Kino

UPDATE: Tübinger Kinos melden ausverkaufte Vorstellungen

Während die Ministerpräsidentenkonferenz Deutschland heute aller Wahrscheinlichkeit nach wieder auf die Reise in einen verschärften Lockdown schickt, zeigt die baden-württembergische Stadt Tübingen einen anderen Weg auf - und für die Kinos hat sich das Modell "Einlass gegen Test" am vergangenen Wochenende ausgezahlt.

22.03.2021 10:42 • von Marc Mensch
Das Tübinger Kino Museum (Bild: HubertQ/Stadtwiki Tübingen)

Während sich schon zu Beginn der vergangenen Woche abzeichnete, dass die ursprünglich für 22. März vorgesehenen Lockerung in vielen Bundesländern nicht kommen, sondern in Hotspots sogar durch neue Verschärfungen der Maßnahmen ersetzt werden würden (bis zum Wochenende war dieser Schritt in vielen Bundesländern bereits bestätigt), war in der baden-württembergischen Stadt Tübingen ein Modellprojekt gestartet, das im Prinzip einlöste, was Bundeskanzlerin Angela Merkel eigentlich noch für März für ganz Deutschland versprochen hatte: Eine konsequente Teststrategie, die für alle Personen mit negativem Ergebnis den Zugang zu Einzelhandel, Gastronomie und Kultur gewährte.

Ein Konzept, das angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung immer alternativloser erscheint, dem gegenüber gerade in Reihen der Kinos aber noch erhebliche Skepsis vorherrscht - insbesondere aufgrund der offenbar nicht ganz unberechtigten Sorge, die Politik könne die Verantwortung für Tests ernsthaft auf die Unternehmen selbst abwälzen wollen.

Aber zurück zu Tübingen: Am vergangenen Wochenende hatten sich auch die dortigen Kinos Atelier und Arsenal von Stefan Paul sowie das Kino Museum von Martin Reichart an dem Projekt beteiligt - wobei sich insbesondere Reichart im Vorfeld noch nicht allzu optimistisch gezeigt hatte: Angesichts der Rahmenbedingungen, die neben der Vorlage des Testergebnisses auch Abstandsregeln und das Tragen einer FFP2-Maske im Saal - und damit ein Verzehrverbot - beinhalteten, war er von "keinem guten Besuch" ausgegangen, hatte aber gleichwohl den Standpunkt vertreten, dass es den Versuch "allemal wert" sei.

Sein Fazit nach den beiden Öffnungstagen? "So kann es bleiben." Mit über 600 Besuchern seien die Vorstellungen am Wochenende ausverkauft gewesen - natürlich (leider) nur im Rahmen des Möglichen, was angesichts der Abstandsregeln eine Maximalauslastung von rund 25 Prozent bedeutete. Aber immerhin. Gäste hätten teilweise Wege von bis zu 100 km auf sich genommen, um wieder ein Kino besuchen zu können. Dass der Topfilm im Museum am Wochenende mit Neues aus der Welt" ein Netflix-Titel war, sieht Reichart laut einem Bericht des "Schwäbischen Tagblattes" zwar mit gemischten Gefühlen, wolle man doch an sich lieber Filme zeigen, die für das Kino gemacht seien. Aber die positive Bilanz trübt das nicht - das Museum wird auch am kommenden Wochenende wieder öffnen, sollte das Modellprojekt plangemäß fortgesetzt werden können.

Von einem "sehr erfolgreichen" Wochenende mit "durchweg ausverkauften Vorstellungen und überglücklichen Gästen" sprechen die Arsenal Kinobetriebe am heutigen Montag. Die Kinos Atelier und Arsenal sollen für die Laufzeit des Projekts nun sogar dauerhaft geöffnet bleiben und in den Tagesbetrieb übergehen. Betreiber Stefan Paul hatte dem "Schwäbischen Tagblatt" schon zuvor von einem "vollen Erfolg" berichtet, auch für den heutigen Montagabend seien für den Topfilm im Atelier, Der Rausch", bereits keine Karten mehr zu bekommen. Wie Theaterleiter Dieter Betz zwischenzeitlich ergänzte, hatte man für diesen Film bereits am Wochenende zwei Zusatzvorstellungen angesetzt, um zumindest an möglichst viele der Interessenten Tickets vergeben zu können.

Auch wenn dies im Rahmen des Projektes übrigens durchaus nicht Pflicht war - schließlich waren mehrere Teststationen in der Innenstadt eingerichtet worden - aber Tests waren auch vor Ort im Kino möglich, laut Reichart habe man von der Stadtverwaltung zu diesem Zweck 400 Schnelltests erhalten. Von Problemen beim Prozedere berichtet er nicht. Auch in den Kinos Arsenal und Atelier konnten am Sonntag direkt vor Ort Tests durchgeführt werden, wie Betz berichtet. Insbesondere dadurch, dass in der Stadt ausreichend Teststationen eingerichtet worden seien, sei der zeitliche Aufwand zur Erlangung des "Tagestickets" für die Kinogäste überschaubar ausgefallen.

Unterdessen könnte nur ein Faktor den Schwung erst einmal ein wenig bremsen: Denn wie schon vor Start des Modells in den Raum gestellt, erwägt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, die Testmöglichkeit auf Bewohner*innen des Landkreises einzuschränken, um allzu großem Zustrom von Auswärtigen einen Riegel vorzuschieben - schließlich könnte ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu einem Abbruch des Modellversuchs führen.

Interessiert zeigen sich an diesem übrigens nicht nur weitere Landkreise: Auch die Branche ist längst auf das Projekt aufmerksam geworden - so sammeln nicht zuletzt Verleiher eifrig Feedback von den ersten beiden deutschen Kinobetreibern, die 2021 wieder Vorstellungen anbieten konnten...