Produktion

Till Schmerbeck über seine Horrorfilmprojekte

Produzent Till Schmerbeck war mit dem Horrorfilm "Heilstätten" 2018 und 2019 im Kino erfolgreich. Nun läuft er bei Netflix in Deutschland und Schmerbeck arbeitet an drei neuen Horrorstoffen. Blickpunkt:Film fragte beim Genrefilmspezialisten nach.

11.03.2021 14:19 • von Heike Angermaier
Genrefilmspezialist Till Schmerbeck (Bild: privat)

Produzent Till Schmerbeck war 2018 und 2019 mit dem Horrorfilm "Heilstätten" im Kino erfolgreich. Nun läuft er bei Netflix in Deutschland und Schmerbeck arbeitet an drei neuen Horrorstoffen. Blickpunkt:Film fragte beim Genrefilmspezialisten nach.

"Heilstätten" läuft bei Amazon Prime Video in Lateinamerika und  seit kurzer Zeit bei Netflix . Wie kamen die Deals zustande?

TILL SCHMERBECK: "Heilstätten" läuft seit elf Tagen bei Netflix Deutschland. Er stieg am vergangenen Wochenende bis auf Platz drei der Charts. Der Netflix-Deal wurde durch 20th Century Fox bzw. dem neuen Eigentümer Disney veranlasst. Fox hatte mit meiner Schmerbeck Entertainment einen All-Rights-Deal.

Der in Santa Monica ansässige Vertrieb IDC erwarb die Lateinamerika-Rechte von Weltvertrieb Storyboard Media aus Los Angeles. Durch den enormen Kinoerfolg, in erster Linie in Mexiko, konnte IDC die VOD-Rechte für Lateinamerika an Amazon Prime verkaufen. "Heilstätten" heißt dort "El Manicomio".

Wie sind ihre Erfahrungen bisher?

TILL SCHMERBECK: Nach einigen Gesprächen mit deutschen Weltvertrieben hatte ich das Gefühl, dass Horror an einen Weltvertrieb gehen sollte, der einige Erfahrungswerte in diesem Genre vorweisen kann. Storyboard-Chefin Elisabeth Costa de Beauregard war früher bei Lakeshore Entertainment und Voltage Pictures und hat "Heilstätten" auf dem Filmmarkt in Cannes 2018 sehr erfolgreich verkauft, hauptsächlich nach Lateinamerika, Südostasien und Europa. Der Film ist in 21 Ländern ins Kino gekommen. Das ist wirklich außergewöhnlich und ein deutliches Zeichen, dass Horror in anderen Ländern ein Genre in erster Linie fürs Kino ist.

Wie ist der Status von "Totensonntag in Heilstätten"? Der Inhalt, eine mexikanisch-deutsche Totensonntagsfeier, liest sich nicht unbedingt wie eine klassische Fortsetzung. Sollen die Figuren und Schauspieler ebenso zurückkehren wie Regisseur Michael David Pate?

TILL SCHMERBECK: Es ist keine klassische Fortsetzung. Figuren kehren nicht zurück. Wenn Schauspieler zurückkehren, dann in neuen Rollen. Im Moment konzentriere ich mich auf die Drehbucharbeit, bei der mich Dramaturg Norbert Maass sehr gut unterstützt.

Wie ist der Entwicklungsstand bei "Todesstreifen" um eine Gruppe Teenager, die sich in einem DDR-Bunker verirren und in eine Parallelwelt geraten? Mit Sven Unterwaldt haben Sie einen gestandenen Kinoregisseur an Bord, den man vor allem mit Komödien in Verbindung bringt. Wie kamen Sie auf ihn?

TILL SCHMERBECK: Sven Unterwaldt beweist seit vielen Jahren, dass er ein großes Kinopublikum unterhalten kann. Ich halte nichts vom Regie-Schubladendenken. Er ist begeistert vom Stoff und bringt sich enorm in die Drehbucharbeit mit ein. Wir haben eine gemeinsame Vision, das ist entscheidend bei der Regieauswahl. Wichtig ist mir auch, dass ich ein gutes persönliches Verhältnis zu meinen Regisseuren habe. Die Arbeit an Filmprojekten muss auch immer gute Lebenszeit sein. "Todesstreifen" ist vielleicht der teuerste deutsche Horrorfilm aller Zeiten, dafür brauche ich einen deutschen Top-Regisseur.

Wie weit sind Sie mit "Blue as your Blood", der beim Pitching in Sitges gewonnen hat?

TILL SCHMERBECK: Ivan Sainz-Pardo, der an der HFF München Regie studiert hat, überzeugt seit vielen Jahren mit internationalen Genre-Kurzfilmen, die Schrecken und Realität faszinierend verbinden. Er ist ein spannender Filmemacher und die Geschichte betritt als Creature-Movie auch Neuland in Deutschland. Darum ist "Blue as your Blood" als internationale Koproduktion angelegt. Ich knüpfe gerade spannende Kontakte in aller Welt damit.

Suchen Sie für Ihre Projekte Partner eher im Kino- oder im Streamingbereich?

TILL SCHMERBECK: Ich halte Horror neben Komödie und Family Entertainment für das rentabelste Genre im Kino. Alle meine Projekte haben deutliche visuelle Kinoargumente und Themen mit Marketingstrategien. Vorteil der Streamingportale ist die schnelle Finanzierung. Für mich auch ein entscheidender Faktor in diesen schwierigen Zeiten, da man auch mehr Zeit für das kreative Ergebnis hat. Beide Märkte sind gleichwertige Partner für Horror.

Wie schätzen Sie die aktuelle Situation für Produzenten im Allgemeinen ein?

TILL SCHMERBECK: Produzenten können auf der einen Seite viel kreativer mit Streamern arbeiten, auf der anderen Seite wird sich das Kino nach der Pandemie neu definieren müssen. Es wird weniger Kinofilme und höhere Marketingbudgets geben. Nur Filme mit hohem Aufmerksamkeitspoteztial werden rentabel sein. Das gilt für Mainstream wie für Arthouse. Der Kinofilm wird mehr und mehr zum Businessmodell. Horror hat dabei ein treues und leicht anzusprechendes Publikum. Wenn man sich überlegt, dass Stephen Kings ES" über drei Mio. deutscher Kinozuschauer hatte, ist das Motivation genug für mich, deutschen Horror zu produzieren. Persönlich habe ich den Vorteil, dass ich keine großen Fixkosten habe, die mich belasten. Ich muss nicht zwei Filme im Jahr drehen, um zu überleben, ich drehe lieber weniger, dafür erfolgreicher.

Die Fragen stellte Heike Angermaier