Kino

Marktforschung: Kino nach Corona - Teil fünf

Der zweite, längere Lockdown ist nicht ohne Auswirkungen auf das Verhältnis des Publikums zum Kinobesuch geblieben. Dies zeigt sich u.a. bei den Erwartungen an Sicherheitsmaßnahmen bzw. der Bereitschaft, diese mitzutragen. Klar ist jedoch: Sowohl eine Masken-, als auch eine Testpflicht würden das Publikum spalten. Einigkeit herrscht laut der aktuellen Befragung von S&L Research aber bei einem ganz zentralen Punkt: Die Sehnsucht nach einem Kinobesuch ist gewachsen.

12.03.2021 14:32 • von Marc Mensch
Ausgewählte Ergebnisse der Studie (Bild: S&L Research)

Seit dem ersten Lockdown erstellte S&L Research wiederholt per Umfrage aktuelle Stimmungsbilder der Kinogänger - und die jüngste Analyse durfte man mit besonderer Spannung erwarten, erfolgt sie doch während eines Lockdowns, der den ersten zeitlich längst überrundet hat - und vor dem Hintergrund von Inzidenzwerten, die jene im Frühjahr und Sommer 2020 deutlich übersteigen.

Und um gleich mit einer guten Nachricht einzusteigen: Keine Frage, die Sehnsucht nach dem Kino nimmt zu - auf einer Skala von 1 - 5 geben 75 Prozent der befragten Kinogänger an, das Kino sehr zu vermissen (Skalenwert 1 oder 2) - während des ersten Lockdowns im Mai 2020 lag dieses Ergebnis nur bei 66 Prozent und hat somit deutlich zugenommen. Vermisst werden aber nicht nur die Filme an sich (72 Prozent) - gerade das Erlebnis Kino mit großer Leinwand und guter Bildqualität (77 Prozent) sowie die Atmosphäre im Kino (76 Prozent) sind Aspekte, die den Kinobesuchern fehlen.

Die Studie bestätigt auch weiterhin, dass die allermeisten Kinogänger die Rückkehr ins Kino grundsätzlich nicht in Frage stellen: 84 Prozent wollen "sehr wahrscheinlich" oder "wahrscheinlich" wieder ins Kino gehen - im September lag der Wert mit 86 Prozent auf fast dem gleichen Level. Allerdings sind die Kinogänger im zweiten Lockdown etwas zurückhaltender hinsichtlich des Zeitpunkts der Rückkehr - 72 Prozent geben an, innerhalb von zwei Monaten wieder ins Kino gehen zu wollen, im April 2020 lag dieser Wert noch bei 84 Prozent, im Mai 2020 bei 76 Prozent. Andererseits geben 49 Prozent der befragten Kinogänger an, dass sie es kaum erwarten können wieder ins Kino zu gehen - die unter 30-Jährigen äußern dies häufiger als die über 30-Jährigen. Mit den Wiedereröffnungen sollte jedoch eine breite Kommunikation stattfinden: 29 Prozent der Kinogänger haben momentan keine Vorstellung über kommende Filmstarts, 43 Prozent wissen nur von einigen wenigen Titeln.

Ein Blick auf die Gruppe der Befragten, die zwischen dem ersten und zweiten Lockdown im Kino gewesen ist, zeigt jedoch, dass nicht jeder, der grundsätzlich die Absicht hatte, ins Kino zu gehen, dies auch umgesetzt hat: nur jeder zweite Befragte (50 Prozent) gibt an, in der Zeit ein Kino besucht zu haben. Die fehlenden Filmneuheiten werden als einer der Hauptgründe genannt, weshalb das Kino noch nicht wieder besucht wurde. Wie auch in der vorangegangenen Studie zeigt sich, dass insbesondere die älteren Befragten zurückhaltender waren.

Vergleicht man die Quote der Rückkehrer zwischen den Lockdowns mit anderen Freizeitaktivitäten (jeweils basierend auf jenen Befragten, die diesen Aktivitäten auch vorher nachgegangen sind), positioniert sich das Kino im Mittelfeld: Restaurant (77 Prozent), Einkaufscenter (71 Prozent) und öffentlicher Nahverkehr (63 Prozent) wurden häufiger genutzt, das Fitnesscenter (47 Prozent) liegt auf etwa dem gleichen Level, während dem Reisen mit Flugzeug, Zug oder Bus (31 Prozent), dem Besuch von Sportveranstaltungen (zwölf Prozent), Konzerten (acht Prozent) und Clubs/Diskotheken (fünf Prozent) seltener nachgegangen wurde (die Angaben umfassen im Einzelfall ggf. auch Aktivitäten in Urlaubsländern mit abweichenden Corona-Regeln; Anm.d.Red.). Das empfundene Sicherheitsgefühl für die einzelnen Aktivitäten spiegelt sich hier deutlich wider (siehe Grafik). Dass das Kino als vergleichsweise sicher angesehen wird, ist vermutlich auch bedingt durch die mittlerweile deutlich größere Bekanntheit wissenschaftlicher Studien, die für einen Kinobesuch nur ein geringes Corona-Infektionsrisiko ausweisen - fast jeder Zweite (47 Prozent) kennt diese.

Von den Besuchern, die zwischen den Lockdowns im Kino gewesen sind, wählten 82 Prozent der Befragten die Schulnote 1 oder 2 um ihr Sicherheitsgefühl im Kino zu bewerten - ein etwas geringerer Wert als im September, als dies noch 88 Prozent angaben. Dass die Bewertung in der Rückbetrachtung etwas schlechter ausfällt, kann auch damit zusammenhängen, dass zum damaligen Befragungszeitraum der Inzidenzwert mit 14 deutlich niedriger war als im aktuellen Zeitraum, noch eine gewisse Sommer-Euphorie vorherrschte und wir zwischenzeitlich eine starke zweite Infektions-Welle hatten.

Insgesamt 90 Prozent der befragten Kinogänger geben an, sich "voll und ganz" oder zumindest "meistens" an die Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie zu halten und so erwarten sie für die Wiedereröffnung der Kinos dann auch wieder die bekannten Sicherheitsmaßnahmen: Abstand zwischen den Sitzplätzen und im Kino allgemein, Mund- und Nasenschutz sowie eine gute Belüftung werden am häufigsten als notwendig erachtet. Auffällig ist, dass die Akzeptanz des Tragens eines Mund- und Nasenschutzes auch während der Filmvorstellung im Vergleich zur letzten Befragung deutlich zugenommen hat: 44 Prozent der Befragten akzeptieren dies (September 2020 - 31 Prozent), für 13 Prozent ist es sogar zwingende Voraussetzung für den Kinobesuch (zuvor neun Prozent). Jedoch würden immer noch 44 Prozent (zuvor 60 Prozent) auf den Kinobesuch verzichten, wenn sie eine Maske tragen müssten. Sollte es nicht mehr erlaubt sein, den Mund- und Nasenschutz für den Verzehr von Speisen und Getränken abzunehmen, so fänden das viele Kinogänger (47 Prozent) zwar schade, aber akzeptabel, 24 Prozent würden dann jedoch lieber auf den Kinobesuch verzichten (siehe Grafik).

In der Studie wurde auch nach der Akzeptanz von Schnelltests als möglicher Voraussetzung für einen Kinobesuch gefragt. Bereits jetzt wären 54 Prozent der Befragten bereit, vor dem Kinobesuch einen Schnelltest durchzuführen. Jeder zweite Kinogänger gibt an, dass er sich deutlich sicherer fühlen würde, wenn alle Besucher einen tagesaktuellen Schnelltest vorweisen müssten - interessanterweise sind es für diese beiden Fragen eher die jüngeren Kinogänger (unter 30), die dem zustimmen, als die älteren. 32 Prozent geben jedoch an, auf den Kinobesuch verzichten zu wollen, wenn ein Schnelltest vorausgesetzt wird (eher die Befragten über 30). Ein möglicher Schnelltest sollte jedoch kostenlos sein, denn nur 19 Prozent der Befragten wären willens dafür zu bezahlen. 55 Prozent der befragten Kinogänger würden sich zudem wünschen, dass der Test in der Nähe des Kinos durchgeführt wird. Im Vergleich mit anderen Freizeitaktivitäten liegt die Akzeptanz des Tests für das Kino auf einem hohen Niveau - nur für das Verreisen mit Flugzeug, Zug oder Bus wären noch mehr Befragte bereit einen Schnelltest durchzuführen - allerdings wurden für diese Studie auch nur Kinogänger befragt (siehe Grafik).

Ein weiterer Themenblock widmete sich dem Thema Streaming: Zwar geben 90 Prozent der Kinogänger an, dass sie in den letzten zwölf Monaten mindestens einen Streamingdienst abonniert hatten (führend sind Netflix und Amazon Prime), aber nur sechs Prozent der Inhaber eines Streamingabos sind der Meinung, dass sie in den letzten Wochen so viele Filme geschaut haben, dass sie keine Lust mehr auf Kino haben. Nur 14 Prozent sind der Meinung, dass sie künftig seltener ins Kino gehen werden, weil sie sich an die Möglichkeit gewöhnt haben Filme zu streamen - ermutigende Ergebnisse! Gezielt einen neuen Streamingdienst abonniert, um einen Film zu schauen, der eigentlich im Kino laufen sollte, haben 13 Prozent der befragten Kinogänger.

Ein letzter Blick soll noch auf das Thema Kinofenster erlaubt sein: Sollte ein Film bereits einen Monat nach Kinostart zum Kauf oder zur Leihe digital zur Verfügung stehen, wollen 79 Prozent der befragten Kinogänger Filme, die sie grundsätzlich interessieren, trotzdem im Kino sehen. Liegt der Preis einen Monat nach Kinostart für die digitale Version über dem eines Kinotickets, wären vier Prozent der Befragten bereit zu warten, weitere sieben Prozent wären an der digitalen Kopie interessiert, wenn diese weniger als ein Kinoticket kostet. Elf Prozent geben an warten zu wollen, bis der Film im Rahmen eines SVoD-Abonnements verfügbar ist.

Autorin: Gaby Hardt-Voß

Zur Methodik:

Die fünfte Umfrage zum Thema »Kino nach Corona« wurde von S&L Research vom 5. bis 10. März über www.moviepanel.de durchgeführt - 861 deutsche Kinogänger ab 16 Jahren nahmen an dieser Umfrage teil, die Zusammensetzung des Samples orientierte sich erneut an der des deutschen Kinopublikums. S&L Research ist der Geschäftsbereich der Weischer.Cinema Operations GmbH, der sich seit 2003 mit dem Thema Film- und Kinomarktforschung beschäftigt. Wenn Sie Interesse an weiteren Ergebnissen haben, kontaktieren Sie bitte slresearch@weischer.net.