieder gemeinsam etwas zu erleben. Zudem ist womöglich noch gar nicht in der Breite angekommen, wie sich die Fenster für diese Filme verändert haben. Das wäre bei einer dauerhaften Maßnahme sicher anders - und würde sich dann auch stärker auf das Besuchsverhalten auswirken.

B:F: Haben Sie nach wie vor grundsätzlich Zuversicht, dass das Kino zu alter Stärke zurückfinden kann?

KOCH: Noch gibt es leider nur wenige Länder, die als Indikatoren für eine Erholung des Marktes nach der Pandemie dienen können - allerdings gibt es noch keinen Fall, in dem trotz der Wiederherstellung zumindest halbwegs normaler Verhältnisse dramatische Einbrüche festzustellen wären; gerade die Zahlen aus China stimmen uns sehr zuversichtlich. Eine große Herausforderung wird natürlich die Frage der Investitionen sein. Viele unserer Gesellschafter hatten Rücklagen gebildet, um gezielt vor allem während der verschobenen EM 2020 modernisieren oder ausbauen zu können... Diese Rücklagen wurden aufgezehrt - und die traurige Ironie ist, dass die Reserven jener, die zuvor wirtschaftlich gearbeitet hatten, teilweise die Hilfen reduzierten. Es wird also eine ganze Weile dauern, wieder Fahrt aufzunehmen. Programmatisch sehe ich hingegen keine Probleme. Es warten mehr als genug attraktive Filme in der Pipeline. Wichtig wäre aber, dass wir sie zu Bedingungen zeigen können, die das Kino - und in der Folge die gesamte Wertschöpfungskette - nicht nachhaltig beschädigen. In diesem Sinne hoffe ich auf Fairness, Vernunft und die Bereitschaft, miteinander zu reden.

Das Gespräch führte Marc Mensch