Produktion

"Schweigend steht der Wald" vor Drehstart

Saralisa Volm, die als Schauspielerin in der Branche begann, bereitet mit dem Lola-prämierten Produzenten Ingo Fliess ihr Langfilmregiedebüt vor. Der Thriller mit Mysteryelementen und historischem Bezug wartet mit einer schönen Besetzung auf.

23.03.2021 13:41 • von Heike Angermaier
Saralisa Vom und Ingo Fliess realisieren "Schweigend steht der Wald" (Bild: Jana Rodenbusch/if)

Saralisa Volm, die als Schauspielerin in der Branche begann und für Klaus Lemke vor der Kamera stand, bereitet gemeinsam mit Ingo Fliess ihr Langfilmregiedebüt Schweigend steht der Wald" vor. Das Multitalent produziert auch mit ihrer Firma Poison. Wolfram Fleischhauer, der für "Die Frau mit den Regenhänden" mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde, schrieb die Romanvorlage und das Drehbuch zum Film, der in einer außergewöhnlichen Mischung einen Mysterythriller mit historischen Tatsachen verknüpft. Im Zentrum steht eine junge Frau, die als Forstpraktikantin in das abgelegene Waldgebiet in der Oberpfalz zurückkehrt, in dem ihr Vater einst verschwand, als sie ein Kind war. Ein Mord passiert und die Pflanzen deuten auf Verbrechen, die noch viel länger zurückliegen.

Volm, die mit ihrer 2014 gegründeten Berliner Firma federführend produziert, begann mit der Entwicklung des Stoffes bereits im Sommer 2015 kurz nach dem Dreh ihrer ersten Langfilmproduktion Fikkefuchs", bei der sie bereits mit Fleischhauer zusammenarbeitete. Er schrieb mit Regisseur und Hauptdarsteller Jan-Henrik Stahlberg das Drehbuch zum Indieprojekt. Volm fand leicht Zugang zu "Schweigend steht der Wald". Sie ist in Bayern aufgewachsen und Wald, Naturforschung sei ihr sehr nahe, so Volm. Ihre Mutter ist Botanikerin. So konnte sie sich gut in die Hauptfigur des Romans versetzen. Um einen Langfilm auf die Beine zu stellen, brauche man einfach mehr Zeit, den Stoff zu durchdringen, das Projekt reifen zu lassen als bei einem Kurzfilm, so Volm zur sechsjährigen Entstehung. Sie inszenierte zuvor u.a. den Kurzfilm "Am Draht der Zeit", der 2018 ausgezeichnet wurde.

Für ihr Projekt Partner zu finden, sei nicht ganz einfach gewesen, so Fliess, Produzent und Geschäftsführer der Münchner if, der für Ilker Cataks Es gilt das gesprochene Wort" im vergangenen Jahr mit der Lola ausgezeichnet wurde: "Mit einem Debüt gibt man ein großes Versprechen ab, aber man kauft auch die Katze im Sack, noch dazu wenn es sich um ein Debüt handelt, das mit den Genres jongliert", so Fliess. Volm sprach ihn als einzigen Produzenten an, ob er mit einsteigen wolle: "Ich suchte Jemanden, der inhaltlich arbeitet, auch als Korrektiv für mich als Regisseurin und Produzentin. Und da ich in Bayern an Originalschauplätzen drehen wollte, brauchte ich Jemanden vor Ort", so Volm. Fliess stammt aus der Oberpfalz und realisierte dort das preisgekrönte historische Drama Wackersdorf" mit Regisseur Oliver Haffner. "Die Oberpfalz wurde von der Staatsregierung vernachlässigt und eignet sich deswegen gut für historische Filme. Als Oberpfälzer sehe ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge", so Fliess, der erklärt, warum sie unbedingt an Originalschauplätzen drehen wollten:

"Ein Film braucht einen Ort, keinen fiktiven, sondern einen inneren. Wir sind von den amerikanischen Independentfilmen geprägt, die wir bewundern und die nicht zufällig an einem Ort spielen, sondern dessen Landschaften, Milieus und Gesichter mit erzählen." "Auch die Architektur, die kleinen Fenster etwa sind speziell in der Oberpfalz", ergänzt Volm, für die es eine glückliche Fügung war, dass FFF Bayern erst die Entwicklung und im vergangenen Dezember mit 350.000 Euro auch die Produktion von "Schweigend steht der Wald" förderte. Das ermöglichte dem Duo erst, vor Ort zu drehen. BKM förderte ebenfalls. Bayerischer Rundfunk, Hessischer Rundfunk, Saarländischer Rundfunk und Arte sind weitere Partner. Alpenrepublik übernimmt den Verleih in Deutschland, Blue Fox Entertainment den Weltvertrieb. "Eine US-Firma wie Blue Fox sieht eher das Potenzial eines Genrestoffes als eine deutsche Firma, die sich mit Genre schwer tut", so Fliess.

Er lobt seine Partnerin und genießt die Zusammenarbeit mit ihr: "Saralisa ist eine spannende Allroundkünstlerin und dabei völlig entspannt, so dass ich ihr mühelos die Regie für einen Langfilm zugetraut habe." Außerdem schätzt er Koproduktionen: "Ich würde gerne viel öfter Koproduktionen machen, aber in diesem System lohnt es sich wirtschaftlich nicht, weil die Margen für die Produzenten in der Herstellung zu niedrig sind. Bei "Schweigend steht der Wald" war es strategisch sinnvoll, eine Allianz zwischen Berlin und Bayern zu bilden."

Das Buch von Fleischhauer beschreibt er als "brillanten Wurf". "Ich fand die Idee spannend, dass Pflanzen Indikatoren für Geschichte sein können und dass diese düstere deutsche Geschichte auch ohne Schwarz-Weiß-Denken und simples Täter-Opfer-Schema erzählen kann", so Fliess. "Der Wald wie er in den Märchen erzählt wird, ist ein ideales Thema für das Mysterygenre und wird natürlich auch visuell eine große Rolle spielen. Mit Roland Stuprich haben wir einen außergewöhnlichen Kameramann gewinnen können, dessen Arbeiten genau das klar gesetzte Licht- und Schattenspiel und die unerbittlich beobachtende Bildsprache aufweisen, die ich suche." ergänzt Volm.

Geplant ist, ab Mitte April zu drehen. Volm und Fliess schließen die Locationsuche und gemeinsam mit Stephanie Maile die Besetzung ab. Henriette Confurius, die in Tribes of Europa" zu sehen ist, spielt die weibliche Hauptrolle, neben ihr Noah Saavedra aus Und morgen die ganze Welt" als gleichaltriges männliches Pendant, die Schauschpielschwergewichte Josef Bierbichler und Johannes Herrschmann verkörpern die nächste Generation. Volm wird nicht mitspielen, sondern sich auf Regie und Produktion konzentrieren. Maile war bereits bei "Fikkefuchs" und "Wackersdorf" fürs Casting zuständig. Mit Szenenbildnerin Renate Schmaderer ist ein weiteres bei "Wackersdorf" bewährtes Crewmitglied an Bord des Projekts. Zum Stab gehört außerdem Kostümbildnerin Teresa Grosser, Stuprich und Produktionsleiter Patrick Volm-Dettenbach. Er ist Mitgesellschafter bei Poison und Executive Producer bei der Werbefilmproduktion Element E.

Momentan unterwerfen Volm und Fliess ihr Projekt gemeinsam mit ihrem Team einem "Reality Check", wie die Ideen unter den Low-Budget-Bedingungen eines Debütfilms, der historisch ist - er spielt 1999 umgesetzt werden können. Zur Verfügung stehen nur 23 bis 25 Drehtage. Darüber, ob oder bei welchen Festivals der fertige Film laufen könnte, wie er vermarktet werden soll, wollen sich die beiden noch keine Gedanken machen. Das könne man erst anhand des fertigen Filmes beurteilen.

Auf die Frage, wie Volm, die außer als Regisseurin und Produzentin des Projekts auch als Geschäftsführerin ihrer Firma wirkt, beim Produzentenverband die Nachwuchsstudie mit betreut, Ausstellungen kuratiert, Bücher schreibt und dabei Mutter von vier Kindern ist, all das unter einen Hut bekommt, sagt sie: "Man muss sich Zeit freischaufeln und organisieren, gerade im Lockdown, wo auch noch Homeschooling ansteht. Am wichtigsten ist Priorisieren. Aber ich bin ja nicht alleine, sondern habe ein tolles Team.".

Mit Poison und Deutschfilm entwickelt sie ihre nächste Regiearbeit, das Dokumentarfilmprojekt Zwischen Welten" über drei Frauen, die in verschiedenen Kulturen leben und den Psychothriller "Pelikan" von Igor Plischke, geschrieben von Roderick Warich. In der letzten Märzwoche steht der Dreh des Kurzfilm Ilse" von Autorin Judith Hoersch und Regisseurin Claudia Engl über eine Krankenschwester in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs an.

Unter den Projekten in der Pipeline bei if... ist neben "Schweigend steht der Wald" eine weitere Koproduktion. Mit der Wiener Nikolaus Geyrhalter Film bereitet Fliess die Familienkomödie "Geschichten vom Franz" nach Christine Nöstlingers Büchern vor. Sie soll unter der Regie von Johannes Schmid im Sommer in Wien und München mit u.a. Ursula Strauss und Sophie Rois gedreht werden. In Arbeit sind außerdem die Naturdokumentarfilme "Im Land der Wölfe" von Ralf Bücheler und Vogelperspektive" von Jörg Adolph. Mit beiden Filmemachern hatte Fliess bereits kurz nach Gründung seiner Firma 2007 Filme realisiert. Fertiggestellt ist das Langfilmregiedebüt von Schauspielerin Katharina Marie Schubert Das Mädchen mit den goldenen Händen", in den Startlöchern steht außerdem der neue Film von Çatak "Das Lehrerzimmer".