Kino

Cineworld einigt sich mit Warner auf verkürztes Kinofenster

Wo geht es mit dem Kinofenster für Warner-Filme ab 2022 hin? Ein Abkommen mit der weltweit zweitgrößten Kinokette liefert einen überaus klaren Indikator - und es handelt sich um einen erheblich kürzeren Zeitraum als die vor der Pandemie üblichen vier Monate.

23.03.2021 09:28 • von Marc Mensch
Cineworld akzeptiert die Day&Date-Strategie von Warner für 2021 - und hat ab 2022 Abkommen über massiv verkürzte Fenster geschlossen (Bild: Cineworld)

Einer der entschiedensten Verfechter des traditionellen Kinofensters hat eine mehrjährige Vereinbarung mit Warner getroffen. Diese regelt nicht nur den Einsatz der Filme des Studios bei der zweitgrößten Kinokette der Welt, sondern liefert auch klare Anzeichen dafür, welche Fensterstrategie seitens des Studios ab 2022 zu erwarten ist.

Zum kompletten Statement von Cineworld.

Cineworld gab in einer Mitteilung an seine Investoren bekannt, dass die seit November vergangenen Jahres konsequent geschlossenen Häuser der US-Tochter Regal (ihrerseits die Nummer 2 im dortigen Markt) Anfang April wieder öffnen sollen - und das unter Einsatz der zeitgleich auf HBO Max startenden Warner-Filme. Für Cineworld kommt dieser Schritt einer Revolution gleich, hatte sich Mooky Greidinger doch bislang so strikt gegen die Aufweichung des Kinofensters positioniert wie kein anderer CEO einer der weltweit führenden Ketten.

So soll die Wiedereröffnung der Regal-Häuser bereits am 2. April mit einigen wenigen Standorten beginnen, die dann (unter anderem) "Godzilla vs Kong" einsetzen, ein größerer Öffnungsschritt soll dann zum 16. April erfolgen, wenn "Mortal Kombat" in die Kinos und ins Streaming geht.

Womöglich noch interessanter als die Tatsache, dass sich nun auch Cineworld in dieser Ausnahmesituation auf die Day&Date-Auswertung der Warner-Titel einlässt, ist das mehrjährige Abkommen, das man mit dem Studio geschlossen hat: Ab 2022 werden Warner-Titel demnach den Kinos für 45 Tage exklusiv zur Verfügung stehen, was auch "bestimmte Bedingungen" umfasse, die in der Mitteilung jedoch nicht benannt werden.

Für Großbritannien, den Heimatmarkt von Cineworld, wurde sogar ein noch kürzeres Fenster ausgehandelt. Demnach sollen Warner-Titel dort künftig 31 Tage lang exklusiv in den Kinos laufen, bevor sie in eine PVoD-Auswertung gehen (SVoD wird an dieser Stelle explizit nicht genannt); für Filme, die zum Start eine vorab vereinbarte (in der Mitteilung nicht näher definierte) Umsatzhürde nehmen, soll ein 45tägiges Fenster gelten. Cineworld erwartet, seine Kinos in Großbritannien ab Mitte Mai öffnen zu können, zumindest würde dies der Fahrplan der Regierung aktuell noch ermöglichen.

Die Vereinbarung mit Warner sieht ein längeres Kinofenster vor, als dies in Verträgen zwischen AMC, Cinemark oder dem kanadischen Marktführer Cineplex mit Universal vorgesehen ist. Hier ist ein Mindestzeitraum von nur 17 Tagen vor einer PVoD-Auswertung vorgesehen, der sich bei Erreichen bestimmter Umsatzziele auf 31 Tage verlängert (wobei das Studio im Einzelfall natürlich auch längere Kinoexklusivität gewähren kann). Dass Cineworld nun ebenfalls ein Abkommen mit Universal schließen wird, ist durchaus wahrscheinlich, ob es zu den obengenannten Konditionen sein kann, darüber lässt sich aktuell nur spekulieren. AMC-CEO Adam Aron hatte erst unlängst bei Vorstellung der Quartalszahlen seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, dass es zwischen den einzelnen Studios bzw. Ketten zu abweichenden Vereinbarungen kommen werde.

Viacom/CBS wiederum hatte Ende Ferbuar anlässlich der Vorstellung des hauseigenen Streamingdienstes Paramount+ angekündigt, dass Titel wie "Mission: Impossible 7" oder "A Quiet Place 2" bereits 45 Tage nach dem Kinodebüt dort zu finden sein werden.

Mooky Greidinger jedenfalls spricht davon, dass man "sehr glücklich" über die Vereinbarung mit Warner sei. Sie unterstreiche das Bekenntnis von Warner zum Kinogeschäft. "Wir betrachten die Vereinbarung als Meilenstein in unserer 100jährigen Geschäftsbeziehung mit Warner", so der Cineworld-CEO.